Wie eine Fassade innerhalb weniger Tage komplett erneuert werden kann, ohne dass Mieter ausziehen müssen, konnte Lokalbüro am Dienstag in Düsseldorf-Stockum live miterleben. Die Deutsche Allianz für Serielle Sanierung (DASS) hatte gemeinsam mit ihren Mitgliedsunternehmen renowate und Saint-Gobain Pre.Formance zu einer Besichtigung in die Ganghoferstraße 27 bis 35 eingeladen. Dort saniert die Beamten-Wohnungs-Baugenossenschaft eG (bwb) einen Teil ihrer Lönssiedlung seriell.
Grußwort von Bürgermeister Zachel
Die Begrüßung übernahm Bürgermeister Fabian Zachel (SPD). Im Anschluss erläuterten Andreas Kipp von renowate, Michael Langkau von Saint-Gobain Pre.Formance sowie Guido Sinn, Vorstand und Bauherr der bwb, den Ablauf und die technischen Hintergründe der Bauausführung, bevor es direkt auf die Baustelle ging: Die Gäste konnten dort live mitverfolgen, wie ein Fassadenelement per Kran über das eingerüstete Gebäude gehoben und millimetergenau vor die alte Hausfassade montiert wurde. Insgesamt dauert die Fassadenmontage eines kompletten Hauses nach Angaben vor Ort rund zwei bis drei Tage.
Fenster und Dämmung schon eingebaut
Besonders praktisch für die Mieter ist ein Detail, das bei der Führung erklärt wurde: In den Fassadenelementen ist bereits alles vorbereitet, darunter auch die neuen Fenster samt Rollläden und die komplette Wärmedämmung. Zunächst wird das neue Element mit dem bereits eingebauten Fenster vor die alte Fassade gesetzt, erst danach werden die alten Fenster von innen entfernt. Eine offene Fassadenlücke, durch die es hineinregnet oder zieht, entsteht für die Bewohner dadurch praktisch nicht.
Neue Dächer schaffen Platz für Wohnraum
Auch bei den Dächern setzt die bwb auf ein durchdachtes Konzept: Statt klassischer Dachpfannen kommen leichte Blechdächer zum Einsatz, wodurch sich das Gewicht der Dachkonstruktion deutlich reduziert. Der Dachstuhl stützt sich dabei nun auf die neuen, tragfähigeren Außenfassaden ab. Diese Gewichtsersparnis ist kein Selbstzweck, sondern schafft die Voraussetzung dafür, dass in den Dachgeschossen später zusätzliche Wohnungen ausgebaut werden können. Ergänzt wird das energetische Konzept durch Wärmepumpen und Solaranlagen, mit denen sämtliche Häuser der Siedlung ausgestattet werden.
Sanieren im bewohnten Zustand
Der große Vorteil der seriellen Sanierung liegt darin, dass Mieter während der Bauarbeiten in ihren Wohnungen bleiben können, statt wie bei einer klassischen Kernsanierung ausziehen zu müssen. Die Bauteile werden im Werk vorproduziert und vor Ort innerhalb weniger Tage angebracht, was Lärm, Staub und Beeinträchtigungen für die Bewohner deutlich reduziert. Nach Angaben der bwb lassen sich mit dem Verfahren Energieeinsparungen und CO₂-Reduktionen von bis zu 90 Prozent erzielen.
Größtes Genossenschaftsquartier wird zum Vorzeigeprojekt
Die Lönssiedlung zählt mit 41 Mehrfamilienhäusern und mehr als 200 Wohneinheiten zum größten zusammenhängenden Bestand der bwb und macht rund zehn Prozent der gesamten Genossenschaft aus. Die überwiegend in den 1930er-Jahren errichteten Gebäude galten energetisch bislang als besonders schlecht aufgestellt, mit der Sanierung soll sich die Effizienzklasse von H auf A beziehungsweise A+ verbessern. Rund 37 Millionen Euro investiert die bwb insgesamt in das Quartier, ein Großteil davon über ein zinsgünstiges KfW-Darlehen. Die bwb bezeichnet die serielle Quartierssanierung als eines der größten Projekte dieser Art in Nordrhein-Westfalen.
Modell mit Zukunft für die Region
Die DASS versteht sich als Zusammenschluss von Bauunternehmen, die sich für bessere politische Rahmenbedingungen für serielles Sanieren einsetzen und gleichzeitig über die Vorteile der Methode aufklären wollen. Der Bedarf in der Region ist groß: Laut IHK Düsseldorf gelten rund 75 Prozent des örtlichen Gebäudebestands als sanierungsbedürftig, während die tatsächliche Sanierungsquote derzeit bei unter einem Prozent liegt. Projekte wie die Lönssiedlung sollen zeigen, dass sich große Wohnquartiere auch deutlich schneller als mit herkömmlichen Methoden klimafit machen lassen, ohne die Mieter aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen.


