Vorbereitete Elemente werden eingesezt © Lokalbüro
v.l. Fabian Zachel, Andreas Kipp, Guido Sinn und Michael Langkau © Lokalbüro
Ein fertig saniertes Haus © Lokalbüro

Wie eine Fas­sade inner­halb weni­ger Tage kom­plett erneu­ert wer­den kann, ohne dass Mie­ter aus­zie­hen müs­sen, konnte Lokal­büro am Diens­tag in Düs­sel­dorf-Sto­ckum live mit­er­le­ben. Die Deut­sche Alli­anz für Seri­elle Sanie­rung (DASS) hatte gemein­sam mit ihren Mit­glieds­un­ter­neh­men renowate und Saint-Gobain Pre.Formance zu einer Besich­ti­gung in die Gang­ho­fer­straße 27 bis 35 ein­ge­la­den. Dort saniert die Beam­ten-Woh­nungs-Bau­ge­nos­sen­schaft eG (bwb) einen Teil ihrer Löns­sied­lung seriell.

Gruß­wort von Bür­ger­meis­ter Zachel
Die Begrü­ßung über­nahm Bür­ger­meis­ter Fabian Zachel (SPD). Im Anschluss erläu­ter­ten Andreas Kipp von renowate, Michael Lang­kau von Saint-Gobain Pre.Formance sowie Guido Sinn, Vor­stand und Bau­herr der bwb, den Ablauf und die tech­ni­schen Hin­ter­gründe der Bau­aus­füh­rung, bevor es direkt auf die Bau­stelle ging: Die Gäste konn­ten dort live mit­ver­fol­gen, wie ein Fas­sa­den­ele­ment per Kran über das ein­ge­rüs­tete Gebäude geho­ben und mil­li­me­ter­ge­nau vor die alte Haus­fas­sade mon­tiert wurde. Ins­ge­samt dau­ert die Fas­sa­den­mon­tage eines kom­plet­ten Hau­ses nach Anga­ben vor Ort rund zwei bis drei Tage.

Fens­ter und Däm­mung schon ein­ge­baut
Beson­ders prak­tisch für die Mie­ter ist ein Detail, das bei der Füh­rung erklärt wurde: In den Fas­sa­den­ele­men­ten ist bereits alles vor­be­rei­tet, dar­un­ter auch die neuen Fens­ter samt Roll­lä­den und die kom­plette Wär­me­däm­mung. Zunächst wird das neue Ele­ment mit dem bereits ein­ge­bau­ten Fens­ter vor die alte Fas­sade gesetzt, erst danach wer­den die alten Fens­ter von innen ent­fernt. Eine offene Fas­sa­den­lü­cke, durch die es hin­ein­reg­net oder zieht, ent­steht für die Bewoh­ner dadurch prak­tisch nicht.

Neue Dächer schaf­fen Platz für Wohn­raum
Auch bei den Dächern setzt die bwb auf ein durch­dach­tes Kon­zept: Statt klas­si­scher Dach­pfan­nen kom­men leichte Blech­dä­cher zum Ein­satz, wodurch sich das Gewicht der Dach­kon­struk­tion deut­lich redu­ziert. Der Dach­stuhl stützt sich dabei nun auf die neuen, trag­fä­hi­ge­ren Außen­fas­sa­den ab. Diese Gewichts­er­spar­nis ist kein Selbst­zweck, son­dern schafft die Vor­aus­set­zung dafür, dass in den Dach­ge­schos­sen spä­ter zusätz­li­che Woh­nun­gen aus­ge­baut wer­den kön­nen. Ergänzt wird das ener­ge­ti­sche Kon­zept durch Wär­me­pum­pen und Solar­an­la­gen, mit denen sämt­li­che Häu­ser der Sied­lung aus­ge­stat­tet werden.

Sanie­ren im bewohn­ten Zustand
Der große Vor­teil der seri­el­len Sanie­rung liegt darin, dass Mie­ter wäh­rend der Bau­ar­bei­ten in ihren Woh­nun­gen blei­ben kön­nen, statt wie bei einer klas­si­schen Kern­sa­nie­rung aus­zie­hen zu müs­sen. Die Bau­teile wer­den im Werk vor­pro­du­ziert und vor Ort inner­halb weni­ger Tage ange­bracht, was Lärm, Staub und Beein­träch­ti­gun­gen für die Bewoh­ner deut­lich redu­ziert. Nach Anga­ben der bwb las­sen sich mit dem Ver­fah­ren Ener­gie­ein­spa­run­gen und CO₂-Reduk­tio­nen von bis zu 90 Pro­zent erzielen.

Größ­tes Genos­sen­schafts­quar­tier wird zum Vor­zei­ge­pro­jekt
Die Löns­sied­lung zählt mit 41 Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern und mehr als 200 Wohn­ein­hei­ten zum größ­ten zusam­men­hän­gen­den Bestand der bwb und macht rund zehn Pro­zent der gesam­ten Genos­sen­schaft aus. Die über­wie­gend in den 1930er-Jah­ren errich­te­ten Gebäude gal­ten ener­ge­tisch bis­lang als beson­ders schlecht auf­ge­stellt, mit der Sanie­rung soll sich die Effi­zi­enz­klasse von H auf A bezie­hungs­weise A+ ver­bes­sern. Rund 37 Mil­lio­nen Euro inves­tiert die bwb ins­ge­samt in das Quar­tier, ein Groß­teil davon über ein zins­güns­ti­ges KfW-Dar­le­hen. Die bwb bezeich­net die seri­elle Quar­tiers­sa­nie­rung als eines der größ­ten Pro­jekte die­ser Art in Nordrhein-Westfalen.

Modell mit Zukunft für die Region
Die DASS ver­steht sich als Zusam­men­schluss von Bau­un­ter­neh­men, die sich für bes­sere poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen für seri­el­les Sanie­ren ein­set­zen und gleich­zei­tig über die Vor­teile der Methode auf­klä­ren wol­len. Der Bedarf in der Region ist groß: Laut IHK Düs­sel­dorf gel­ten rund 75 Pro­zent des ört­li­chen Gebäu­de­be­stands als sanie­rungs­be­dürf­tig, wäh­rend die tat­säch­li­che Sanie­rungs­quote der­zeit bei unter einem Pro­zent liegt. Pro­jekte wie die Löns­sied­lung sol­len zei­gen, dass sich große Wohn­quar­tiere auch deut­lich schnel­ler als mit her­kömm­li­chen Metho­den kli­ma­fit machen las­sen, ohne die Mie­ter aus ihrem gewohn­ten Umfeld zu reißen.