
v.l. Uwe Willer, Andreas Niederberger, Axel Bellinghausen, Frank Ebert, Prinz Prinz Marcus I., Rick Amann, Björn Borgerding und Jaques Tilly © LB / Olaf Oidtmann
Von Manfred Fammler
Vieles, so der spanische Autor Javier Marías, wechselt man heutzutage: den Beruf, die Frau oder den Mann, die Automarke – aber nicht den Fußballverein. Wobei Fußball durch „Liebling“ ersetzt werden kann, was wiederum zu den sportlichen Schwergewichten Fortuna und der DEG passt. Die Düsseldorfer Flaggschiffe zeigen sich in diesem Jahr erstmals im Rosenmontagszug auf einem Wagen vereint. Emotionales Motto: „Meine erste Liebe“.
Vor einem halben Jahr setzten sich die Vereinschefs und die Spitzen des Carneval Comités zusammen und heckten den Plan aus, der bei Erfolg – wovon ausgegangen werden kann – eine Vertrags‑, in diesem Fall eine Sessionszeitverlängerung erhalten könnte.
Bei der Gestaltung des Wagens wurde auf Tradition gesetzt. Wagenbauer Jacques Tilly und die beiden Vereine nehmen den jecken Zaungast mit auf eine Zeitreise. Denn nicht die aktuellen Spielstätten Arena und Dome, sondern das altehrwürdige Eisstadion an der Brehmstraße und das Rheinstadion wurden Seit’ an Seit’ abgebildet – die alten oder frühen Lieben.
Wer erinnert sich angesichts dieser Motive nicht gerne an die „alten Schlachten“ der DEG gegen Riessersee und Köln oder an das 7:1 der Fortuna gegen Beckenbauer und Co. in dem klassischen, großen Stadion, in dem über Jahrzehnte hinweg Fußballgeschichte geschrieben wurde und wo Rivalitäten zumeist sportlich ausgetragen wurden? Manche Fans schwärmen noch heute davon, dass das rohe „For-tu-na! For-tu-na!“ kilometerweit zu hören war und keine moderne Akustik diesen vielstimmigen Ruf bremste.
Darüber hinaus war eine Stichflamme auf dem Bratwurstgrill die einzige „Pyrotechnik“ im Stadion, während deren heutiger Vorläufer, nämlich die Wunderkerzen im Eisstadion, sich vieltausendfach auf der Spielfläche widerspiegelten. Emotion pur!
Bei dem Gedanken, die DEG und die Fortuna auf einem Wagen zu vereinen, entstand nebenbei ein Motiv, das durchaus Pin- und Kultpotenzial besitzt: ein Herz in den Vereinsfarben, das von zwei Fans getragen wird. Es ist bunt, es ist lustig und es transportiert den Optimismus beider Fanlager.
Aber Fortuna wäre nicht Fortuna und die DEG nicht die DEG, wenn es nicht ein kleines, wenn auch witziges Problem geben würde. Laut TÜV dürfen nur 16 Personen auf dem Wagen mitfahren, wobei zwei Plätze bereits an die DEG-Oberen Rick Amann und Andreas Niederberger vergeben sind. Wer von den Kufenflitzern demnach auf den Wagen steigt, weiß derzeit auch DEG-Pressesprecher Frieder Feldmann nicht: „Wir spielen Freitag, Sonntag und Dienstag.“ Kein Spielplan für eine ausgiebige Narretei.
Ein ähnliches Bild bei der Fortuna, die zwar keinen so eng getakteten Spielplan hat, aber alle Kräfte für den Abstiegskampf benötigt.
Doch zurück zu Javier Marías und seinen Fußball-Stücken in „Alle unsere frühen Schlachten“. Katharina Döbler schrieb über dieses ungewöhnliche Stück Literatur in der ›Zeit‹: „Auch Nichtfußballfreunde verstehen plötzlich, warum das Geschehen auf dem Spielfeld und davor und danach und drum herum solche Gefühle freisetzt.“
„Drum herum“ kann nur den Karneval in Düsseldorf beschreiben – in diesem Fall in Rot, in Gelb und in Weiß.

Blick auf die Entwurfzeichnung © Manfred Fammler

