
Gebäude an der Eisenstraße
Die Pläne für eine neue Drogenhilfeeinrichtung an der Eisenstraße stoßen im Stadtteil weiter auf massiven Widerstand. Bei einem Informationsabend in der Volkshochschule kamen am Dienstagabend mehr als 300 Anwohnerinnen und Anwohner zusammen. Viele von ihnen fühlen sich von der Stadt übergangen. Die zuständige Beigeordnete Miriam Koch versuchte, die Wogen zu glätten – und warb für mehr Dialog.
Immer wieder war an diesem Abend der Vorwurf der Intransparenz zu hören. Warum die Nachbarschaft nicht früher eingebunden worden sei, wollten viele wissen. Koch räumte Versäumnisse ein und kündigte an, den Austausch fortzusetzen. Weitere Informationsveranstaltungen seien geplant.
Konkret geht es um das städtische Gebäude an der Eisenstraße 49. Dort soll künftig eine Anlaufstelle für schwer suchtkranke Menschen entstehen. Vorgesehen sind bis zu 60 Plätze. Derzeit dient das Haus noch als Winternotunterkunft für Obdachlose, in der deutlich mehr Menschen untergebracht sind. Mit dem neuen Konzept sei eine Reduzierung der Plätze notwendig, erklärte Koch. Spätestens im Frühjahr soll die Umstellung erfolgen, die Eröffnung ist noch vor der Sommerpause vorgesehen.
Zum Konzept gehören medizinische und soziale Betreuung, festes Personal sowie ein Sicherheitsdienst im Haus. Zudem sollen bauliche Maßnahmen dafür sorgen, dass es weniger Berührungspunkte mit der direkten Nachbarschaft gibt. Der Innenhof, der an ein Gymnasium grenzt, werde nicht genutzt, betonte die Stadt.
Besonders kritisch sehen viele Anwohner, dass in der Einrichtung der Konsum von Crack erlaubt sein soll. Auch der sogenannte Mikrohandel, also die Weitergabe kleinster Mengen, ist vorgesehen. Ziel sei es, Konsum und Handel aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, argumentieren Stadt und Träger. Nur so lasse sich die Situation rund um den Hauptbahnhof und andere belastete Bereiche dauerhaft entspannen.
Diese Argumentation überzeugte viele Besucher nicht. Sie befürchten eine zusätzliche Belastung für das Viertel und sorgen sich vor allem um die Sicherheit von Kindern. Schulen und Kitas befinden sich in unmittelbarer Nähe. Entsprechend emotional fiel die Diskussion aus.
Unterstützung bekam die Stadt von Fachleuten der Düsseldorfer Drogenhilfe. Sie verwiesen auf Erfahrungen aus anderen Projekten, etwa an der Moskauer Straße. Dort habe sich gezeigt, dass feste Anlaufstellen zu mehr Ruhe führten – auch für das Umfeld. Ähnliche Konzepte gebe es zudem in anderen europäischen Städten.
Am Ende des Abends blieb die Skepsis groß. Klar wurde aber auch: Der Gesprächsbedarf ist noch lange nicht gedeckt. Für März kündigte die Stadt einen weiteren Infoabend an. Zudem soll es einen „Tag der offenen Tür“ geben, sobald das Gebäude nicht mehr bewohnt ist. Damit will die Stadt verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Miriam Koch bei der Infoveranstaltung

