Verfassen eines Zeitungsartikels im Stil der Rheinischen Post. Neue Baumtafeln erzählen Geschichten aus aller Welt

Die Baumtafel zur Gewöhnlichen Esche (Fraxinus excelsior) und ein beeindruckendes Exemplar im Botanischen Garten. Der Baum war schon für die Germanen heilig, war doch der Weltenbaum Yggdrasil, der nach ihrem Glauben neun Welten miteinander verband, eine Esche. (Grafik: HHU / Katrin Saran; Fotos: HHU / Arne Claussen)
Wer in diesen Wochen durch den Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität (HHU) spaziert, entdeckt an vielen Bäumen etwas Neues: Rund 60 Informationstafeln erklären dort nicht nur die botanischen Besonderheiten der Gehölze, sondern erzählen auch, welche Rolle sie in den Kulturen ihrer Heimatregionen spielen. Gestaltet wurden die Tafeln von Dr. Sabine Etges, der kommissarischen Leiterin des Gartens, und der Illustratorin Katrin Saran. Der Garten ist im Oktober täglich bis 18 Uhr geöffnet, ab November nur noch wochentags bis 16 Uhr. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Botanischen Gartens.
„Es gibt hier im Garten so viele faszinierende Bäume aus vielen Regionen der Erde, und jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte“, sagt Etges. Viele Arten seien eng mit Kulturen und Mythen ihrer Ursprungsländer verknüpft. Das wolle man den Besuchern nun vermitteln. Ihren Dank richtet sie an den Freundeskreis des Gartens, der das Projekt finanziell unterstützt hat.
Vom Weltenbaum bis zur Andentanne
Insgesamt 62 Bäume erhalten eine eigene Tafel. Etges hat die Informationen dazu zusammengetragen, Saran recherchierte weitere Inhalte und schuf die Bilder. Als Beispiel nennt die Illustratorin die heimische Esche. Ihre biegsamen und zugleich zähen Zweige dienten einst dem Bau von Jagdbögen. In der germanischen Mythologie gilt sie als Weltenbaum Yggdrasil, der die Reiche von Menschen, Elben, Zwergen, Riesen und Göttern verband.
Besonders auffällig ist der Hain aus Araukarien, auch Andentannen genannt, auf dem Platz vor dem Kuppelgewächshaus. Die Bäume stammen aus Chile und Südwestargentinien, ihre Vorfahren waren bereits vor 200 Millionen Jahren verbreitet. Für die Menschen Südamerikas lieferten sie Bauholz, Nahrung und Pflanzenöl. Zwar wachsen sie inzwischen auch in vielen deutschen Gärten, vielerorts sind sie aber nicht gesund. Im Botanischen Garten hat sich zudem ein Exemplar von selbst angesiedelt, das schon einen Meter hoch ist. „Wir hoffen, dass diese Pflanze besser an die veränderten Klimabedingungen angepasst ist“, sagt Etges.
Lebende Fossilien und giftige Beeren
Auch der Ginkgo hat eine lange Geschichte. Der aus China stammende Baum war schon zu Zeiten der Dinosaurier verbreitet und überlebte deren Aussterben. In Deutschland wächst er seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Johann Wolfgang von Goethe widmete ihm 1815 ein Gedicht, ein prächtiges Exemplar steht noch heute unweit seines Hauses in Weimar.
Derzeit leuchten in vielen Gärten die roten Samenmäntel der Europäischen Eibe. Nur dieses Gewebe ist für Mensch und Tier ungefährlich, Samen, Nadeln und Holz sind hochgiftig. Schon vor 300.000 Jahren nutzte der Homo heidelbergensis, ein direkter Vorfahre des Neandertalers, das Holz für Wurfspieße. Bis heute ist es für Möbel und Werkzeuge begehrt.
Aus dem Fernen Osten stammt die Korea-Kiefer, die in klimatisch sehr unterschiedlichen Regionen wächst und die Wälder des Sibirischen Tigers prägt. Der Urweltmammutbaum, auch Chinesisches Rotholz genannt, ist extrem frosthart und anspruchslos und steht heute weltweit in Parks und Gärten. Weil er seine toten Äste nicht abwirft, weist sein Holz viele Kerben auf und ist deshalb kaum nutzbar. Im Garten wachsen außerdem Buchen, darunter die Orient-Buche und die heimische Rot-Buche.
Wiese voller Herbstzeitlosen
Neben dem bunten Laub gibt es im Herbst auch Blüten zu sehen. Nahe dem Haupteingang steht eine Wiese voller lila und zartvioletter Blumen, die an Krokusse erinnern. Tatsächlich handelt es sich um Herbstzeitlosen. Wer den Garten jetzt besucht, kann sich daher fast wie im Frühling fühlen.
Garten mit Geschichte und Auftrag
Der rund acht Hektar große Botanische Garten wurde 1979 eröffnet. Er liegt in einer Wasserschutzzone, gehört zum Frischluft- und Grüngürtel der Landeshauptstadt und dient als Trittsteinbiotop zwischen den Rheinauen und den Unterbacher Seen. Mit seiner Pflanzenvielfalt trägt er zum Erhalt bedrohter Arten bei. Für die HHU ist er Forschungs- und Ausbildungsstätte, für die Bevölkerung ein Ort der Bildung und Erholung.
Zu den Attraktionen zählen das 1975 fertiggestellte Kuppelgewächshaus mit Pflanzen aller Kontinente, das Südafrikahaus und die große Orangerie, in der die Kübelpflanzen überwintern. Hinzu kommen ein nicht öffentliches Sammlungs- und Forschungshaus, Versuchsflächen und moderne Forschungsgewächshäuser auf dem Campus.
Rund 100.000 Menschen besuchen den Garten jährlich. Im März und Oktober ist er täglich bis 18 Uhr geöffnet, von April bis September bis 19 Uhr. Ein kostenloser Audioguide auf Deutsch und Englisch führt zu den Besonderheiten. Vorträge und Führungen richten sich an Interessierte jeden Alters. Wer selbst mitforschen möchte, kann im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts per App die Vielfalt wilder Arten dokumentieren. Der Freundeskreis Botanischer Garten der HHU unterstützt die Arbeit, außerdem werden im Garten bis zu zehn angehende Gärtner in der Fachrichtung Staudengärtnerei ausgebildet.