
Streik beendet
Nach intensiven und langwierigen Verhandlungen haben sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di NRW) und der Kommunaler Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV NW) auf einen neuen Tarifvertrag für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen geeinigt. Die Vereinbarung wurde am Donnerstagabend in Bochum nach drei Verhandlungstagen erzielt und betrifft rund 30.000 Beschäftigte in etwa 30 Verkehrsbetrieben im Land. Weitere Streiks sind damit – vorbehaltlich der Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder – vorerst vom Tisch.
Der Abschluss markiert einen bedeutenden Einschnitt für die Branche. Im Zentrum steht die schrittweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Ab Juli 2027 sinkt die Arbeitszeit zunächst auf 38,5 Stunden, ein Jahr später auf 38 Stunden. Damit setzt sich Nordrhein-Westfalen gegen einen bundesweiten Trend zu längeren Arbeitszeiten und stärkt die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs als Arbeitgeber.
Darüber hinaus einigten sich beide Seiten auf weitere Verbesserungen für die Beschäftigten. So wird die gesetzliche Ruhezeit ab September 2026 von bislang zehn auf elf Stunden verlängert. Auch die Vergütung für Sonntagsarbeit steigt deutlich: Ab Januar 2027 beträgt der Zuschlag 30 Prozent. Zusätzlich wird die Zahl der sogenannten Gewerkschaftstage von acht auf neun erhöht. Erstmals werden zudem auch kurzfristig Beschäftigte in den Geltungsbereich des Tarifvertrags einbezogen. Die Laufzeit der Vereinbarung beträgt vier Jahre bis Ende 2029.
ver.di-Verhandlungsführer Heinz Rech sprach von einem „echten Meilenstein“ für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen. Die Beschäftigten hätten mit ihrem Engagement in den vergangenen Wochen maßgeblich zum Verhandlungserfolg beigetragen. „Wir konnten zentrale Forderungen in konkrete Ergebnisse überführen“, sagte Rech. Trotz harter und kräftezehrender Gespräche sei ein Abschluss gelungen, der spürbare Entlastungen bringe und die Branche insgesamt stärke.
Mit der Einigung endet eine Phase wiederholter Warnstreiks, die in zahlreichen Städten für Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr gesorgt hatten. Fahrgäste können nun wieder mit einem stabileren Betrieb rechnen. Gleichzeitig sendet der Tarifabschluss ein Signal über Nordrhein-Westfalen hinaus: Verbesserte Arbeitsbedingungen könnten künftig eine Schlüsselrolle spielen, um dem Personalmangel im öffentlichen Nahverkehr wirksam zu begegnen.

