ADFC zieht Bilanz: Bei Düsseldorfs Radwegen hat sich kaum etwas getan

Durcheinander zwischen Fußgängern und Radfahrenden am Fortunabüdchen © ADFC Düsseldorf
Ein Jahr nach Übergabe der Mängelliste aus der Aktion Radwegetest an Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller (CDU) fällt die Bilanz des ADFC ernüchternd aus. Mitglieder des Fahrradclubs haben alle 279 Problemstellen erneut begutachtet. An mehr als 85 Prozent der Orte hat sich nichts verändert. An den übrigen Stellen gab es meist nur kleine kosmetische Anpassungen.
Lob ohne Folgen
Keller hatte die Arbeit des ADFC bei der Übergabe vor einem Jahr ausdrücklich gewürdigt. Der Radwegetest habe „einen klaren Realitätsbezug“, die Umsetzung der Ergebnisse wäre „gut messbar“, sagte er damals. Auch CDU und Grüne hatten im Koalitionsvertrag 2025 zugesagt, die Maßnahmenliste auszuwerten und eine deutliche Verbesserung in allen zehn Stadtbezirken zu erreichen. „Der ADFC ist ernüchtert, dass so gut wie nichts passiert ist“, sagt Matthias Pesch, der den Verein im Ordnungs- und Verkehrsausschuss vertritt. Dass größere Mängel nicht binnen eines Jahres verschwinden, sei klar. „Aber dass selbst einfache, sofort mögliche Maßnahmen nicht ergriffen wurden, haben wir nicht für möglich gehalten.“
Beispiele aus Cecilienallee und Gerresheim
Auf der Rheinroute entlang der Cecilienallee sind Fuß- und Radweg zwischen dem Fortuna-Büdchen und den Rheinterrassen weiterhin nicht getrennt. Blumenkübel stehen im Weg, Bordsteine unter der Theodor-Heuss-Brücke sind nicht abgesenkt, und Radfahrende müssen sich durch den Parkplatz schlängeln. In Gerresheim steht zwischen Zamenhofweg und Siedlerweg noch immer ein gefährlich enges „Drängelgitter“, das nach einem Erlass des Landes längst regelwidrig ist. Verbesserungen gab es vor allem bei Markierungen, etwa an der Dorotheenstraße oder auf der Erkrather Straße, vereinzelt auch bei Oberflächen und Beschilderung.
Kein Plan in Sicht
Ein konkreter Fahrplan zur Abarbeitung der Mängel ist laut ADFC nicht bekannt. Im Januar hatte die Verwaltung im Ordnungs- und Verkehrsausschuss mitgeteilt, der Abgleich der Testergebnisse mit dem Planungsstand sei noch nicht abgeschlossen. Ein Ergebnis liegt bis heute nicht vor. Auch der Vorschlag des ADFC, die Mängel in kleinere Probleme, eigenständige Radverkehrsmaßnahmen und Großprojekte zu sortieren, wurde offenbar nicht aufgegriffen. In der Bezirksvertretung 7 sorgte eine nichtssagende Antwort der Verwaltung für Empörung, die Fraktionen stellten ihre Fragen einstimmig erneut.
Schwerer wiegt aus Sicht des ADFC, dass die Radleitrouten 1 und 2 beim Test 2025 im Vertrauen auf ihre beschlossene Umsetzung ausgespart wurden. Nun fallen Teile der Route 2 weg, darunter der Lückenschluss zwischen Luegplatz und Wehrhahn sowie die gesamte Dreherstraße. Auch für die Cecilienallee und die Verbindung zu Messe und Arena auf der Route 1 fehlt ein Zeitplan.
Forderung nach Fahrplan
Der ADFC verlangt von Keller und der Verwaltung einen transparenten, priorisierten und mit Ressourcen hinterlegten Fahrplan für das gesamte Radhauptnetz. „Es braucht klare Zeitpläne und echte bauliche Verbesserungen statt reiner Pinselarbeiten und Einzelmaßnahmen“, so Pesch. Wo das Geld fehle, seien zumindest provisorische Lösungen nötig, denn oberstes Ziel müsse die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer sein.
Für den Radwegetest 2025 hatten über 50 Ehrenamtliche des ADFC gemeinsam mit Bürgern das Radhauptnetz in allen zehn Stadtbezirken getestet. Alle Ergebnisse sind unter radwegetest.adfc-duesseldorf.de einsehbar.