Wolfram N. Diener © Messe Düsseldorf/C. Tillmann

Wolf­ram N. Die­ner © Messe Düsseldorf/C. Tillmann

 

Mit der Öff­nung der Tech­no­lo­gie­messe „XPONENTIAL Europe“ für den Ver­tei­di­gungs­be­reich betritt die Messe Düs­sel­dorf bewusst poli­tisch sen­si­bles Ter­rain. Geschäfts­füh­rer Wolf­ram N. Die­ner ver­tei­digt den Schritt als not­wen­dige Reak­tion auf eine ver­än­derte Weltlage.

In einer Mit­tei­lung wirbt die Messe Düs­sel­dorf für einen gesell­schaft­li­chen Dia­log und begrün­det die Ent­schei­dung, die Fach­messe künf­tig auch für den Ver­tei­di­gungs­be­reich zu öff­nen. Noch vor einem Jahr sei die­ser Schritt „graue Theo­rie“ gewe­sen, inzwi­schen habe sich die sicher­heits­po­li­ti­sche Lage jedoch deut­lich verschärft.

Mit Blick auf den anhal­ten­den Krieg in der Ukraine und neue Kon­flikte im Nahen Osten betont Die­ner die wach­sende Rele­vanz des The­mas. Europa könne „die Augen vor der krie­ge­ri­schen Rea­li­tät nicht ver­schlie­ßen“, zugleich stelle sich die Frage nach einem ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang.

Zen­tral für die Ent­schei­dung sei die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung: „Die Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie durch­läuft eine tief­grei­fende tech­no­lo­gi­sche Trans­for­ma­tion und benö­tigt dazu Platt­for­men für Aus­tausch und Know-how-Transfer.“

Beson­ders im Bereich auto­no­mer und unbe­mann­ter Sys­teme ver­schwim­men laut Die­ner zuneh­mend die Gren­zen zwi­schen zivi­ler und mili­tä­ri­scher Nut­zung. Eine strikte Tren­nung die­ser soge­nann­ten Dual-Use-Tech­no­lo­gien sei „nicht ziel­füh­rend“. Die Messe Düs­sel­dorf ver­steht sich dabei nicht als neu­tra­ler Platt­form­an­bie­ter, son­dern als akti­ver Gestal­ter: „Anders als ein sozia­les Medium neh­men wir bewusst Ein­fluss auf die Inhalte unse­rer Ver­an­stal­tun­gen. Wir set­zen den Rahmen.“

Ein inter­dis­zi­pli­nä­rer Bei­rat soll dabei hel­fen, ver­tei­di­gungs­re­le­vante The­men fach­lich ein­zu­ord­nen. Ziel sei es, diese nicht nur zu prä­sen­tie­ren, son­dern kri­tisch zu dis­ku­tie­ren: „Ver­tei­di­gungs­re­le­vante The­men wer­den auf der XPONENTIAL Europe ein­ge­ord­net, dis­ku­tiert und reflektiert.“

Die stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung zeigt laut Die­ner bereits Wir­kung. Die Zahl der Aus­stel­ler habe sich auf rund 360 nahezu ver­dop­pelt, zudem sei die poli­ti­sche Betei­li­gung hoch­ran­gig. Sie reicht von der Schirm­herr­schaft durch Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Patrick Schnie­der über die stra­te­gi­sche Part­ner­schaft mit der Bun­des­wehr bis hin zu zahl­rei­chen Besu­chen auf Spit­zen­ebene: etwa von Ser­giy Boyev, dem stell­ver­tre­ten­den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter der Ukraine, der NRW-Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Mona Neu­baur, NRW-Euro­pa­mi­nis­ter Natha­nael Lim­in­ski, dem bri­ti­schen Bot­schaf­ter Andrew Mit­chell CMG sowie Chris­toph Heus­gen, bis vor einem Jahr Vor­sit­zen­der der Münch­ner Sicherheitskonferenz.

Rück­bli­ckend bewer­tet Die­ner die Öff­nung als not­wen­dig. Eine unver­än­derte Messe hätte „die Rea­li­tät tech­no­lo­gi­scher und geo­po­li­ti­scher Ent­wick­lun­gen aus­ge­blen­det“. Statt­des­sen solle die Ver­an­stal­tung nun auch als Platt­form für gesell­schaft­li­che Debat­ten dienen.

Seine ursprüng­li­che For­de­rung, anders über Ver­tei­di­gung zu spre­chen, for­mu­liert Die­ner daher neu: Es gehe heute vor allem darum, über­haupt dar­über zu spre­chen. Die Messe ver­stehe sich als „Ein­la­dung zum gesell­schaft­li­chen Dia­log über Ver­tei­di­gung“. Die­ner: „Denn die­ser ist bes­ser als jede Frontenbildung.“

Werbung

Wer­bung bitte anklicken !