
Container als zusätzliche Kommunikationszentrale am Corneliusplatz © Lokalbüro
Am Corneliusplatz funkelt es neuerdings nicht nur in den Schaufenstern der Kö, sondern auch im administrativen Ausnahmezustand. Dort steht seit Kurzem ein Bürocontainer, aufgestellt vom Comitee Düsseldorfer Carneval – allerdings nicht dauerhaft, sondern ausschließlich für die tollen Tage.
Ein Provisorium also. Ein sehr… ambitioniertes.
Leitstelle mit Laufsteg-Charakter
Offiziell dient der Container als zusätzliche Kommunikationszentrale, um die Leitstelle im Rathaus während des Straßenkarnevals zu entlasten. Koordination, Sicherheit, Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt – all das braucht Struktur. Und im Ausnahmezustand der fünften Jahreszeit erst recht.
Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass bei Großveranstaltungen professionelle Organisation erforderlich ist. Wenn Hunderttausende in die Innenstadt strömen, ist Improvisation keine Option.
Aber musste die Improvisation aussehen wie ein Designobjekt?
Temporär – aber bitte mit Stil
Der Container steht nur für wenige Tage. Danach verschwindet er wieder. Ein saisonales Phänomen, gewissermaßen der architektonische Rosenmontagswagen unter den Verwaltungsgebäuden.
Und doch wirkt er weniger wie „funktionale Einsatzstruktur“ und mehr wie „Pop-up-Headquarter mit Glasfassade“. Wer vorbeigeht, fragt sich unweigerlich: Wird hier koordiniert – oder gleich ein Champagner-Empfang eröffnet?
Natürlich: Wir sprechen vom Herzen der Königsallee. Am benachbarten Corneliusplatz würde ein grauer Baustellencontainer vermutlich ähnlich irritieren wie Turnschuhe zum Opernball. Wenn schon Provisorium, dann bitte mit Anspruch.
Zwischen Notwendigkeit und Signalwirkung
Das eigentliche Spannungsfeld liegt woanders.
Karneval ist Brauchtum. Identität. Wirtschaftsfaktor. Und ohne das Comitee Düsseldorfer Carneval gäbe es keinen organisierten Ausnahmezustand. Dass hierfür eine zusätzliche Koordinationsstelle eingerichtet wird, ist sachlich nachvollziehbar.
Doch die optische Opulenz wirft Fragen auf – zumindest symbolische. In Zeiten, in denen vielerorts über Sparzwänge diskutiert wird, wirkt selbst ein zeitlich begrenzter Glaspalast schnell wie ein Statement.
Vielleicht ist es am Ende aber einfach nur sehr Düsseldorf:
Selbst der Notbetrieb trägt hier Maßkonfektion.
Und so bleibt der Container, was er ist – ein temporärer Arbeitsplatz für die Organisation der tollen Tage. Mit dem Unterschied, dass er aussieht, als hätte er selbst einen Termin beim Stylisten gehabt.
Man könnte sagen: Für ein paar Tage regiert der Karneval. Und am Corneliusplatz sogar mit architektonischem Glamour.


