
Jack Tilly zerstört seine Karnevalswagen
Nach dem Rosenmontagszug hat der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly seine politischen Motivwagen wie in jedem Jahr einem formalen „Abriss“ unterzogen. Traditionell werden die Wagen unmittelbar nach dem Zug abgebaut und in der Folge zerstört. In diesem Jahr blieben jedoch mehrere Modelle aus der aktuellen Session vorerst erhalten, darunter drei Wagen mit politischer Satire.
Tilly, der seit mehr als vier Jahrzehnten Mottowagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug entwirft und baut, zerstörte die meisten seiner aktuellen Entwürfe mit dem Vorschlaghammer. Dennoch sind drei Wagen ausgenommen worden: Unter anderem ein Exemplar, das den russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigt, der eine Narrengestalt aufspießt, soll für bevorstehende Präsentationen weiter genutzt werden. Zwei weitere Modelle werden aufbewahrt, weil sie später erneut gezeigt werden sollen oder Teil einer Ausstellung werden.
Putin-Prozess sorgt weiterhin für Aufmerksamkeit
Das mediale Echo auf die diesjährigen Rosenmontagswagen ist besonders groß, weil Tilly derzeit in Russland juristisch verfolgt wird. Dort sieht sich der Wagenbauer einem Verfahren wegen angeblicher „Verunglimpfung staatlicher Organe“ gegenüber, das sich auf frühere satirische Darstellungen bezieht. Bis zu zehn Jahre Haft oder eine Geldstrafe könnten ihm nach russischem Strafrecht drohen, sollte eine Verurteilung erfolgen. Das Verfahren findet in Abwesenheit Tillys statt, und ein Fortsetzungstermin ist für Ende Februar angesetzt.
Tilly selbst hat erklärt, dass er von der juristischen Auseinandersetzung bisher nicht offiziell informiert worden sei, und bezeichnet das Vorgehen aus seiner Sicht als politisch motiviert. Gleichzeitig betont er, dass die öffentliche Aufmerksamkeit dazu führe, dass seine politischen Wagen erneut in den Medien präsent seien.
Tradition und politische Satire im Karneval
Die satirische Darstellung politischer Persönlichkeiten und aktueller Themen gehört seit Jahren zur Tradition der rheinischen Karnevalsumzüge in Düsseldorf. Tillys Arbeiten richten sich regelmäßig gegen verschiedene internationale Akteure, darunter Staatsoberhäupter und politische Entscheidungsträger. In diesem Jahr fanden auch andere politische Motive – etwa Darstellungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump oder inländischer Politiker – Verwendung.

