Als der Nachthimmel zur Leinwand wurde © Lokalbüro

Als der Nacht­him­mel zur Lein­wand wurde © Lokalbüro

 

Ange­spannt blickte Jan Ising in den Him­mel. Dabei herrschte eigent­lich per­fek­tes Kir­mes­wet­ter: 20 Grad, leich­ter Wind. Doch genau der trieb dem Crea­tive Direc­tor von AO Dro­nes einige Sor­gen­fal­ten auf die Stirn. „In 200 Metern Höhe weht er stär­ker“, sagte er.

Knapp 30 Minu­ten spä­ter waren seine Beden­ken ver­flo­gen. Über der Düs­sel­dor­fer Kir­mes­wiese stie­gen rund 1.200 Droh­nen in den Nacht­him­mel und eröff­ne­ten die erste Show „Art in the Sky – inspi­riert durch Düs­sel­dorf“.

Schon das erste Motiv riss die Zuschauer mit. Aus einem auf­stei­gen­den blau-wei­ßen Tep­pich setzte sich das Por­trät von Joseph Beuys zusam­men – in Schwarz und Weiß.

Der Him­mel wurde zur dunk­len Lein­wand, die Droh­nen zu leuch­ten­den Pixeln. Je wei­ter sie von­ein­an­der ent­fernt flo­gen, desto durch­läs­si­ger erschien das Bild. Rück­ten sie enger zusam­men, wur­den die Kon­tu­ren schärfer.

Beson­ders ein­drucks­voll zeigte sich das bei einer wei­te­ren Ikone, die in die­sem Jahr ihren 100. Geburts­tag hätte fei­ern kön­nen: Norma Jeane Baker, bes­ser bekannt als Mari­lyn Monroe.

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Pop-Art-Künst­ler James Gill malte 1962, kurz nach ihrem Tod, das „Mari­lyn Tri­ptych“. 64 Jahre spä­ter schwebte eine Inter­pre­ta­tion des Wer­kes über der Kirmeswiese.

Ted Bauer von Queens Kunst­ga­le­rien erzählte, dass der inzwi­schen 91-jäh­rige Gill der Idee sofort zuge­stimmt habe.

Nur wenige Minu­ten nach der Show sagte Bauer: „Ich sprach gerade mit James Gill. Er schaute uns per Live­stream in Texas zu und ist begeistert.“

Das groß­for­ma­tige Por­trät stand nicht ein­fach nur am Him­mel. Es drehte sich ein­mal um die eigene Achse und war dadurch von allen Sei­ten der Kir­mes­wiese aus zu betrachten.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wäre eine sol­che Bewe­gung noch nicht mög­lich gewe­sen, sagte Marco Nie­der­meier, Grün­der und Pro­du­cer von AO Drones.

„Die Droh­nen für ‚Art in the Sky – inspi­riert durch Düs­sel­dorf‘ sind dop­pelt so stark wie letz­tes Jahr, dazu schnel­ler und prä­zi­ser. Allein die Dre­hung von Mari­lyn Mon­roe war nur durch die neue Tech­nik und Pro­gram­mie­rung möglich.“

Und was bedeu­tet das für das nächste Jahr?

„Dass wir uns wie­der stei­gern wer­den“, sagte Nie­der­meier. „Wir haben näm­lich schon Ideen, und die wer­den umgesetzt.“

Rund 18 Minu­ten lang form­ten die Droh­nen, beglei­tet von Musik, immer neue Motive über der Lan­des­haupt­stadt. Die Show ver­beugte sich vor der viel­fäl­ti­gen Kunst­ge­schichte des Dor­fes am Rhein und traf dabei ganz unter­schied­li­che Geschmäcker.

Schüt­zen­chef Andreas-Paul Stie­ber begeis­terte sich beson­ders für den „Bun­ny­man“ von Johnny Depp. „Die Figur hat für mich eine beson­dere Strahlkraft.“

Das Motiv erstreckte sich über eine Höhe von rund 240 Metern und stieg bis auf die maxi­mal vor­ge­se­he­nen 300 Meter.

