Haus Litzbrück ist längst marode und geschlossen © Gabriele Schreckenberg
Das sind die Reste der abgebrannten Lagerhalle in der Wacholderstraße © Gabriele Schreckenberg

Von Gabriele Schreckenberg

Knapp 7.000 Ein­woh­ner hat Anger­mund, der nörd­lichste Stadt­teil von Düsseldorf.

In den 60er-Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts war Anger­mund ein blü­hen­der Orts­teil, der gerade bei jun­gen Fami­lien als Wohn­ort heiß begehrt war. Es gab ein Renom­mee-Hotel mit Restau­rant namens Haus Litz­brück, das schon Ende der 60er-Jahre die indo­ne­si­sche Reis­ta­fel anbot. Das war exo­tisch, weit über die Stadt­gren­zen hin­aus beliebt und sehr gut besucht. Alle Fes­ti­vi­tä­ten – runde Geburts­tage, Tau­fen, Hoch­zei­ten, Jubi­läen und Trau­er­fei­ern – fan­den im Haus Litz­brück statt.

Seit Jah­ren nun steht das Haus wegen Eigen­tü­mer­wech­sel und unkla­rer Nut­zung leer. Es gam­melt vor sich hin, und die Nach­barn sor­gen sich, dass es einst ein­stür­zen könnte.

In den 70er-Jah­ren gab es eine Kneipe namens Sal­vete. Sie war Kult. Nicht nur an den Wochen­en­den, auch vor Weih­nach­ten, zu Kar­ne­val oder zum Schüt­zen­fest platzte sie aus allen Näh­ten. Hier tra­fen sich alle Anger­mun­der, und auch die Anrai­ner kamen gerne. Sal­vete ist Geschichte und seit Lan­gem geschlossen.

Es gab den Rosen­hof mit Theke, Restau­rant und angren­zen­dem Hotel. Etwa zur glei­chen Zeit exis­tier­ten Haus Sten­ger, Alt Anger­mund und Haus Müt­her. In der Burg Anger­mund gab es die Kell­ne­rei, außer­dem das Schloss­stüb­chen bei Schloss Hel­torf. Im dörf­lich gepräg­ten Anger­mund gab es viele Dorf­knei­pen, in denen man sich tref­fen konnte – auf ein Bier, auf ein Schnit­zel, auf ein Gespräch.

Es gab das „Medi­ter­ran“ auf der Graf-Engel­bert-Straße. Die Päch­ter sind längst umge­zo­gen und betrei­ben nun das „Chargé“ im benach­bar­ten Duis­burg-Rahm. Wenn in Anger­mund heute jemand beer­digt wird, gehen die Fami­lien ent­we­der ins Chargé nach Rahm oder wei­chen auf das katho­li­sche Pfarr­heim aus.

Armes Anger­mund!

Und heute?
Was gibt es im Jahr 2026 in Angermund?

Es gibt zwei Ita­lie­ner mit Pizza, Pasta und Lie­fer­ser­vice, zwei Eis­ca­fés sowie zwei Bäcke­reien mit Café­be­trieb. Die Gast­stätte des Turn­ver­eins Anger­mund hat zum Jah­res­ende 2025 wie­der eröff­net. Das gibt Hoff­nung, denn der Turn­ver­ein Anger­mund ist einer der am bes­ten auf­ge­stell­ten Sport­ver­eine in der Gegend.

Doch immer mehr Läden ver­schwin­den, weil die Mie­ten zu hoch und die Ein­nah­men zu gering sind. Das Café neben der Anger steht seit Jah­ren leer. Die Zukunft des Spiel­zeug­la­dens Hot­zen­plotz ist ungewiss.

Kein Wun­der, wenn alle nur noch online bestel­len, der Han­del stirbt und Orts­zen­tren verwaisen.

Anger­mund, quo vadis?

Das Gewerbe stirbt

In den 60er-Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts gab es ein soge­nann­tes Indus­trie­vier­tel rund um die Wachol­der­straße. Hier waren gemisch­tes Gewerbe und Klein­be­triebe ange­sie­delt, fast alle inha­ber­ge­führt: Schrei­ne­reien, Sani­tär­be­triebe, Haus- und Mon­ta­ge­ser­vices, Gra­fi­ker, Wer­be­agen­tu­ren, Indus­trie- und Her­stel­ler­be­triebe für Pro­dukte im Gesund­heits­we­sen, Dru­cke­reien und vie­les mehr.

Auch Tho­mas Bor­zim, Objekt- und Mon­ta­ge­ser­vice, gehört als Ur-Anger­mun­der zum Orts­bild. Lange war sein Betrieb auf der Wachol­der­straße ansäs­sig – bis seine Halle im Januar 2023 abbrannte. Ein Groß­feuer zer­störte sie vollständig.

Die Gewer­be­trei­ben­den, die hier behei­ma­tet waren, fan­den keine neue Bleibe. Statt­des­sen wur­den die freien Flä­chen dicht mit Wohn­häu­sern bebaut. Ist in Anger­mund kein Platz mehr für Gewerbe? Schein­bar nicht.

In einem offe­nen Brief schil­dert Tho­mas Bor­zim die Lage. Inzwi­schen sucht der End­fünf­zi­ger Räume, um sein Geschäft fort­zu­füh­ren. In eini­gen Jah­ren möchte er sei­nen Betrieb an einen Nach­fol­ger übergeben.