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Grab am Fischerjungenbrunnen: Archäologen blicken ins Herz der mittelalterlichen Altstadt

Fundamente der nördlichen Umfriedung der Stiftsimmunutät aus dem späten 14. Jahrhundert, freigelegt bei Bauarbeiten im Jahr 2012.© Fundort GmbH/Dr. Rut Wirtz

Fun­da­mente der nörd­li­chen Umfrie­dung der Stifts­im­mu­nu­tät aus dem spä­ten 14. Jahr­hun­dert, frei­ge­legt bei Bau­ar­bei­ten im Jahr 2012.© Fund­ort GmbH/Dr. Rut Wirtz

Bei der Sanie­rung des Fischer­jun­gen­brun­nens an der Nord­ost­ecke der Kir­che St. Lam­ber­tus haben Archäo­lo­gen Über­reste des his­to­ri­schen Fried­hofs von Düs­sel­dorf ent­deckt. Die bau­be­glei­tende Doku­men­ta­tion der im Sep­tem­ber abge­schlos­se­nen Arbei­ten durch die Firma „archäologie.de“ gewährt nach Anga­ben der Stadt einen sel­te­nen Ein­blick in das Zen­trum der mit­tel­al­ter­li­chen bis früh­neu­zeit­li­chen Stadt. Der ehe­ma­lige Kirch­hof von St. Lam­ber­tus ist des­halb das Boden­denk­mal des Monats Okto­ber 2026.

Schä­del in unge­stör­ter Lage
Das ober­flä­chen­nahe Erd­reich war bereits durch frü­here Ein­griffe durch­wühlt. Im Aus­hub fan­den sich zunächst Tier- und Men­schen­kno­chen, ver­mischt mit Zie­gel­bruch, Mör­tel­res­ten, Kera­mik und ande­ren Hin­ter­las­sen­schaf­ten aus ver­schie­de­nen Zei­ten. Erst auf der Sohle des Gra­bens für die Was­ser­lei­tung des Brun­nens, etwa einen Meter unter der heu­ti­gen Gelän­de­ober­flä­che, stie­ßen die Fach­leute auf einen Schä­del, Teile der Hals- und Brust­wir­bel­säule, Schlüs­sel­beine und Teile eines Ober­arm­kno­chens in unge­stör­ter Lage. Wie bei christ­li­chen Begräb­nis­sen üblich, war die Per­son mit Blick nach Osten bestat­tet wor­den. Da tiefe Ein­griffe in den Boden nicht nötig waren, blie­ben die Kno­chen an Ort und Stelle.

Von der Dorf­kir­che zur Stiftskirche
Am Stand­ort der heu­ti­gen Kir­che stand min­des­tens seit der Mitte des 12. Jahr­hun­derts ein Got­tes­haus, das ver­mut­lich 1206 zur Pfarr­kir­che erho­ben wurde. Fun­da­mente die­ses Vor­gän­ger­baus kamen im 17. Jahr­hun­dert beim Anle­gen von Grä­bern für Mit­glie­der des Stifts im Chor der heu­ti­gen Kir­che zum Vor­schein. Ver­mut­lich diente das umlie­gende Gelände schon damals als Fried­hof für die Gemeinde des klei­nen Dor­fes an der Düssel.

Nach der Erhe­bung Düs­sel­dorfs zur Stadt im Jahr 1288 wurde im Zen­trum ein Kano­ni­ker­stift ein­ge­rich­tet. Zugleich begann der Bau einer neuen Stifts­kir­che im goti­schen Stil, die die bestehende Pfarr­kir­che ersetzte. Die Arbei­ten ver­lie­fen ver­mut­lich in meh­re­ren Etap­pen; erst gegen Ende des 14. Jahr­hun­derts war die drei­schif­fige Hal­len­kir­che fer­tig­ge­stellt, die bis heute die Alt­stadt prägt. Eine Urkunde von 1303 über die Schen­kung eines Hau­ses an das neue Stift erwähnt erst­mals aus­drück­lich den dazu­ge­hö­ri­gen Friedhof.

