
Wolfram N. Diener. Maruius Berlemann und Bernhard J. Stempfle © Lokalbüro
Selbst wenn die Messe Düsseldorf für das Jahr 2025 eine positive Bilanz ausweist, so ist das schön und zeugt von einer erfolgreichen strategischen Ausrichtung. Doch bedeutet dies im aktuellen weltweiten Messegeschäft nur eine Momentaufnahme. Deswegen geht der Blick der Messemacher weit nach vorne – bis ins Jahr 2040.
Der globale Ausstellermarkt ist kein Schlaraffenland, zumal die Weltwirtschaft stagniert. Allein aus diesem Grund verstärkt die Messe Düsseldorf konsequent ihre weltweite Präsenz. Im Fokus steht dabei die arabische Halbinsel, die mit überproportionalem Wachstumspotenzial in dieses Messe-Business drängt. Mit dem Aufbau eines regionalen Hubs in Dubai und Saudi-Arabien sowie neuen Messeprojekten reagiert die Messe Düsseldorf auf die dortige wirtschaftliche Dynamik. Gerade letztgenanntes Land bezeichnet Messechef Wolfram Diener als „hochattraktiven Zukunftsmarkt“, getrieben durch die wirtschaftliche Diversifizierung des Landes weg von Öl und Gas hin zu Industrie, Maschinenbau und Technologie. Diener: „Saudi-Arabien ist der Koloss der ganzen arabischen Halbinsel.“ Viele Kernkompetenzen der Messe Düsseldorf würden explizit auf den saudischen Markt passen. So könne die Hauptstadt Riad als zukunftsrelevanter Messestandort vor allem im Rahmen neuer Industrie- und Technologieprojekte betrachtet werden.
Und wenn schon die arabische Halbinsel im Fokus liegt, was liegt näher als ein kleiner Schwenk auf den afrikanischen Kontinent – nach Kairo, genauer „Neu-Kairo“? Dort entsteht ein „respektables“ Messegelände, auf dem die Düsseldorfer bereits aktiv sind. „Wir denken auch in Ägypten strategisch. Es ist ein Brückenkopf zwischen der arabischen Welt auf dem afrikanischen Kontinent und der mittleren östlichen arabischen Halbinsel.“
Mit 78 Auslandsvertretungen für 142 Länder sowie neun internationalen Tochterunternehmen baute und baut die Messe Düsseldorf ihre Bedeutung auf dem weltweiten Markt aus. Diese globale Ausrichtung erinnert schon ein wenig an Karl V., der angeblich gesagt haben soll, dass in seinem Reich die Sonne nie untergehe.
Diese zahlreichen Aktivitäten werden allesamt aus Stockum koordiniert. Mit weltweit 81 Messen im Jahr 2025, davon 26 in Düsseldorf, und einem geschätzten Gewinn von rund 29 Millionen Euro nach Steuern zählt das Unternehmen zu den profitabelsten Messeveranstaltern in Deutschland. Besonders hob Diener die hohe Effizienz hervor: Im Vergleich zu anderen großen deutschen Messegesellschaften erzielte die Messe Düsseldorf seit 2008 deutlich höhere kumulierte Gewinne – und das nahezu ohne staatliche Hilfen.
Dabei investiert die Messe Düsseldorf in die Weiterentwicklung etablierter Leitmessen wie der Medica und der EuroShop sowie in neue, innovative Messeformate. Dazu zählen unter anderem technologie- und erlebnisorientierte Veranstaltungen wie die Hightech-Messe „Exponential Europe“, die sich mit autonomen Systemen, Drohnentechnologie und Cybersicherheit befasst und politisch hohe Aufmerksamkeit erfährt. Wobei an der Exponential der Spagat zwischen Wehrtechnologie und ziviler Anwendung deutlich wird. Diener: „Es ist eine Hightech-Messe für autonome Fahrtbewegung. Zur autonomen Fahrtbewegung gehört auch Drohnentechnologie, und somit ist Drohnentechnologie seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine in aller Munde. Und jedem ist mittlerweile bekannt, von welch hoher Bedeutung Drohnentechnologie im Bereich Verteidigung ist. Aber nicht nur im Bereich Verteidigung, eben auch für zivile Anwendungen.“ Eine größere Relevanz als bei der Premiere im letzten Jahr erhält die parallel laufende zweitägige Konferenz, die sich unter anderem mit Cyber Security und dem Schutz der Infrastruktur thematisch befassen wird.
