Der hässlichste Bahnhaltepunkt in Düsseldorf ist in Angermund © Gabriele Schreckenberg

Der häss­lichste Bahn­hal­te­punkt in Düs­sel­dorf ist in Anger­mund © Gabriele Schreckenberg

 

Von Gabriele Schreckenberg

Der Bahn­hof ist kein Bahn­hof, son­dern ein S‑Bahn-Hal­te­punkt – und lei­der wohl der häss­lichste im Stadtgebiet.

Er ver­bin­det Neu-Anger­mund und Alt-Anger­mund, sozu­sa­gen dies- und jen­seits der Bahn, ist von Bar­rie­re­frei­heit Licht­jahre ent­fernt, und die Men­schen, die ihn nut­zen, müs­sen eine dunkle Unter­füh­rung durch­que­ren, die seit jeher als Angst­raum gilt.

Auf der Seite zur Bahn­hof­straße emp­fing frü­her das präch­tige Haus Litz­brück mit Hotel und Restau­rant als beste Adresse der Rosen­stadt und des Umlands. Doch das Haus wurde schon vor Jah­ren an einen Inves­tor in Wesel ver­kauft, der offen­bar in den roten Zah­len steckt und das marode Gebäude mit brö­ckeln­der Fas­sade und unge­nutz­ten Innen­räu­men wei­ter ver­fal­len lässt.

Auf der ande­ren Seite war­tet Aldi auf der Anger­mun­der Straße 37k in einer Senke. Park-&-Ride-Parkplätze kom­plet­tie­ren hier das Bild.

Und mit­ten­drin rat­tern die Züge – Rich­tung Duis­burg, Rich­tung Düs­sel­dorf. Mit der S‑Bahn dau­ert eine Fahrt von Anger­mund bis zum Düs­sel­dor­fer Haupt­bahn­hof 16 Minu­ten, zum Flug­ha­fen vier Minuten.

Alle 15 Minu­ten ein RRX durch Angermund

Dass die lärm­ge­plag­ten Anwoh­ner rund um die Bahn­hof­straße genervt sind, liegt auf der Hand. Denn hier fuh­ren einst Bim­mel­bah­nen für Dampf­loks – inzwi­schen ist die Stre­cke eine Schnell­fahr­trasse gewor­den. Mit vier Glei­sen gehört sie laut Sta­tis­tik zu den am dich­tes­ten befah­re­nen Gleis­ab­schnit­ten Europas.

Spä­tes­tens seit der Pla­nung des Rhein-Ruhr-Expres­ses, der die größ­ten Städte im Ruhr­ge­biet mit einem 160 km/h schnel­len Zug ver­bin­den soll – ins­be­son­dere auf der Stre­cke von Köln bis Dort­mund –, sorgt das Thema für viel Aufregung.

Die Initia­tive Anger­mund setzt sich seit vie­len Jah­ren für den Lärm­schutz ein. Allen voran Elke Wag­ner, die Vor­sit­zende des Ver­eins, die regel­mä­ßig mit dem Eisen­bahn­bun­des­amt in Kon­takt steht.

Das Zukunfts­sze­na­rio sieht so aus: Im Vier­tel­stun­den­takt rast ein RRX mit 160 km/h durch Anger­mund – ohne zu hal­ten. Die Anger­mun­der pro­fi­tie­ren von der neuen Schnell­stre­cke gar nicht und haben nur den Lärm oben­drauf. Genau aus die­sem Grund for­dert die Initia­tive Anger­mund schon seit Jah­ren eine Ein­hau­sung des Stre­cken­ab­schnitts – bis­lang ohne Erfolg.

Am 19. März hat das Eisen­bahn­bun­des­amt als zustän­dige Plan­fest­stel­lungs­be­hörde vor­ge­legt, wie die künf­tige Tras­sen­füh­rung durch Anger­mund aus­se­hen soll: ohne Ein­hau­sung, dafür mit bis zu sechs Meter hohen Lärmschutzwänden.