Mehr Platz für Düsseldorfs Straßenbäume

Anette Hoffmann (Biologische Station Haus Bürgel) und Dr. Susanne Dickel (Verein Platzgrün) pflegen das bepflanzte Beet an der Remscheider Straße. © Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert
Die Landeshauptstadt setzt ihre Klimaanpassung im Straßenraum fort. An der Remscheider Straße sind die Arbeiten abgeschlossen, an der Rolandstraße wurden Flächen entsiegelt und Baumstandorte saniert. Als Nächstes ist die Dormagener Straße an der Reihe.
Größere Baumgruben an der Remscheider Straße
Auf der Ostseite der Remscheider Straße haben Stadt und Gartenamt den Gehweg zwischen Kirchfeld- und Gustav-Poensgen-Straße teilentsiegelt und mit einem stark wasserdurchlässigen Belag versehen. Bauschutt und Schotter im Untergrund wurden durch ein spezielles Substrat ersetzt, das Wasser und Nährstoffe besser speichert und den Wurzelraum zugleich besser belüftet. Die sechs vorhandenen Baumgruben und Baumbeete wurden vergrößert. Die Bäume können dadurch künftig größere Kronen entwickeln, die in heißen Sommern mehr Schatten spenden. Über die offenen Fugen des Pflasters versickert und verdunstet Regenwasser besser und steht den Wurzeln länger zur Verfügung. Zusätzlich wurden Fahrradabstellanlagen geschaffen, die Laufwege zu den Hauseingängen blieben erhalten. Die Kosten liegen voraussichtlich bei rund 166.000 Euro.
„Wir schaffen mit diesen Maßnahmen bessere Bedingungen für unsere Straßenbäume und sorgen gleichzeitig dafür, dass Regenwasser vor Ort versickern kann“, sagt Umweltdezernent Jochen Kral. Man mache die Straßenräume Schritt für Schritt widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit. „Denn jeder Baum, den wir auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten können, ist ein Gewinn für das gesamte Quartier.“
Seltene Wildpflanzen für mehr Artenvielfalt
Auch die neuen Baumbeete wurden ökologisch aufgewertet. Gemeinsam mit Platzgrün, einer Initiative des Vereins Pro Düsseldorf, und interessierten Anwohnern pflanzten die Beteiligten vom Gartenamt eigens kultivierte Arten der Roten Liste ein. Dazu zählen der Große Ehrenpreis, der Langblättrige Ehrenpreis, der Breitblättrige Thymian, die Heide-Nelke und das Kleine Mädesüß. Letzteres gilt in Düsseldorf mittlerweile als ausgestorben. Durch Anzucht und Auspflanzung in Gärten und Baumscheiben sollen die bedrohten Arten in die Stadt zurückkehren. Die mehrjährigen Stauden sind an heimische Standorte angepasst und bieten mit ihren Blüten Nahrung für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
„Mit der Auspflanzung der Rote-Liste-Arten wollen wir selten gewordene Pflanzen wieder stärker in der Stadt verankern“, erklärt Doris Törkel, Leiterin des Garten‑, Friedhofs- und Forstamts. So entstünden neue Standorte für die heimische Flora, und die Arten könnten sich langfristig wieder in Düsseldorf ausbreiten.
Zunächst ausgenommen von der Pflanzaktion waren zwei Bereiche, in denen noch zwei Blumeneschen von der Düsseldorfer Zukunftsbaumliste gepflanzt werden. Der Verein Platzgrün freut sich über weitere Interessierte, die bei der Pflege der Flächen mithelfen möchten.
Rolandstraße: Mehr als 300 Quadratmeter entsiegelt
Nach dem Vorbild der Remscheider Straße wurden auch an der Rolandstraße umfangreiche Arbeiten umgesetzt. Mehr als 300 Quadratmeter Fläche wurden entsiegelt, acht Baumscheiben saniert und ein Japanischer Schnurbaum aus der Zukunftsbaumliste nachgepflanzt. Auf der entsiegelten Fläche gegenüber der Rolandschule wurde zudem eine Blühwiese eingesät. Im kommenden Frühjahr sollen dort insgesamt 27 insektenfreundliche, frühsommerblühende Arten zur Blüte kommen. Die Kosten betragen voraussichtlich 114.000 Euro.
Dormagener Straße und Kolpingplatz folgen
Die nächste Maßnahme wird bereits an der Dormagener Straße vorbereitet. Dort soll eine von Verkehrsflächen umgebene Grünfläche umgestaltet werden. Geplant sind ein ressourcenschonender Umgang mit Regenwasser, neue Baumpflanzungen und eine Blühwiese. Auch am Kolpingplatz sind Klimaanpassungsmaßnahmen in Vorbereitung. Im Bereich der Schwerin‑, Pfalz- und Mauerstraße sollen insgesamt 28 vorhandene Baumstandorte vergrößert werden.
Stadtbaumkonzept als langfristiger Rahmen
Die Projekte sind Teil der Klimaanpassungsstrategie, mit der die Stadt auf die Folgen des Klimawandels reagiert und zugleich die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessert. Die Vorhaben an der Remscheider Straße und an der Rolandstraße werden aus dem Aktionsprogramm Klimaschutz der KfW-Bank jeweils zu 80 Prozent gefördert. Ein wichtiger Baustein ist das Düsseldorfer Stadtbaumkonzept: Seit 2015 setzt die Stadt damit einen Schwerpunkt auf die Pflanzung neuer und die Sanierung vorhandener Straßenbäume in klimatisch besonders belasteten Stadtteilen. Ziel ist es, die Standortbedingungen langfristig zu verbessern und Baumarten zu wählen, die besser an das veränderte Stadtklima angepasst sind. Dabei setzt das Gartenamt auf die Zukunftsbaumliste der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Die abgeschlossenen Projekte zeigen, wie das im Straßenraum gelingen kann: Größere Baumgruben schaffen bessere Wachstumsbedingungen, entsiegelte und wasserdurchlässige Flächen halten das Regenwasser vor Ort. Die Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktion ermöglicht zudem Verdunstung und damit eine Abkühlung der direkten Umgebung.