Archivbild Miriam Brauns und Thorsten Fleiß

Archiv­bild Miriam Brauns und Thors­ten Fleiß

 

Von Man­fred Fammler

Beein­dru­ckende Zah­len hat die Düs­sel­dor­fer Poli­zei heute vor­ge­legt: Rund alle zwei Minu­ten rückt sie zu einem Ein­satz aus. Pro Tag sum­miert sich das auf 654 Ein­sätze, im Jahr auf 238.828.

Erst­mals stell­ten Poli­zei­prä­si­den­tin Miriam Brauns und der Lei­ter der Direk­tion Gefah­ren­ab­wehr, Thors­ten Fleiß, diese Zah­len zur Viel­sei­tig­keit und Häu­fig­keit der Ein­sätze vor. Der Hin­ter­grund: „Wir wür­di­gen viel zu wenig die täg­li­che Arbeit der Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten“, sagte Brauns.

Doch was steckt hin­ter der „Direk­tion Gefah­ren­ab­wehr und Ein­satz“? In Düs­sel­dorf gibt es ins­ge­samt vier Direk­tio­nen: neben der erwähn­ten noch „Ver­kehr“, „Kri­mi­na­li­tät“ und „Zen­trale Auf­ga­ben“. Wäh­rend letz­tere häu­fig im Ver­bor­ge­nen arbei­ten, sind die Kräfte der Gefah­ren­ab­wehr im Stadt­bild all­ge­gen­wär­tig – bei Fuß­ball­spie­len, im Objekt­schutz, bei Demons­tra­tio­nen oder im Kar­ne­val. Die Poli­zei­di­rek­tion Gefah­ren­ab­wehr besteht aus 1300 Beamten.

Die dort ein­ge­setz­ten Uni­for­mier­ten gehö­ren zur Ein­satz­di­rek­tion. Und die hat es in sich: Rund 1.300 Mit­ar­bei­ter ste­hen im Grunde per­ma­nent an vor­ders­ter Front – unab­hän­gig vom jewei­li­gen Ein­satz­an­lass. Als Lan­des­haupt­stadt bie­tet Düs­sel­dorf dabei eine enorme Band­breite an Einsatzlagen.

Ein Bei­spiel sind Ver­samm­lun­gen: 2025 ging die Zahl der Demons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen zwar von 1.166 auf 974 zurück. Wer jedoch sams­tags über die Kö geht, bekommt davon wenig mit. Zudem vari­iert der Per­so­nal­be­darf je nach Anlass erheblich.

Ein ande­res Bei­spiel ist der Sport: Für die 32 Spiele der DEG, die von 225.105 Fans besucht wur­den, waren 502 Ein­satz­kräfte erfor­der­lich. Deut­lich höher lag der Auf­wand bei For­tuna Düs­sel­dorf: Für 17 Spiele wur­den ins­ge­samt 4.756 Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten ein­ge­setzt – mit mehr als 33.000 Per­so­nal­stun­den. Beim Derby gegen den 1. FC Köln im Jahr 2025 waren allein 1.000 Kräfte im Einsatz.

Ange­sichts sol­cher Zah­len über­rascht die Dis­kus­sion über eine Kos­ten­be­tei­li­gung der Ver­eine aus der ers­ten und zwei­ten Bun­des­liga kaum – zumal ein­zelne Gehalts­schecks die Mil­lio­nen­grenze um ein Viel­fa­ches übersteigen.

Auch Groß­ver­an­stal­tun­gen bin­den erheb­li­che Kräfte: Beim Japan-Tag sind rund 300 Beamte im Ein­satz. Die größte Her­aus­for­de­rung sei es dabei, „die Men­schen nach dem Feu­er­werk sicher nach Hause zu gelei­ten“, so Fleiß.

Für die Rhein­kir­mes wür­den umge­rech­net acht Poli­zis­ten ein gan­zes Jahr arbei­ten. Und von Alt­wei­ber bis Rosen­mon­tag über­wa­chen rund 1.500 Ein­satz­kräfte das när­ri­sche Treiben.

Im Fokus der Öffent­lich­keit stan­den zuletzt vor allem der Haupt­bahn­hof mit sei­nem Umfeld sowie die Alt­stadt mit der Mes­ser­pro­ble­ma­tik. Für diese bei­den „Prä­senz­kon­zep­tio­nen“ sind hoch­ge­rech­net 42 Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten im dau­er­haf­ten Ein­satz – das ent­spricht rund 65.000 Stun­den im Jahr.

Seit Ende 2021 wur­den in der ein­ge­rich­te­ten Waf­fen- und Mes­ser­ver­bots­zone mehr als 25.000 Per­so­nen kon­trol­liert. Dabei stell­ten die Beam­ten 1.848 Gegen­stände sicher, dar­un­ter 1.371 Messer.

Doch wie erfolg­reich sind diese Maß­nah­men? Laut Fleiß führt bei Schwer­punkt­kon­trol­len nur eine von 400 kon­trol­lier­ten Per­so­nen ein Mes­ser mit sich. Bei all­ge­mei­nen Kon­trol­len liegt der Wert bei ein bis zwei Per­so­nen pro 100.

Immer wie­der wer­den auch unge­wöhn­li­che Waf­fen sicher­ge­stellt – etwa eine hüft­hohe Axt. Alle beschlag­nahm­ten Gegen­stände wer­den anschlie­ßend zer­stört. Fleiß betont: „Jedes Mes­ser, das wir aus dem Ver­kehr zie­hen, ist ein gutes Messer.“

Ins­ge­samt wurde 2025 in 219 Fäl­len eine Stich­waffe gezückt. In 152 Fäl­len blieb es bei einer Dro­hung, in 67 Fäl­len kam es zum Ein­satz. Auf­fäl­lig ist, dass über­wie­gend männ­li­che Jugend­li­che zwi­schen 14 und 17 Jah­ren betei­ligt sind, gefolgt von der Alters­gruppe der 21- bis 25-Jährigen.

Ein wei­te­res wach­sen­des Pro­blem ist die Gewalt gegen Poli­zei­be­amte. Dabei geht es nicht mehr um Belei­di­gun­gen, son­dern um kör­per­li­che Angriffe. 2025 waren 1.447 Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten betrof­fen, 273 wur­den leicht ver­letzt, eine Per­son schwer.

Beson­ders alar­mie­rend ist der Anstieg seit 2021: Die Zahl der Fälle liegt inzwi­schen bei über 600 – ein Plus von 79 Prozent.

Ob Nach­bar­schafts­streit, Ver­kehrs­un­fall – die häu­figste Ein­satz­art –, Dieb­stahl oder Ruhe­stö­rung: Täg­lich gehen 287 Not­rufe ein. Trotz die­ser hohen Zahl hält Poli­zei­prä­si­den­tin Brauns an einer kla­ren Linie fest: Im Zwei­fel immer die 110 wählen.

„Wir kön­nen nur für Sicher­heit sor­gen, wenn wir von einer Gefähr­dung erfahren.“