Bernhard Paul bringt ein Stück Wien nach Düsseldorf: Eine Liebeserklärung gegen das Heimweh
Manchmal braucht es nur den Duft einer Tasse Kaffee, einen alten Kaffeehaustisch oder den Anblick liebevoll ausgewählter Erinnerungsstücke, um sich für einen Augenblick in eine andere Welt versetzt zu fühlen. Eine Welt, in der die Zeit etwas langsamer vergeht, in der man verweilen darf und in der kleine Dinge plötzlich eine große Bedeutung bekommen. Genau dieses Gefühl möchte Bernhard Paul mit seiner neuen Show ins Apollo Varieté bringen. Und schon beim Pressegespräch war zu spüren, dass es ihm dabei um weit mehr geht als um eine weitere Varietéproduktion.
Während der Roncalli-Gründer von seiner Heimat Wien erzählte und die historischen Möbel und liebevoll gestalteten Details des Kaffeehausambientes den Blick auf sich zogen, lief mir ein Schauer über den Rücken. Da war plötzlich diese Lust, sich einfach auf eine Reise nach Wien entführen zu lassen – mitten in Düsseldorf. Vielleicht ist es genau das, was Bernhard Paul mit seiner neuen Produktion erreichen möchte: nicht nur eine Stadt auf die Bühne zu bringen, sondern ein Gefühl.
„Leise rieselt der Schmäh – Wiener Kaffeehausgeschichten“ heißt die Show, die am 23. Oktober Premiere feiert. Für den 79-jährigen Roncalli-Gründer ist sie eine sehr persönliche Angelegenheit. Vor genau 50 Jahren verließ er Wien. Doch die Sehnsucht nach seiner Heimat ist geblieben. Nun holt er ein Stück davon an den Rhein.
„Kaffeehäuser sind für Menschen, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen“, sagt Paul. In diesem Satz steckt viel von dem, was das Wiener Kaffeehaus seit Generationen ausmacht. Es ist ein Ort, an dem man nicht viel erklären muss. Man kann lesen, beobachten, nachdenken oder einfach nur dasitzen. Man ist für sich und doch nicht allein.
„Ich bin ein Heimweh-Wiener, der bereits Sehnsucht bekommt, kurz nachdem er die Stadtgrenze verlassen hat“, beschreibt Paul seine Gefühle. Als er Wien vor fünf Jahrzehnten verließ, fehlte ihm vor allem eines: das Wiener Café. Diese Sehnsucht hat ihn nie ganz losgelassen. Jetzt kann er sie mit dem Düsseldorfer Publikum teilen. Erstmals seit vielen Jahren hat er wieder selbst eine Show für das Apollo konzipiert. Gemeinsam mit Thomas Bruchhäuser führt er Regie.
Ein Kaffeehaus voller Geschichten
Wer Bernhard Paul kennt, weiß, wie wichtig ihm die Details sind. Eine Kulisse soll nicht einfach nur schön aussehen. Sie muss eine Geschichte erzählen und Atmosphäre schaffen. Deshalb öffnet Paul seine private Sammlung und stellt ausgewählte Originale aus der Wiener Kaffeehaus- und Circusgeschichte zur Verfügung. Thonet-Stühle, gusseiserne Tische, historische Kaffeemaschinen, alte Werbeschilder und ein Tresen aus der Kaiserzeit lassen die Besucher in eine andere Zeit eintauchen.
Man kann sich beinahe vorstellen, wie einst Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle an solchen Tischen saßen, diskutierten, schrieben oder einfach die Zeit vergaßen. Die Gegenstände tragen Spuren vergangener Jahrzehnte in sich. Sie stehen für eine Kultur, in der das Verweilen seinen eigenen Wert hatte. Eine LED-Wand ergänzt die historische Kulisse mit stimmungsvollen Ansichten Wiens.
Gemeinsam mit Thomas Bruchhäuser hat Paul die Herausforderung angenommen, das alte Wien in eine moderne Varietéproduktion zu verwandeln. Tanz, Artistik, Musik und Kabarett verbinden sich zu einer Wiener Melange aus Eleganz, Humor und Poesie. Die Kaffeehauswelt ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern der rote Faden, der die unterschiedlichen Darbietungen zusammenhält.
Ein Stück Wiener Geschichte auf der Bühne
Durch das Programm führen zwei Künstler, die Wien auf ihre eigene Weise verkörpern. Leopold Altenburg, Ururenkel von Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi, und Kaiser Franz Joseph I., übernimmt die Rolle des Oberkellners. Der Schauspieler, Regisseur und Clown bringt Wiener Charme und feinsinnigen Humor mit. An seiner Seite steht der gebürtige Wiener Georg Wacks, der seit vielen Jahren als Solist an der Wiener Volksoper tätig ist. Beide führen in wechselnder Besetzung durch die Inszenierung.
Dazu kommen spektakuläre Artistik am Trapez und im Luftring, Jonglage, Handstandkunst, Hula-Hoop-Darbietungen und waghalsige Sprünge am Russischen Barren. Meisterillusionist Sergi Buka verzaubert das Publikum mit Illusionen und Schattenspiel. Die Choreografien des Apollo-Balletts und die fantasievollen Kostüme verbinden die einzelnen Darbietungen zu einem stimmungsvollen Ganzen.
