Prof. Dr. Justus Haucap © Lokalbüro

Prof. Dr. Jus­tus Hau­cap © Lokalbüro

 

Wäh­rend sich ein­zelne Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren zuletzt leicht ver­bes­sert haben, sieht Jus­tus Hau­cap kei­nen Anlass zur Ent­war­nung. Beim Hei­mat­abend der Düs­sel­dor­fer Jon­ges im Hen­kel-Saal sprach der Wett­be­werbs­öko­nom von einer struk­tu­rel­len Bewäh­rungs­probe für den Stand­ort Deutschland.

Hau­cap, Direk­tor des Düs­sel­dor­fer Insti­tut für Wett­be­werbs­öko­no­mie (DICE) an der Hein­rich-Heine-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf, machte deut­lich, dass kurz­fris­tige Stim­mungs­auf­hel­lun­gen nicht über grund­le­gende Schwä­chen hin­weg­täu­schen dürf­ten. Deutsch­lands Wachs­tum sei im inter­na­tio­na­len Ver­gleich seit Jah­ren unter­durch­schnitt­lich. Andere euro­päi­sche Volks­wirt­schaf­ten hät­ten deut­lich dyna­mi­scher expandiert.

Kein Konjunktur‑, son­dern ein Strukturproblem
Diese Ein­schät­zung ver­tritt Hau­cap seit Län­ge­rem. Bereits in frü­he­ren wirt­schafts­po­li­ti­schen Debat­ten hatte er argu­men­tiert, Deutsch­land leide weni­ger unter feh­len­der Nach­frage als unter unzu­rei­chen­den Rah­men­be­din­gun­gen für Inves­ti­tio­nen und Inno­va­tio­nen. Auch in Düs­sel­dorf blieb er die­ser Linie treu.

Hohe Steuer- und Abga­ben­las­ten, zuneh­mende Regu­lie­rungs­dichte und lang­wie­rige Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren schwäch­ten die Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Wer auf kurz­fris­tige Impulse setze, ver­kenne die Tiefe des Pro­blems. Gefor­dert sei eine kon­se­quente Ver­bes­se­rung der Ange­bots­be­din­gun­gen – von Unter­neh­mens­steu­ern über Büro­kra­tie­ab­bau bis hin zu Inves­ti­tio­nen in Bil­dung und Digitalisierung.

Ener­gie­preise als Standortfaktor
Beson­ders sen­si­bel sei die Lage für ener­gie­in­ten­sive Indus­trien. Deutsch­land werde auf abseh­bare Zeit auf Importe ange­wie­sen blei­ben, was die Kos­ten­struk­tur im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb belaste. Dau­er­hafte Sub­ven­tio­nen könn­ten das Pro­blem nicht lösen, son­dern allen­falls über­de­cken. Struk­tur­wan­del sei unter die­sen Bedin­gun­gen keine poli­ti­sche Option, son­dern eine öko­no­mi­sche Folge.

Demo­gra­fie erhöht Reformdruck
Hinzu komme die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung. Der Arbeits­kräf­te­man­gel ver­schärfe sich, wäh­rend die sozia­len Siche­rungs­sys­teme stär­ker belas­tet wür­den. Auch hier plä­diert Hau­cap seit Jah­ren für Refor­men, die Erwerbs­an­reize stär­ken und das Arbeits­kräf­te­an­ge­bot ausweiten.

Stand­ort­de­batte mit Resonanz
Jon­ges-Baas Rein­hold Hahl­hege unter­strich die Bedeu­tung der Debatte. Wer den Wohl­stand sichern wolle, dürfe sich nicht auf kurz­fris­tige Kon­junk­tur­si­gnale verlassen.

Die leb­hafte Dis­kus­sion im Saal zeigte, dass die Frage nach der wirt­schaft­li­chen Zukunft nicht abs­trakt bleibt – gerade nicht in einer Stadt wie Düs­sel­dorf, deren Pro­spe­ri­tät eng mit inter­na­tio­na­len Märk­ten und indus­tri­el­ler Wert­schöp­fung ver­knüpft ist.