
Thomas Borzim ist aus dem Ortsbild von Angermund nicht wegzudenken Foto: Privat
Von Gabriele Schreckenberg
Vor wenigen Tagen berichtete das Lokalbüro über die anhaltende Gewerbeabwanderung im Düsseldorfer Norden. Besonders im Stadtteil Angermund, rund 7.000 Einwohner stark, wächst die Sorge um den Verlust kleiner Handwerks- und Industriebetriebe. Nun meldet sich einer der Betroffenen mit einem öffentlichen Brief zu Wort: der Angermunder Handwerksunternehmer Thomas Borzim.
Von Thomas Borzim
Erinnern wir uns noch an den verheerenden Brand vom 10.01.2023 auf der letzten verbliebenen kleinen Gewerbefläche für Industrie und Handwerk in Angermund?
Wahrscheinlich nicht – außer diejenigen, die unmittelbar davon betroffen waren.
Von einem Tag auf den anderen verschwanden sieben kleine Gewerbebetriebe aus Angermund und standen vor dem wirtschaftlichen Aus.
Ich bin einer davon.
Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt in dringend benötigten Reparaturen für Privathaushalte: Möbelreparaturen, Instandsetzungen von Rollläden, Fenstern und Türen sowie die Beschaffung der dafür erforderlichen Ersatzteile. Dienstleistungen, die im Alltag vieler Menschen unverzichtbar sind.
Nach dem Brand hofften wir zunächst auf einen schnellen Wiederaufbau der Hallen. Im ersten Jahr konnten wir noch in einem verbliebenen Teil der beschädigten Halle ausharren, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Doch diese Hoffnung schwand zunehmend.
Nur durch großes Glück fand ich bei einem sehr freundlichen, verständnisvollen Angermunder Gewerbetreibenden eine kleine Lagerfläche als Übergangslösung. Dieser Familie bin ich bis heute zutiefst dankbar, dass sie mich aufgenommen und mir ermöglicht hat, weitere zwei Jahre auf den Wiederaufbau zu hoffen.
Doch auch drei Jahre später wird das Bauvorhaben durch aus meiner Sicht kaum nachvollziehbare Auflagen ausgebremst.
Eine Anfrage beim Bauamt zur Errichtung eines Gewerbebetriebs auf meinem privaten Grundstück erscheint mir unter diesen Umständen wenig aussichtsreich. Kurz vor meinem Rentenbeginn fehlt mir schlicht die Kraft, mich in langwierige bürokratische Auseinandersetzungen zu begeben.
Dank der Treue und Loyalität meiner geschätzten Kundinnen und Kunden werde ich die verbleibenden Jahre bis zur Rente voraussichtlich überstehen. Mein Wunsch war es jedoch, meinen etablierten und stark nachgefragten Betrieb in Angermund und im Düsseldorfer Norden an einen Nachfolger zu übergeben. Ohne eine genehmigte und bezahlbare Gewerbefläche ist dies jedoch kaum realisierbar.
Wie kann es sein, dass eine wohlhabende Ortsgemeinde wie Angermund mit rund 7.000 Einwohnern keine ausreichende und vor allem bezahlbare Infrastruktur für dringend benötigtes Kleingewerbe bereitstellt?
Geschäftsaufgaben und Insolvenzen nehmen spürbar zu. Zunächst verschwinden diese Betriebe leise aus unserem Alltag – bis wir feststellen, dass ihre Leistungen fehlen.
So wird es vermutlich auch meinem Betrieb ergehen.
Und so bleibt mir am Ende nur der Satz:
„Angermund – es war einmal.“