Auch bei den Kostümen zeigt sich die Liebe zum Detail. Vivi Paul-Roncalli, die Tochter des Roncalli-Gründers und stellvertretende Direktorin, hat die Auswahl aus dem umfangreichen Roncalli-Fundus kuratiert. Dazu gehören handgefertigte Kreationen, die das Kaffeehausmotto auf fantasievolle Weise aufgreifen. Eine davon lässt sogar die berühmte Sachertorte lebendig werden.
Wien zum Genießen – und zum Mitnehmen
Zu einem Wiener Kaffeehaus gehört natürlich auch der Kaffee selbst. Deshalb wird im Apollo originaler Meinl-Kaffee aus Wien ausgeschenkt. Zusammen mit den historischen Möbeln, den alten Werbeschildern und dem besonderen Ambiente entsteht so ein Stück Wiener Kaffeehauskultur mitten in Düsseldorf.
Auch kulinarisch dürfen die Wiener Klassiker nicht fehlen. Wer sich für das Angebot „Show & Dine“ entscheidet, kann ein Drei-Gänge-Menü mit österreichischen Spezialitäten genießen. Auf der Karte stehen unter anderem Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat und Preiselbeeren sowie Spinatknödel. Zum süßen Abschluss wartet eine besondere Köstlichkeit: Der Original Sacher-Würfel wird eigens aus der Sacher-Manufaktur in Wien nach Düsseldorf gebracht.
Doch die Wiener Genusswelt soll nicht nur während des Abends auf der Zunge bleiben. Auch für zu Hause gibt es etwas mitzunehmen. Gugelhupf und Konfitüren werden in ansprechender Verpackung zum Verkauf angeboten. So können Besucher ein kleines Stück Wien mit nach Hause nehmen – als Erinnerung an einen Abend, an dem die Sehnsucht nach der Donaumetropole für einige Stunden ganz nah rückt.
Vielleicht ist gerade das ein schöner Gedanke hinter diesem Programm: Erinnerungen müssen nicht in der Vergangenheit bleiben. Sie können geteilt, weitergegeben und neu erlebt werden. Ein Stück Heimat wird zu einem Geschenk für andere.
Freude schenken, wenn die Welt unruhig ist
Bernhard Paul hat mit Roncalli über Jahrzehnte eine eigene Welt geschaffen. Eine Welt, in der Fantasie, Handwerk und Menschlichkeit zusammengehören. Im Jubiläumsjahr seines Circus-Theater Roncalli führt ihn sein Weg nun zurück zu den persönlichen Wurzeln. Dass er sich dabei für das Wiener Kaffeehaus entschieden hat, ist kein Zufall. Es steht für Begegnung, für Muße und für die Möglichkeit, für einen Moment aus dem Alltag auszusteigen.
„Es ist schwer geworden, sich wohlzufühlen. Als Künstler wollen wir unseren Teil dazu beitragen und den Menschen Freude bereiten“, sagt Paul. Diese Worte geben der Show eine besondere Bedeutung. Denn manchmal braucht es keine großen Antworten auf die Fragen der Zeit. Manchmal genügt ein Abend, der berührt, zum Lachen bringt und für ein paar Stunden vergessen lässt, was draußen wartet.
Vielleicht ist es genau das, was mich bei dem Pressegespräch so berührt hat: die Vorstellung, für einen Abend in eine andere Welt eintauchen zu können, ohne Düsseldorf verlassen zu müssen. Ein wenig Wiener Lebensgefühl, ein guter Kaffee, Musik, Artistik und die Atmosphäre eines historischen Kaffeehauses – mehr braucht es manchmal gar nicht, um sich auf eine kleine Reise zu begeben.
Wenn am Ende der Vorstellung der Applaus erklingt, ist vielleicht nicht nur eine gelungene Varietéshow zu Ende gegangen. Vielleicht hat Bernhard Paul dann auch ein wenig von dem geteilt, was ihn seit 50 Jahren begleitet: die Sehnsucht nach seiner Heimat und die Freude daran, anderen Menschen einen besonderen Moment zu schenken.
Vom 23. Oktober 2026 bis zum 10. Januar 2027 wird das Apollo Varieté so zu einem Wiener Kaffeehaus am Rhein. Ein Ort, an dem die Zeit für einen Abend ein wenig langsamer gehen darf – und an dem man sich vielleicht für einen Augenblick fühlt, als wäre man tatsächlich in Wien.
„Leise rieselt der Schmäh – Wiener Kaffeehausgeschichten“
Die Show läuft vom 23. Oktober 2026 bis zum 10. Januar 2027 in Roncalli’s Apollo Varieté. Geplant sind 82 Vorstellungen an 60 Spieltagen. Die Regie führen Bernhard Paul und Thomas Bruchhäuser. Tickets für die Show kosten zwischen 33,90 und 78,90 Euro, das Angebot „Show & Dine“ zwischen 83,90 und 108,90 Euro. Karten gibt es unter www.apollo-variete.com, telefonisch unter 0211 828 90 90 sowie an der Theaterkasse und den bekannten Vorverkaufsstellen.

Ein Blick in die Wiener Kaffeehauswelt Thonet-Stühle, historische Accessoires und fantasievolle Kostüme schaffen im Apollo Varieté die Atmosphäre eines traditionellen Wiener Kaffeehauses. © Lokalbüro


