Frage: Was ist ein Schütze ohne Würdezeichen?
Immer noch ein Schütze – wobei es bei einem Chef schon schwieriger wird. Seit rund 18 Monaten fehlt bei den Sebastianern von 1316 eben dieses Amtszeichen. Nun wurde der Entwurf des Nachfolgemodells vorgestellt. Zum großen Schützenfest 2026 soll sie dann geschmiedet sein.
Was war geschehen? Rückblick!
Im Sommer, just als der Trubel auf den Rheinwiesen auf der großen Kirmes der Spitze entgegensteuerte, nutzte ein Spitzbube (oder eine Dame) einen unbewachten Schützenmoment und stahl die Insignien des obersten Vereinsrepräsentanten. Zurück blieben ein untröstlicher Andreas-Paul Stieber und zahlreiche Verwünschungen und Flüche der gesamten Düsseldorfer Schützenwelt über den dreisten Dieb.
Doch selbst diese weniger stubenfreien Bemerkungen sowie der höfliche Aufruf, dieses historische Traditionsstück des Vereins zurückzugeben, fruchteten nicht. So sah sich das Regiment nun genötigt, ein neues Würdezeichen in Auftrag zu geben.
Dass sich eine Meisterklasse aus Köln dem Unterfangen widmete, ist eine Randnotiz und liegt lediglich daran, dass es in Nordrhein-Westfalen nur in der Domstadt und im westfälischen Münster eine derartige Meisterklasse gibt. Unter 13 Entwürfen wurde letztlich der Gewinner gefunden.
Das Ergebnis ist ein Hybrid aus Tradition und Moderne und stammt von Simeon Andreas Prade. Er nannte seinen Entwurf „Gemeinsam für die Zukunft“ und nahm die Düsseldorfer Rose als Basis „für die Kette in einer modernen und klaren Form“. (Die konkrete Interpretation und die Erklärung zu den Motiven finden Sie am Ende des Textes.) Dafür erhielt der Meisterklassenschüler 2.000 Euro.
Stieber zeigte sich von dem Siegerentwurf sehr angetan: „Mir gefällt der Bezug zur Schützentradition und zur Stadt.“
Besonders hervorgehoben sind auf der Kette dabei die beiden Wappen Berg und Düsseldorf, die sofort ins Auge fallen.
Auch Regimentsoberst Torsten Peters hob das Verschmelzen von Tradition und Moderne hervor:
„Mir hat dieser Entwurf sehr zugesagt.“
Sieben Wochen habe sich die Klasse mit der Tradition der Schützen und den daraus resultierenden Ergebnissen auseinandergesetzt, erzählte Ingo Telkmann, Dozent an der Meisterschule der Handwerkskammer Köln. Und obwohl jeder einzelne Schüler eine andere Idee kreierte, hätten sie sich gegenseitig unterstützt. Manch einer habe dabei seine Meinung über die Schützen und ihre Welt revidiert, wie Sebastianerchef Stieber einfügte.
Nun aber kommt die neue Kette an die Kette. Mit eigenen Objektschützern und einer versteckten Peilfunktion ausgestattet, soll einer Wiederholung des Dramas von 2024 ein Riegel vorgeschoben werden. So kommen Schützenchef und Kette gleichermaßen „an die Kette“. Wobei noch ein wenig die Hoffnung besteht, das gestohlene Würdezeichen vielleicht doch – irgendwann einmal – wieder aufzufinden.
So geht’s weiter:
Im nächsten Schritt werden Angebote eingeholt, denn mehr als 20.000 Euro an Spendengeldern will das Regiment nicht ausgeben – angesichts der gestiegenen Edelmetallpreise eine sportliche Aufgabe. Letztlich wird die Kette jedoch nicht schwer auf Stiebers Schultern liegen: Sie wird weniger als ein Kilogramm wiegen und einen besonderen Zukunftsaspekt beinhalten.
Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages und Juryvorsitzender, sagt dazu: „Sie wird so gefertigt sein, dass sie auch von einer Frau getragen werden kann.“
Gemeinsam für die Zukunft
Die Basis: Die Formgebung der Düsseldorfer Rose bildet die Basis für die Kette in einer modernen und klaren Form. Es treffen Stile und Denkmuster aufeinander, die sich in Symbolik und Ästhetik vereinen.
Das Mittelteil: Das siebenstrahlige Mittelteil repräsentiert die über 700-jährige Geschichte des Vereins. Mit dem Anker und der Krone des Düsseldorfer Löwen steht diese Kette nicht nur als Symbol für den Verein, sondern auch für die Stadt Düsseldorf. Die goldenen Eichenblätter stützen optisch das Mittelteil und bringen traditionelles Schützengefühl in das Zentrum.
Die vergoldete Platte in der Mitte ist mit dem dynamischen und markanten Adler der Schützenmedaille graviert, zusammen mit den typischen gekreuzten Pfeilen.
Die Kette: Die Wappen von Herzogtum Berg und Düsseldorf zitieren die alte Kette und tragen die jahrhundertealte Tradition in einem modernen Rahmen weiter. Die geknoteten Kettenelemente symbolisieren Verbundenheit und Gemeinschaft in schlichtem und stimmigem Design.
Die Rückseite: Auf dem Rückteil ist eine vergoldete Platte eingearbeitet, mit dem leicht abgewandelten Spruch „Semper cum Deo“ („Immer mit Gott“), um eine positive Basis für den Verein und die Zukunft jedes einzelnen Schützen zu legen. Die besondere Form des Rückteils ist so konstruiert, dass sie sich beim Tragen ein wenig unter den Kragen des Sakkos bzw. der Uniform legt, um ausgerichtet zu bleiben.
Gesamtwirkung: Insgesamt entsteht ein stimmiges, begeisterndes und einladendes Bild, das die Position der tragenden Person auf seriöse und moderne Art ausdrückt und transportiert.

Torsten Peters, Dr. Florian Hartmann, Gewinner Simeon Andreas Prade, Andreas-Paul Stieber und Ingo Telkmann © Lokalbüro






