
Olivier St. Louis — Live-Gesang, Peanut Buttah — Hos und Sandra Groove — Live-Gesang © Lokalbüro
Die Zeiten von MTV mögen vorbei sein, doch der Soundtrack ganzer Generationen lebt weiter – jetzt live auf der Bühne. Im Roncalli’s Apollo Varieté hebt sich seit dem 24. April der Vorhang für „Pop Culture“, eine temporeiche Produktion, die den Spirit von vier Jahrzehnten Popgeschichte in ein visuelles Spektakel übersetzt. Bis zum 12. Juli wird das Theater unter der Rheinkniebrücke zum pulsierenden Musikvideo – laut, bunt und überraschend nah dran am Lebensgefühl von damals und heute.
Was Regisseur Stefan Huber hier auf die Bühne bringt, ist kein nostalgischer Rückblick, sondern eine energiegeladene Remix-Version der Popkultur. Statt staubiger Greatest-Hits-Revue setzt „Pop Culture“ auf Tempo, Kontraste und visuelle Wucht. Die Show springt von den ikonischen 80ern über Boyband-Ära und Millennium-Sound bis in die Gegenwart – begleitet von Songs, die jeder kennt, aber so noch nie gehört hat. Wenn Hits von Madonna, den Backstreet Boys oder Lady Gaga erklingen, verschmilzt Live-Gesang mit Artistik zu einem Gesamterlebnis, das mehr Konzert als klassische Varieté-Show ist.
Im Zentrum stehen dabei zwei Stimmen, die den Abend tragen: Die spanische Sängerin Sandra Groove liefert kraftvollen Pop mit souliger Note, während der US-Amerikaner Olivier St. Louis mit rauer Tiefe und Bühnenpräsenz punktet. Beide sind keine Unbekannten in der Szene, bewegen sich zwischen Clubsound, Tourleben und Theater – und genau diese Mischung hört man jeder Note an.
Doch „Pop Culture“ wäre kein Apollo-Programm ohne seine internationale Artistik. 17 Künstler sorgen für schnelle Szenenwechsel und hohe Schlagzahl: von präziser Partnerakrobatik über elegante Luftnummern bis hin zu Comedy-Einlagen mit Tempo und Timing. Besonders das brasilianische Duo der Mustache Brothers bringt mit akrobatischem Slapstick Bewegung ins Publikum, während spektakuläre Sprungkunst und Körperbeherrschung immer wieder für echte Wow-Momente sorgen. Die Choreografie von Renée Boyle verbindet das alles zu einem fließenden Ablauf – unterstützt von den Apollo Dancers, die mit Energie und klarer Linienführung den Rhythmus der Show bestimmen.
Durch den Abend führt Gastgeberin Peanut Buttah – eine Mischung aus Glamourfigur und selbstironischer Entertainerin, die mit Charme und trockenem Humor die Brücke zwischen den Acts schlägt. Ihre Moderation wirkt dabei weniger wie klassisches Conférencier-Programm, sondern eher wie ein roter Faden durch einen wilden Pop-Trip.
Auch abseits der Bühne setzt das Apollo auf Erlebnis. Wer möchte, kombiniert die Show mit einem Drei-Gänge-Menü, das thematisch an die Popwelt anknüpft und moderne Street-Food-Elemente integriert. Vom lockeren Einstieg bis zum süßen Finale bleibt der Abend damit konsequent inszeniert – ohne die Show selbst zu unterbrechen.
Insgesamt zeigt sich: „Pop Culture“ ist kein leises Varieté, sondern eine Produktion, die bewusst auf Dynamik setzt. Schnelle Bilder, starke Stimmen und eine klare visuelle Sprache holen das Publikum dort ab, wo Pop immer war – mitten im Leben. Gerade in einer Zeit, in der Live-Erlebnisse wieder an Bedeutung gewinnen, trifft das Konzept einen Nerv.
Tickets gibt es online unter https://www.apollo-variete.com, telefonisch unter 0211–8289090 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Die Preise beginnen bei 21,90 Euro, das „Show & Dine“-Erlebnis liegt zwischen 69,90 und 99,90 Euro. Gespielt wird von Donnerstag bis Sonntag sowie an ausgewählten Mittwochen.
Fazit: Wer Pop nicht nur hören, sondern erleben will, bekommt hier eine Show, die sich anfühlt wie ein intensiver Musikclip – nur mit echtem Applaus.
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