Wenn am 10. Oktober die ersten Reibekuchen in der Altstadt aus der Pfanne kommen, dürfte der Duft von frischem Kartoffelteig schon von Weitem über den Bolkerstern ziehen. Die Tischgemeinschaft Scholljonges im Heimatverein der Düsseldorfer Jonges plant für diesen Tag ihre bislang größte Aktion: 10.000 Reibekuchen sollen ab 10:10 Uhr auf der Terrasse der Kostbar an der Neustraße 39 verteilt werden – kostenlos, gegen eine freiwillige Spende.
Dass eine Tischgemeinschaft der Jonges in dieser Größenordnung auffährt, wäre schon für sich genommen eine Geschichte wert.
Besonderes Gewicht bekommt die Aktion aber durch ihre Schirmherrschaft: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst stellt sich persönlich hinter das Vorhaben. Nach Angaben der Veranstalter ist es das erste Mal in der Geschichte der Düsseldorfer Jonges, dass ein amtierender Ministerpräsident eine Tischgemeinschaft in dieser Form unterstützt – ein Signal, das über die Landeshauptstadt hinaus wahrgenommen werden dürfte.
Vom Achtungserfolg zur Großaktion
Die Dimension der Aktion lässt sich am besten im Vergleich zum Vorjahr ablesen. Im November 2025 hatten die Scholljonges bereits 3.000 Reibekuchen kostenlos in der Altstadt verteilt und damit für lange Schlangen gesorgt. Dass daraus nun mehr als das Dreifache wird, zeigt, wie sehr sich die Aktion in der Düsseldorfer Wohltätigkeitsszene etabliert hat. Seit 2016 organisiert die Gruppe unter Tischbaas Michael Brühl regelmäßig Benefizveranstaltungen, die inzwischen zu den verlässlichen Fixpunkten im Altstadt-Kalender gehören.
Bekannte Gesichter an der Pfanne
Wer selbst mit anpackt, liest sich wie ein Who’s who der Düsseldorfer Stadtgesellschaft: Fortuna-Vereinslegende Axel Bellinghausen steht ebenso an der Pfanne wie der frühere Fortuna-Sportvorstand und Fußballlehrer Uwe Klein und Ex-Torwart und ‑Trainer Wilfried Woyke. Auch TV-Star und Produktentwickler Sebastian Lege, selbst Mitglied der Scholljonges, ist wieder mit von der Partie. Vervollständigt wird die Runde durch Chirurg Dr. Karl Schuhmann, Koch und Kult-Karnevalist Kurt Fenn sowie TV-Moderator und Unternehmer Björn Brost – eine Mischung, die zeigt, wie breit das Netzwerk der Tischgemeinschaft inzwischen reicht.
Ein Tag, an dem viele Räder ineinandergreifen
Damit am Ende tatsächlich 10.000 Reibekuchen über die Theke gehen, braucht es mehr als gute Laune. Die Kartoffeln liefern die Landwirte Hanno Pass aus Ratingen und Bauer Brimmes aus Rath, bei der Zubereitung hilft zusätzlich Bauer Funken aus Kempen. Die nötigen Kühlkapazitäten stellt die Wurstmeister AG rund um Markus und Catalin Engstler bereit, für die Absicherung vor Ort sorgen wie in den Vorjahren die Johanniter. Auch die Stadt Düsseldorf unterstützt die Aktion. Ab 15:00 Uhr übernehmen DJ Theo Fitsos und die Strandpiraten das musikalische Rahmenprogramm, weitere Überraschungsgäste sind angekündigt.
Am Ende, sagt Tischbaas Michael Brühl, gehe es den Scholljonges nicht um die reine Zahl: „Wir haben in Düsseldorf schon viele verrückte Ideen umgesetzt – aber 10.000 Reibekuchen an einem Tag toppt alles, was wir bisher gewagt haben.“ Wichtiger als der Rekord sei, was am Schluss bei den beiden Empfängern ankomme: der Altstadt-Armenküche e.V. und der Initiative gutenachtbus Düsseldorf, die mobile Hilfe für obdachlose Menschen leistet.
Warum ausgerechnet Reibekuchen
Dass die Scholljonges dafür ausgerechnet auf den Reibekuchen setzen, ist kein Zufall. Kaum ein anderes Gericht steht in der Altstadt so sehr für Geselligkeit auf der Straße wie der knusprige Kartoffelfladen mit Apfelmus – günstig, schnell gemacht und für jeden zugänglich, ganz gleich ob Tourist oder Alteingesessener. Genau diese Niedrigschwelligkeit macht ihn zum idealen Vehikel für eine Spendenaktion: Wer vorbeikommt, muss nicht viel Geld mitbringen, um mitzumachen, und kommt trotzdem mit den Menschen ins Gespräch, denen die Spenden am Ende zugutekommen. Die Altstadt-Armenküche versorgt seit Jahren bedürftige Menschen in der Innenstadt mit warmen Mahlzeiten, der gutenachtbus ist nachts mit mobiler Hilfe für obdachlose Menschen unterwegs. Beide Organisationen sind in Düsseldorf fest verankert, aber auf Spenden angewiesen – ein Umstand, den die Scholljonges mit ihrer Aktion sichtbar machen wollen.
Dass sich rund um einen rheinischen Klassiker wie den Reibekuchen inzwischen ein derart großes Netzwerk aus Vereinen, Landwirten, Prominenten und der Landespolitik versammelt, sagt auch etwas über den Zusammenhalt in der Altstadt aus. Am 10. Oktober wird sich zeigen, ob die Scholljonges ihre selbst gesteckte Rekordmarke tatsächlich erreichen – ein Termin, den sich Freunde von Reibekuchen und guter Nachbarschaft schon jetzt vormerken sollten.