
Aufnahme einer Folie, die beim Heimatabend der Düsseldorfer Jonges gezeigt wurde: Das Berger Tor um 1894, kurz vor seinem Abriss
Historiker Reinhard Lutum beleuchtete beim Heimatabend den Abriss von 1895 – noch heute erinnert die Vereinszeitschrift „das tor” an den einstigen Torbau
Die Düsseldorfer Jonges haben sich bei ihrem jüngsten Heimatabend einem wenig ruhmreichen Kapitel der Stadtgeschichte gewidmet: dem Abriss des Berger Tors im Jahr 1895. Referent des Abends war Reinhard Lutum vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der die Zuhörer mit auf eine Reise durch Jahrzehnte des Streits um das historische Bauwerk nahm.
Das Berger Tor um 1894, kurz vor seinem Abriss
Wie Lutum ausführte, war dem Abriss eine über viele Jahre geführte Debatte vorausgegangen, ehe die Angelegenheit schließlich durch eine – aus heutiger Sicht würde man sagen – Nacht-und-Nebel-Aktion entschieden wurde. Aus damaliger Perspektive erschien die Beseitigung des Tores aus verkehrlichen Gründen naheliegend, aus heutiger Sicht gilt sie vielen eher als denkmalpflegerischer Frevel. Der Stadtrat befürchtete seinerzeit, das Berger Tor als markanter Überrest der alten Stadtbefestigung könnte dem wachsenden Verkehr als Engstelle im Weg stehen.
Der Namensgeber der Vereinszeitschrift
Kaum bekannt dürfte vielen Zuhörern gewesen sein, dass die Vereinszeitschrift der Düsseldorfer Jonges ihren Namen „das tor” wortwörtlich von diesem einen Bauwerk hat: Nicht ein Stadttor im Allgemeinen stand Pate, sondern eben jenes Berger Tor, dessen Abriss Lutum an diesem Abend schilderte. Mit dem Titel erinnert der Verein bis heute daran, dass er für bürgerschaftliches Engagement und Leidenschaft für den Schutz des Stadtbildes steht – ein Erbe, das unmittelbar auf den Streit um den Erhalt des Tores im 19. Jahrhundert zurückgeht.
Vom Wachturm zum Prachtbau
Ursprünglich war an gleicher Stelle bereits um 1620 ein Tor als Ersatz für die ältere Berger Pforte am südlichen Ende der Citadellstraße errichtet worden. Kurfürst Karl Theodor ließ den Bau 1751 repräsentativ erweitern, mit reichem Figurenschmuck des Bildhauers Balthasar Späth und einem bergischen Wappen im Bogenabschluss. Zu Beginn der preußischen Zeit, um 1817, dienten Räume im Torgebäude zeitweise als Polizeigefängnis – die Zelle war unter Düsseldorfern später auch als Ausnüchterungsraum nach durchzechten Nächten bekannt.
Jahrzehntelanger Streit um den Erhalt
Bereits 1831 hatte die Bezirksregierung im Zuge der Umgestaltung des alten Bergerhafens den Abriss sowohl des Rheintors als auch des Berger Tors angeregt. Während das Rheintor tatsächlich fiel, blieb das Berger Tor zunächst stehen. Anwohner forderten 1845 dennoch seine Beseitigung, weil es äußerlich wenig ansehnlich wirkte und als Gefahrenstelle galt. Erste konkrete Abrisskalkulationen gab es bereits 1877. Dagegen setzten sich der Düsseldorfer Geschichtsverein und zahlreiche Bürgerpetitionen vehement für den Erhalt ein – Berechnungen zufolge hätte eine Sanierung rund 12.500 Mark gekostet.
Ein Beschluss gegen den Willen der Bezirksregierung
Innerhalb der Stadtverwaltung wurden die Abrisspläne dennoch weiter vorangetrieben, wobei die verkehrlichen Argumente angesichts der damals noch überschaubaren Zahl einspänniger Pferdefuhrwerke als vorgeschoben galten. Im April 1895 fasste die Stadtverordnetenversammlung schließlich den Abrissbeschluss – ausdrücklich gegen den Willen des Regierungspräsidenten. Mit der Niederlegung wurde dennoch umgehend begonnen, obwohl klargestellt worden war, dass keine Genehmigung vorlag. Der Abriss schritt so schnell voran, dass ein Wiederaufbau bald ausgeschlossen schien. Eine nachträgliche Genehmigung erlaubte es zwar, Teile des Bauwerks für einen Wiederaufbau an anderer Stelle aufzubewahren, dazu kam es jedoch nie – die Reste verschwanden auf städtischen Bauhöfen. Einzelne Spolien wurden später bei Bauarbeiten wiederentdeckt und sind heute im Stadtmuseum zu sehen.
Eine Bodenplatte hält die Erinnerung wach
Am einstigen Standort an der Ecke Citadellstraße/Bäckergasse erinnert heute eine Bodenintarsie an das verschwundene Bauwerk. Der Heimatverein Düsseldorfer Jonges selbst hat sie 1992 schaffen lassen: Sie zeigt den historischen Grundriss des Berger Tors und hält damit die Erinnerung an das 1895 wegen einer falsch eingeschätzten Verkehrsentwicklung niedergelegte Stadttor lebendig.
Damit schließt sich der Kreis zum Vereinsnamen der Zeitschrift „das tor” – die Jonges haben dem Berger Tor gleich zweifach ein Denkmal gesetzt: einmal im Namen ihrer Vereinszeitschrift, einmal im Straßenpflaster der Carlstadt.