Während sich die Messe strategisch auf die nächsten Jahre und Jahrzehnte vorbereitet, darf das Alltagsgeschäft nicht aus den Augen verloren werden. Und da rückt die ProWein ins Zentrum der Betrachtung, da sie in den letzten Jahren den Rang als weltweite Leitmesse – wenn nicht verloren – so doch Tiefschläge hat hinnehmen müssen. Paris wurde zu einem starken Mitbewerber, der Düsseldorf zunehmend den Rang abläuft. Seit gut einem Jahr steuern die Düsseldorfer mit einem radikal neuen Ansatz dagegen. Marius Berlemann, Vorstand für das operative Geschäft: „Der Besucher entscheidet, wo der Aussteller hingeht.“ Um diesen Grundgedanken zu verdeutlichen: Der Messebesuch endet nicht um 18 Uhr mit dem Verlassen des Geländes, sondern muss nach einem Tag in Stockum ein attraktives Umfeld bieten. Nun ist Düsseldorf nicht Paris – ein Satz, der seit dem Fehdehandschuh der französischen Konkurrenz verdeutlicht, an welcher Stelle die Landeshauptstadt Nachholbedarf besitzt. „ProWein City Vibes“ soll diese Lücke bei dieser Fachmesse erstmalig füllen. Mit „Altbier statt Burgund“ lässt sich die Idee ebenfalls charakterisieren. „Die Besucher besser zu verstehen“, so Berlemann weiter, bedeutet, sie in ein gesamtstädtisches Event- und Tourismuskonzept einzubinden. Dies ist ein Moment, die „Veranstaltungen in Düsseldorf durch eine konsequente Weiterentwicklung abzusichern“, skizzierte Berlemann am Beispiel der ProWein. Durch gezielte Analysen und neue Marketingansätze sollen relevante Entscheiderinnen und Entscheider angesprochen werden, da deren Nachfrage zunehmend bestimmt, welche Unternehmen an Messen teilnehmen.
Hört sich angesichts anderer Zahlen wie eine Mammutaufgabe an: Mit 26 Veranstaltungen am Standort Düsseldorf, rund 24.000 ausstellenden Unternehmen und etwa einer Million Besucherinnen und Besucher im Jahr 2025 beweist sich die Messe als zentraler Wirtschaftsfaktor der Region. Der Auslandsanteil von 35 Prozent gilt dabei als stabil, bei internationalen Leitmessen wie der Medica oder der Kunststoffmesse K liegt er sogar bei über 70 Prozent der Besucher.
Bei allen Visionen, Ideen und dem Relevanzzuwachs bildet das Herz jedes Unternehmens – und damit auch der Messe – die Bilanz. Für das Jahr 2025 wird ein Gruppenumsatz von rund 370 Millionen Euro erwartet, bei einem Gewinn von etwa 30 Millionen Euro und einer Rendite von acht Prozent. Damit erreicht das Unternehmen erneut das Vor-Corona-Niveau. Für 2026 rechnet die Messe Düsseldorf mit einem Rekordumsatz von rund 420 Millionen Euro und einem Ergebnis von knapp 40 Millionen Euro. Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist das internationale Geschäft, dessen Anteil an der genutzten Ausstellungsfläche bis 2026 auf rund 20 Prozent steigen soll.
Diese positiven Zahlen und Prognosen ermöglichen ein groß angelegtes Modernisierungskonzept am Düsseldorfer Standort – bis 2028 im Wesentlichen der Neubau der Halle 9 (200 Millionen Euro) sowie der Neubau und die Sanierung der Zentrale (100 Millionen Euro). „Langfristig sind bis 2040 Gesamtinvestitionen von 1,45 Milliarden Euro vorgesehen“, sagte Finanzvorstand Bernhard Stempfle. Fürwahr hohe Summen, die aber als Signal verstanden werden können: Die Messe Düsseldorf glaubt an die Zukunft ihres Geschäftsmodells, an den Standort Düsseldorf und an Deutschland als führenden Messestandort im Herzen Europas. Insgesamt präsentierte sich die Messe auf der Bilanzpressekonferenz als global vernetzter Messeveranstalter, der die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen annimmt und dabei seinen klaren Fokus auf Qualität, Internationalisierung und langfristiges Wachstum setzt.

