
Monchi © Wally Pruß
Der Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet meldet sich mit einem neuen Buch zurück – und bleibt dabei seinem Ton treu: direkt, unbequem und persönlich. Unter dem Titel „Jenseits der Brandmauer – über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“ erscheint am 13. August 2026 das zweite Werk von Jan Gorkow, besser bekannt als Monchi, im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Bereits sein Debüt „Niemals satt“ hatte 2022 für Aufmerksamkeit gesorgt und sich zum Bestseller entwickelt. Darin schilderte der Musiker schonungslos sein Leben zwischen Exzessen, Selbstzweifeln und dem Versuch, sich neu zu ordnen. Auch im neuen Buch bleibt er dieser Offenheit treu, richtet den Blick jedoch stärker auf gesellschaftliche Entwicklungen und die zunehmende Polarisierung, insbesondere in seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern.
Ausgangspunkt ist seine Rückkehr in die vorpommersche Provinz nach Jahren in Rostock. Dort erlebt Monchi hautnah, wie sich politische Verhältnisse verschieben. In seinem Geburtsort erhält die AfD bei einer Bundestagswahl mehr als die Hälfte der Stimmen – eine Entwicklung, die ihn fassungslos zurücklässt, die er jedoch nicht von außen kommentieren will. Stattdessen bleibt er vor Ort, sucht das Gespräch und beschreibt ein Leben zwischen Gegensätzen: der gemeinsame Bau eines Skateparks auf der einen Seite, politische Spannungen und sichtbare Symbole auf der anderen.
Monchi zeichnet dabei kein einfaches Bild. Seine Beobachtungen kreisen um Fragen nach Angst, Hoffnung und Zusammenhalt in einer Region, die sich im Umbruch befindet. Die Kneipe, in der seine Band ein Festival plant, dient zugleich als Treffpunkt für politische Stammtische. Das Nebeneinander unterschiedlicher Lebenswelten wird zum zentralen Motiv des Buches.
„Ich bin kein Politiker, kein Journalist und kein Aktivist, der nach kurzer Zeit wieder verschwindet“, wird Monchi in der Ankündigung zitiert. Sein Anspruch ist ein anderer: bleiben, zuhören und verstehen. „Jenseits der Brandmauer“ versteht sich daher weniger als Analyse denn als persönlicher Versuch, Orientierung in unübersichtlichen Zeiten zu finden.
Dass Monchi diesen Zugang wählt, überrascht kaum. Mit Feine Sahne Fischfilet steht er seit Jahren für politisches Engagement, das weit über die Musik hinausgeht. Die Band, 2006 gegründet, hat sich vom Jugendzentrum bis auf große Festivalbühnen gespielt und mit ihrem Album „Wir kommen in Frieden“ zuletzt die Spitze der Charts erreicht. Initiativen wie „Noch nicht komplett im Arsch“ oder das Festival „Wasted in Jarmen“ unterstreichen den Anspruch, gesellschaftliche Debatten aktiv mitzugestalten.
Auch filmisch wurde dieses Engagement dokumentiert: Der von Charly Hübner inszenierte Film „Wildes Herz“ zeichnete bereits 2017 Monchis Lebensweg und seine politische Haltung nach.
Mit seinem neuen Buch knüpft er daran an, erweitert den Blick jedoch um eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Alltag in einer Region, die oft nur aus der Distanz betrachtet wird. „Jenseits der Brandmauer“ ist damit nicht nur ein persönlicher Bericht, sondern auch ein Plädoyer gegen einfache Antworten – und für den Versuch, trotz aller Unterschiede im Gespräch zu bleiben.