Mit der Voll­endung des Kir­chen­baus nach 1392 erhielt das Stift zudem einen Immu­ni­täts­be­zirk, einen vom Rest der Stadt getrenn­ten Rechts­be­zirk, der in etwa dem heu­ti­gen Stift­s­platz ent­spricht. Nach Süden, Osten und Wes­ten war er von Gebäu­den umschlos­sen, im Nor­den mar­kierte eine Mauer die Grenze. Deren Fun­da­mente wur­den 2012 bei Lei­tungs­ar­bei­ten in der Straße „Alte Stadt“ auf­ge­deckt. Sie waren rund 0,8 Meter breit und bestan­den aus Geröl­len, Bruch­stei­nen und ver­ein­zel­ten Zie­gel­frag­men­ten, die regel­los in Kalk­s­and­mör­tel gesetzt waren.

Toten­kro­nen und ein Beinhaus
Der mit­tel­al­ter­li­che bis früh­neu­zeit­li­che Fried­hof erstreckte sich über weite Teile der Frei­flä­chen rund um die Kir­che. Teile davon unter­suchte Peter Schu­len­berg 2016 süd­lich von St. Lam­ber­tus bei Lei­tungs­bau­ar­bei­ten. Teils nur etwa 0,6 Meter unter dem Pflas­ter fan­den sich dort Grä­ber in unge­stör­ter Lage. An eini­gen Schä­deln ent­deck­ten die Archäo­lo­gen grüne Ver­fär­bun­gen von kor­ro­dier­ten Kup­fer­dräh­ten. Sie deu­ten dar­auf hin, dass die Bestat­te­ten soge­nannte Toten­kro­nen tru­gen, einen Kopf­schmuck aus Draht und Tex­ti­lien, der im 16. bis 19. Jahr­hun­dert unver­hei­ra­te­ten Men­schen mit ins Grab gege­ben wurde.

Außer­dem kamen die Fun­da­mente eines klei­nen Gebäu­des zutage. Wahr­schein­lich han­delt es sich um die Reste eines Bein­hau­ses, das ein Schrift­stück von 1570 erwähnt. Der Autor beklagt darin, dass Schweine im Bein­haus wühl­ten. Als im 19. Jahr­hun­dert die ers­ten bis heute erhal­te­nen Kar­ten des Gelän­des ent­stan­den, war das Gebäude bereits verschwunden.

Schlie­ßung wegen Platz­not und Gestank
Spä­tes­tens im 18. Jahr­hun­dert wurde der Kirch­hof zu klein für das inzwi­schen zur reprä­sen­ta­ti­ven Resi­denz­stadt und Lan­des­fes­tung der Her­ren von Jülich-Kleve-Berg aus­ge­baute Düs­sel­dorf, des­sen Bevöl­ke­rung sich seit dem spä­ten Mit­tel­al­ter ver­viel­facht hatte. Die Toten lagen immer näher unter der Ober­flä­che, gleich­zei­tig wuchs das Gelände in die Höhe. Bei Hoch­was­ser waren die umlie­gen­den Häu­ser dadurch immer stär­ker betrof­fen, zudem wur­den Kla­gen über Ver­we­sungs­ge­ruch laut. 1766 wurde der Fried­hof daher geschlos­sen; die katho­li­schen Bür­ger bestat­tete man fortan vor dem Flin­ger Tor im Osten der Stadt.

1815 wurde der ehe­ma­lige Fried­hof pla­niert und zu einem städ­ti­schen Platz umge­stal­tet. 1938 kam anläss­lich des 650-jäh­ri­gen Stadt­ju­bi­lä­ums der Fischer­jun­gen­brun­nen hinzu. Nach Abschluss der Sanie­rung führt er nun wie­der Wasser.

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