Jacques Tilly © Lokalbüro

Der Men­schen­rechts­preis der Ton­halle Düs­sel­dorf 2026 geht an die suda­ne­si­sche Frau­en­recht­le­rin Salwa Els­adik. Die Aus­zeich­nung wird am 29. März im Rah­men eines Men­schen­rechts­kon­zerts ver­ge­ben. Erst­mals wird zusätz­lich ein Soli­da­ri­täts­preis ver­lie­hen, der an den Düs­sel­dor­fer Bild­hauer Jac­ques Tilly geht.

Initi­iert wurde der Preis vom Diri­gen­ten Adam Fischer, Ers­ter Kon­zert­di­ri­gent der Ton­halle Düs­sel­dorf. Seit 2016 zeich­net Fischer jähr­lich eine Per­son oder Orga­ni­sa­tion aus, die sich in beson­de­rer Weise für Frei­heit und Men­schen­rechte ein­setzt. Der Haupt­preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Salwa Elsadik © Global Womens Forum

Salwa Els­adik ist Grün­de­rin und Direk­to­rin der von Frauen geführ­ten Orga­ni­sa­tion Women Advo­cacy and Deve­lo­p­ment Initia­tive (WADI). Die Initia­tive leis­tet im Sudan huma­ni­täre Hilfe in einem Land, das seit Jah­ren von Bür­ger­krieg, Ver­trei­bung und Hun­ger geprägt ist. Nach dem weit­ge­hen­den Zusam­men­bruch staat­li­cher Struk­tu­ren über­neh­men zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen wie WADI zen­trale Auf­ga­ben der Ver­sor­gung – vom Zugang zu Lebens­mit­teln und sau­be­rem Was­ser bis hin zu Not­un­ter­künf­ten. Ein beson­de­rer Fokus liegt auf dem Schutz von Frauen und Mäd­chen sowie auf ihrer Betei­li­gung an Friedensprozessen.

Zur Ent­schei­dung erklärte Fischer, viele Kon­flikte gerie­ten aus dem Blick der west­li­chen Öffent­lich­keit. „Was im Sudan seit Jah­ren geschieht, dür­fen wir nicht ver­ges­sen“, sagte er. Er habe gro­ßen Respekt vor Els­adik, die trotz Gewalt und poli­ti­scher Insta­bi­li­tät uner­müd­lich für Gleich­be­rech­ti­gung und Men­schen­rechte kämpfe.

Der erst­mals ver­ge­bene undo­tierte Soli­da­ri­täts­preis geht an Jac­ques Tilly. Der Bild­hauer gestal­tet seit den 1980er-Jah­ren die poli­tisch-sati­ri­schen Mot­to­wa­gen des Düs­sel­dor­fer Rosen­mon­tags­zugs, die regel­mä­ßig inter­na­tio­nal Auf­merk­sam­keit erre­gen. Gegen Tilly läuft in Russ­land ein Straf­ver­fah­ren wegen angeb­li­cher „Falsch­in­for­ma­tio­nen über die rus­si­sche Armee“ und der Ver­un­glimp­fung staat­li­cher Organe. Ihm dro­hen dort Geld­stra­fen oder eine Haft­strafe von bis zu zehn Jahren.

Fischer wür­digte Til­lys Enga­ge­ment für die Mei­nungs­frei­heit aus­drück­lich. Als Künst­ler müsse man gegen die Ver­fol­gung von Kunst­schaf­fen­den auf­ste­hen, betonte der Diri­gent. Til­lys klare, ent­schie­dene Bild­spra­che ver­diene Schutz, nicht Anklage.

Die Preis­ver­lei­hung fin­det im Rah­men eines Kon­zerts in der Ton­halle statt. Auf dem Pro­gramm steht die Zweite Sym­pho­nie von Johan­nes Brahms, inter­pre­tiert von den Düs­sel­dor­fer Sym­pho­ni­ker unter der Lei­tung von Adam Fischer. Gestif­tet wird der Men­schen­rechts­preis von der Gesell­schaft der Freunde und För­de­rer der Ton­halle Düs­sel­dorf aus zweck­ge­bun­de­nen Spen­den, unter ande­rem der Stadt­spar­kasse Düs­sel­dorf. Beide Preis­trä­ger wer­den ihre Aus­zeich­nun­gen per­sön­lich entgegennehmen.

Der Men­schen­rechts­preis der Ton­halle geht auf Fischers Initia­tive zurück und gilt als bun­des­weit bei­spiel­los für das gesell­schaft­li­che Enga­ge­ment eines Kon­zert­hau­ses. Zu den bis­he­ri­gen Preis­trä­gern zäh­len unter ande­rem der tür­ki­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vist Osman Kavala sowie inter­na­tio­nale Initia­ti­ven für Ver­stän­di­gung und Demokratie.