Es gibt Läden, in die man hin­ein­geht, um etwas zu kau­fen. Und es gibt Orte, in die man hin­ein­geht und plötz­lich mit­ten­drin steht in der Geschichte einer gan­zen Stadt. Die neue Pop-up-Gale­rie der Düs­sel­dor­fer Ansich­ten an der Markt­straße 10 gehört klar zur zwei­ten Kate­go­rie. Wand an Wand rei­hen sich Dut­zende, teils hun­derte Motive anein­an­der, von klein­for­ma­ti­gen Skiz­zen bis zu groß­flä­chi­gen Com­po­sings, dazwi­schen Post­kar­ten, Kera­mik­flie­sen, Tas­sen. Wer ein­mal davor­steht, ver­steht sofort, warum eine Kun­din kürz­lich meinte, man müsse hier eigent­lich Ein­tritt verlangen.

Der Mann hin­ter der Farbe
Mit­ten in die­sem Far­ben­meer steht, wenn man Glück hat, Hol­ger Stoldt selbst – Hut, Weste, der Blick auf seine Wand vol­ler Werke gerich­tet, als würde er sie zum ers­ten Mal sehen. 

Der Künstler Holger Stoldt in seinem Geschäft in der Markstraße

Dabei kennt er jedes ein­zelne Bild, jeden Arbeits­gang, jede Ent­schei­dung, die hin­ein­ge­flos­sen ist. Das ist auch kein Zufall: Bevor er zum Chro­nis­ten sei­ner Hei­mat­stadt wurde, hat der gelernte tech­ni­sche Zeich­ner und Gra­fi­ker so ziem­lich jedes Hand­werk gelernt, das sich ler­nen lässt. Er hat gemalt, illus­triert, foto­gra­fiert, repro­gra­fiert, in 15 Jah­ren rund 1.000 Fach­bü­cher gra­fisch umge­setzt, aber auch gemau­ert, geputzt und Flie­sen ver­legt. Ver­fei­nert wurde die­ses Kön­nen in den 1980er Jah­ren bei dem Kunst­ma­ler Her­mann Wie­se­hö­fer, Absol­vent der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf, bei dem Stoldt Bild­kom­po­si­tion und Mal­tech­nik studierte.

Diese Viel­sei­tig­keit erklärt, warum seine Bil­der so anders wir­ken als klas­si­sche Sou­ve­nir­kunst. Elf bis zwölf Arbeits­gänge braucht ein ein­zi­ges Werk, bis dar­aus im moder­nen Pig­ment­druck­ver­fah­ren ein Uni­kat auf Lein­wand wird, zwei­fach mit UV-Schutz ver­edelt. Kein schnel­les Motiv für den Kof­fer, son­dern ein Bild, das Jahr­zehnte hal­ten soll.

25 Jahre, ein Blick auf die Stadt
Die Geschichte begann Mitte der 1990er Jahre, als Stoldt sich fragte, wie sich die Viel­falt Düs­sel­dorfs künst­le­risch ein­fan­gen ließe. Seine Ant­wort: mit Farbe, und zwar mit mög­lichst viel davon. Bei 16,7 Mil­lio­nen dar­stell­ba­ren Farb­tö­nen sah er kei­nen Grund zur Zurück­hal­tung. So ent­stan­den die ers­ten „Düs­sel­dorf-Minis”, kleine 15 mal 15 Zen­ti­me­ter große Ansich­ten, die er zunächst auf Stra­ßen­fes­ten wie dem Rethel­stra­ßen- oder dem Scha­dow­stra­ßen­fest ver­kaufte. Seit 2001 fir­miert das Pro­jekt in sei­ner heu­ti­gen Form, von 2009 an mit einem fes­ten Stand­ort in der Ate­lier-Gale­rie an der Yorckstraße.

Wer die Wand in der Markt­straße heute abgeht, sieht eigent­lich eine Zeit­leiste: die Aktion für die For­tuna-Jugend 2012, die Per­sön­lich­kei­ten-Edi­tion 2014, die Löwen­bil­der von 2018 mit den Flag­gen inter­na­tio­na­ler Besu­cher, die Wap­pen-Serie aus der Pan­de­mie­zeit, in der Stoldt zu sei­nen zeich­ne­ri­schen Wur­zeln zurück­kehrte. Zuletzt kam 2022 der Auf­tritt auf dem Weih­nachts­markt am Rie­sen­rad dazu, 2024 die gra­fi­sche Edi­tion „Far­ben­froh”. Was wie eine lose Anein­an­der­rei­hung von Pro­jek­ten klingt, ist bei genaue­rem Hin­se­hen die kon­se­quente Fort­schrei­bung einer ein­zi­gen Idee: Düs­sel­dorf hört nie auf, neue Bil­der herzugeben.

Kar­ne­val, Brauch­tum, ein zwei­tes Zuhause
Dass aus­ge­rech­net die Markt­straße nun zur Bühne wird, hat mit dem Brauch­tum zu tun, dem sich Stoldt seit Jahr­zehn­ten ver­schrie­ben hat. Im Som­mer ist er Sap­peur im Düs­sel­dor­fer Sap­peur­corps, im Win­ter Prinz­gar­dist der Prin­zen­garde Rot-Weiß. Über sei­nen 2013 gegrün­de­ten Kanal Düsseldorf-Helau.TV, mit dem er den Kar­ne­val fil­misch beglei­tet, lernte er 2017 die Frau ken­nen, die ihm heute ihr Haus an der Markt­straße für die Gale­rie öff­net. Aus einer Ses­sion-Idee wurde so am 18. April 2026 eine Dop­pel­feier: Eröff­nung der Pop-up-Gale­rie und 25. Geburts­tag der Düs­sel­dor­fer Ansich­ten in einem.

Ein Muss für alle, die Düs­sel­dorf mögen
Wer die Stadt kennt, fin­det hier mehr als Wand­de­ko­ra­tion. Wer sie neu ent­de­cken will, bekommt gleich die pas­sende Ein­füh­rung mit­ge­lie­fert, vom Zoo-Turm bis zum Rhein­ufer, von his­to­ri­schen Ansich­ten bis zu Kar­ne­vals­mo­ti­ven. Und wer ein­fach nur eine Klei­nig­keit sucht, wird garan­tiert bei Unter­set­zern, Magne­ten oder den klei­nen Tau­send­füß­ler-Minia­tu­ren fün­dig. Ein Abste­cher in die Markt­straße 10 lohnt sich, und wer erst ein­mal drin­steht, bleibt meist län­ger, als er geplant hat.

Die Pop-up-Gale­rie ist diens­tags bis frei­tags von 12 bis 20 Uhr sowie sams­tags von 11 bis 20 Uhr geöffnet.