Die Pläne, das ehemalige

Luisen-Gymnasium an der Bastionstraße

Lui­sen-Gym­na­sium an der Bas­ti­on­straße © Lokalbüro

 

zu ver­kau­fen, gera­ten mas­siv unter Druck. Sowohl aus der Kom­mu­nal­po­li­tik als auch aus der Stadt­ge­sell­schaft wächst der Wider­stand – mit einer kla­ren Stoß­rich­tung: Das Gebäude soll im städ­ti­schen Besitz bleiben.

Poli­tik bremst – Ver­kauf soll nicht vor­schnell erfol­gen
In Düs­sel­dorf wol­len SPD, Volt und Die Linke den Ver­kaufs­pro­zess zunächst stop­pen. In einem gemein­sa­men Antrag for­dern sie, dass die Stadt­ver­wal­tung zwei Alter­na­ti­ven gleich­wer­tig prüft: eine Eigen­nut­zung durch die Stadt sowie eine Ver­gabe in Erbpacht.

Der Fokus liegt auf einer lang­fris­ti­gen Bewer­tung. Neben städ­te­bau­li­chen und sozia­len Aspek­ten sol­len auch wirt­schaft­li­che Effekte wie mög­li­che Ein­spa­run­gen bei Miet­kos­ten berück­sich­tigt werden.

Für eine Erb­pacht­lö­sung for­mu­lie­ren die Par­teien klare Leit­li­nien: Im Mit­tel­punkt ste­hen bezahl­ba­rer Wohn­raum, gemein­schaft­li­che Wohn­for­men sowie öffent­lich zugäng­li­che Kul­tur- und Frei­zeit­an­ge­bote. Klas­si­sche ren­di­te­ori­en­tierte Nut­zun­gen wie Hotels oder Mikro­a­part­ments wer­den aus­drück­lich ausgeschlossen.

Die poli­ti­sche Linie ist damit klar: keine vor­schnelle Ent­schei­dung über ein zen­tra­les Grund­stück in Innenstadtlage.

Ver­ein stellt sich fron­tal gegen Ver­kauf
Deut­lich grund­sätz­li­cher fällt die Kri­tik aus der Stadt­ge­sell­schaft aus. Der Ver­ein der Ehe­ma­li­gen des Gör­res-Gym­na­si­ums posi­tio­niert sich gemein­sam mit Unter­stüt­zern aus Bür­ger­schaft, Eltern­schaft und Anwoh­ner­schaft ein­deu­tig gegen einen Verkauf.

In einem umfang­rei­chen Posi­ti­ons­pa­pier macht der Ver­ein klar: Es gehe nicht um eine gewöhn­li­che Immo­bi­li­en­frage, son­dern um eine Grund­satz­ent­schei­dung für die Zukunft der Innenstadt.

Die Argu­men­ta­tion ist bewusst zuge­spitzt. Ein Ver­kauf wäre aus Sicht des Ver­eins gleichzeitig

  • ein bil­dungs­po­li­ti­scher Fehler,
  • ein stadt­ent­wick­le­ri­scher Fehler
  • und ein fis­ka­li­scher Fehler.

Als zen­tra­les Argu­ment füh­ren die Autoren den stei­gen­den Bedarf an Gym­na­si­al­plät­zen an. Bereits heute über­steigt die Zahl der Anmel­dun­gen die ver­füg­ba­ren Kapa­zi­tä­ten. Gleich­zei­tig plant die Stadt den Aus­bau von Schul­plät­zen – ein Ver­kauf würde die­sem Ziel direkt widersprechen.

Dar­über hin­aus würde mit dem Gebäude ein eta­blier­ter Bil­dungs- und Kul­tur­stand­ort in zen­tra­ler Lage auf­ge­ge­ben – mit Fol­gen für die Funk­tion und Leben­dig­keit der Innenstadt.

Scharfe Kri­tik am finan­zi­el­len Argu­ment
Auch die wirt­schaft­li­che Begrün­dung für einen Ver­kauf wird deut­lich zurück­ge­wie­sen. Ein mög­li­cher Erlös von rund 27,5 Mil­lio­nen Euro sei gemes­sen am städ­ti­schen Haus­halt von begrenz­ter Bedeu­tung, hätte jedoch dau­er­hafte struk­tu­relle Folgen.

Der Ver­ein spricht in die­sem Zusam­men­hang von einem „fis­ka­li­schen Kurz­schluss“: Ein ein­ma­li­ger Ein­nah­me­ef­fekt werde gegen lang­fris­tige Infra­struk­tur, Hand­lungs­spiel­räume und Lebens­qua­li­tät eingetauscht.

Mehr als ein Gebäude: Sorge um die Innen­stadt
Die Debatte wird zudem in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang gestellt. Kri­ti­ker sehen im mög­li­chen Ver­kauf ein wei­te­res Bei­spiel für die schlei­chende Ver­la­ge­rung öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen aus der Innenstadt.

Schu­len spie­len dabei eine zen­trale Rolle: Sie sor­gen täg­lich für Fre­quenz, soziale Durch­mi­schung und wirt­schaft­li­che Impulse. Ihr Weg­fall könnte die Ent­wick­lung hin zu einer ein­sei­tig genutz­ten Innen­stadt wei­ter verstärken.

Alter­na­ti­ven lie­gen auf dem Tisch
Sowohl die poli­ti­schen Antrag­stel­ler als auch der Ver­ein ver­wei­sen dar­auf, dass trag­fä­hige Alter­na­ti­ven zum Ver­kauf existieren:

  • Nut­zung als inner­städ­ti­scher Bil­dungs­stand­ort, etwa als Oberstufenzentrum
  • Ent­wick­lung eines Cam­pus-Modells mit bestehen­den Gymnasien
  • Hybride Nut­zung mit Bil­dung, Kul­tur und ergän­zen­den Angeboten
  • Modelle wie Erb­pacht oder öffent­lich-pri­vate Part­ner­schaf­ten zur Finanzierung
  • Der gemein­same Nen­ner: Das Gebäude soll als stra­te­gi­sche Res­source erhal­ten blei­ben – nicht als kurz­fris­tige Ein­nah­me­quelle dienen.

Ent­schei­dung frü­hes­tens im Herbst
Eine end­gül­tige Ent­schei­dung ist bis­lang nicht getrof­fen. Nach dem Wil­len von SPD, Volt und Lin­ken soll die Stadt­ver­wal­tung zunächst beide Alter­na­ti­ven aus­ar­bei­ten. Die Ergeb­nisse sol­len bis zur Rats­sit­zung im Sep­tem­ber vor­lie­gen und anschlie­ßend als Grund­lage für die poli­ti­sche Ent­schei­dung dienen.

Schon jetzt zeich­net sich jedoch ab: Der geplante Ver­kauf ist nicht nur poli­tisch umstrit­ten, son­dern stößt auch auf brei­ten orga­ni­sier­ten Wider­stand in der Stadtgesellschaft.

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