Salwa Elsadik ist Gründerin und Direktorin der von Frauen geführten Organisation Women Advocacy and Development Initiative (WADI). Die Initiative leistet im Sudan humanitäre Hilfe in einem Land, das seit Jahren von Bürgerkrieg, Vertreibung und Hunger geprägt ist. Nach dem weitgehenden Zusammenbruch staatlicher Strukturen übernehmen zivilgesellschaftliche Organisationen wie WADI zentrale Aufgaben der Versorgung – vom Zugang zu Lebensmitteln und sauberem Wasser bis hin zu Notunterkünften. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz von Frauen und Mädchen sowie auf ihrer Beteiligung an Friedensprozessen.
Zur Entscheidung erklärte Fischer, viele Konflikte gerieten aus dem Blick der westlichen Öffentlichkeit. „Was im Sudan seit Jahren geschieht, dürfen wir nicht vergessen“, sagte er. Er habe großen Respekt vor Elsadik, die trotz Gewalt und politischer Instabilität unermüdlich für Gleichberechtigung und Menschenrechte kämpfe.
Der erstmals vergebene undotierte Solidaritätspreis geht an Jacques Tilly. Der Bildhauer gestaltet seit den 1980er-Jahren die politisch-satirischen Mottowagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs, die regelmäßig international Aufmerksamkeit erregen. Gegen Tilly läuft in Russland ein Strafverfahren wegen angeblicher „Falschinformationen über die russische Armee“ und der Verunglimpfung staatlicher Organe. Ihm drohen dort Geldstrafen oder eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.
Fischer würdigte Tillys Engagement für die Meinungsfreiheit ausdrücklich. Als Künstler müsse man gegen die Verfolgung von Kunstschaffenden aufstehen, betonte der Dirigent. Tillys klare, entschiedene Bildsprache verdiene Schutz, nicht Anklage.
Die Preisverleihung findet im Rahmen eines Konzerts in der Tonhalle statt. Auf dem Programm steht die Zweite Symphonie von Johannes Brahms, interpretiert von den Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Adam Fischer. Gestiftet wird der Menschenrechtspreis von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf aus zweckgebundenen Spenden, unter anderem der Stadtsparkasse Düsseldorf. Beide Preisträger werden ihre Auszeichnungen persönlich entgegennehmen.
Der Menschenrechtspreis der Tonhalle geht auf Fischers Initiative zurück und gilt als bundesweit beispiellos für das gesellschaftliche Engagement eines Konzerthauses. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der türkische Menschenrechtsaktivist Osman Kavala sowie internationale Initiativen für Verständigung und Demokratie.