Stie­ber war die Freude über die Welt­pre­miere deut­lich anzu­mer­ken. „Es war umwer­fend. Das war eine Qua­li­tät, die Düs­sel­dorfs wür­dig ist. Da bin ich wirk­lich stolz drauf.“

Auch Marius Ber­le­mann, Geschäfts­füh­rer der Messe Düs­sel­dorf, zeigte sich über­rascht von den Mög­lich­kei­ten der Technik.

„Es war beein­dru­ckend, was man heute für Kunst­werke mit Droh­nen in den Him­mel pro­ji­zie­ren kann.“

Unbe­mannte Sys­teme seien für die Messe Düs­sel­dorf und ihre Aus­stel­lung Expo­nen­tial ein zen­tra­les Zukunftsthema.

Vor allem die Klar­heit der Motive habe ihn beein­druckt. „Beson­ders das Por­trät von Mari­lyn Mon­roe. Das habe ich nicht erwar­tet, und das hat mir rich­tig gut gefallen.“

Wie deut­lich die Bil­der am Him­mel zu erken­nen waren, über­raschte auch NRW-Kul­tus­mi­nis­te­rin Ina Bran­des. Beson­ders gefal­len habe ihr das Por­trät von Joseph Beuys.

In Droh­nen­shows sieht sie weit mehr als ein tech­ni­sches Spektakel.

„Sie haben eine Zukunft. Sie sind Kunst im öffent­li­chen Raum und dadurch für jeden zugäng­lich und nach­voll­zieh­bar. Und dazu noch kom­plett laut­los, kom­plett nach­hal­tig – eine tolle Weiterentwicklung.“

Für Jan Ising ist diese Ver­bin­dung von Kunst und Tech­nik der Kern des Projekts.

„Für Art in the Sky bren­nen wir“, sagte er. „Mit den Droh­nen haben wir ein Medium, das viel mehr kann als eine reine 3D-Architektur.“

Was das bedeu­tet, erklärt er mit einem ein­fa­chen Bild: „Du hast ein­zelne Pixel, die sich belie­big im Raum kom­bi­nie­ren und bewe­gen lassen.“

Als lang­jäh­ri­ger Crea­tive und Pro­duc­tion Direc­tor von AO Dro­nes setzt Ising die künst­le­ri­sche und tech­ni­sche Kon­zep­tion monu­men­ta­ler Him­mels­spek­ta­kel mit 1.000 und mehr Droh­nen um.

Gleich­zei­tig schwärmt er von der Düs­sel­dor­fer Kunstszene.

„Die Stadt hat eine unglaub­li­che His­to­rie“, sagte er und begann auf­zu­zäh­len: „Zero mit Mack, Uecker und Piene. Mut­ter Ey, Beuys und dann Immendorff. Oder auch popu­läre Geschich­ten wie die Flos­sis – die Iden­ti­tät der Kunst­stadt Düs­sel­dorf bringt so viele Gegen­sätze zusammen.“

Sein Team habe inten­siv daran gear­bei­tet, nicht ein­fach nur eine Gale­rie mit schö­nen Bil­dern an den Him­mel zu setzen.

Es gehe viel­mehr darum, gemein­sam mit zeit­ge­nös­si­schen Künst­lern und mit­hilfe neuer Tech­no­lo­gien Werke zu schaf­fen, die nur für die­sen einen Raum gedacht seien.

„Diese Motive wer­den in ihrer His­to­rie nur dort oben erschei­nen“, sagte Ising. „Und dann wird’s rich­tig spannend.“

Ein Blick in den Him­mel ver­spricht künf­tig mehr als reine Wol­ken­ge­bilde: Kunst in einer neuen Form.

Ising ver­spricht: „Es gibt kein Limit in der Höhe und bei den Farben.“

So wurde der Him­mel über der Düs­sel­dor­fer Kir­mes­wiese für 18 Minu­ten zur Lein­wand, zur Bühne und zum Aus­stel­lungs­raum. Der Wind, der Jan Ising kurz vor dem Start noch Sor­gen berei­tet hatte, spielte am Ende nur eine Nebenrolle.