Seite auswählen

Bernhard Paul bringt ein Stück Wien nach Düsseldorf: Eine Liebeserklärung gegen das Heimweh

Vivi Paul-Roncalli und ihr Vater Bernhard Paul präsentieren die neue Wiener Kaffeehauswelt im Apollo. Sie hat die Kostüme aus dem Roncalli-Fundus zusammengestellt und dabei auch außergewöhnliche Kreationen berücksichtigt. © Lokalbüro
Bernhard Paul erzählt von seiner Sehnsucht nach Wien und seiner besonderen Verbindung zur Kaffeehauskultur. Mit „Leise rieselt der Schmäh“ bringt der Roncalli-Gründer ein sehr persönliches Stück Heimat auf die Bühne des Apollo.© Lokalbüro
Gemeinsam stellen Bernhard Paul, seine Tochter Vivi Paul-Roncalli und Regisseur Thomas Bruchhäuser die neue Show „Leise rieselt der Schmäh“ vor. Mit Artistik, Musik, Kabarett und Wiener Kaffeehausflair soll das Publikum für einige Stunden in eine andere Welt eintauchen. © Lokalbüro

Manch­mal braucht es nur den Duft einer Tasse Kaf­fee, einen alten Kaf­fee­haus­tisch oder den Anblick lie­be­voll aus­ge­wähl­ter Erin­ne­rungs­stü­cke, um sich für einen Augen­blick in eine andere Welt ver­setzt zu füh­len. Eine Welt, in der die Zeit etwas lang­sa­mer ver­geht, in der man ver­wei­len darf und in der kleine Dinge plötz­lich eine große Bedeu­tung bekom­men. Genau die­ses Gefühl möchte Bern­hard Paul mit sei­ner neuen Show ins Apollo Varieté brin­gen. Und schon beim Pres­se­ge­spräch war zu spü­ren, dass es ihm dabei um weit mehr geht als um eine wei­tere Varietéproduktion.

Wäh­rend der Ron­calli-Grün­der von sei­ner Hei­mat Wien erzählte und die his­to­ri­schen Möbel und lie­be­voll gestal­te­ten Details des Kaf­fee­haus­am­bi­en­tes den Blick auf sich zogen, lief mir ein Schauer über den Rücken. Da war plötz­lich diese Lust, sich ein­fach auf eine Reise nach Wien ent­füh­ren zu las­sen – mit­ten in Düs­sel­dorf. Viel­leicht ist es genau das, was Bern­hard Paul mit sei­ner neuen Pro­duk­tion errei­chen möchte: nicht nur eine Stadt auf die Bühne zu brin­gen, son­dern ein Gefühl.

„Leise rie­selt der Schmäh – Wie­ner Kaf­fee­haus­ge­schich­ten“ heißt die Show, die am 23. Okto­ber Pre­miere fei­ert. Für den 79-jäh­ri­gen Ron­calli-Grün­der ist sie eine sehr per­sön­li­che Ange­le­gen­heit. Vor genau 50 Jah­ren ver­ließ er Wien. Doch die Sehn­sucht nach sei­ner Hei­mat ist geblie­ben. Nun holt er ein Stück davon an den Rhein.

„Kaf­fee­häu­ser sind für Men­schen, die allein sein wol­len, aber dazu Gesell­schaft brau­chen“, sagt Paul. In die­sem Satz steckt viel von dem, was das Wie­ner Kaf­fee­haus seit Gene­ra­tio­nen aus­macht. Es ist ein Ort, an dem man nicht viel erklä­ren muss. Man kann lesen, beob­ach­ten, nach­den­ken oder ein­fach nur dasit­zen. Man ist für sich und doch nicht allein.

„Ich bin ein Heim­weh-Wie­ner, der bereits Sehn­sucht bekommt, kurz nach­dem er die Stadt­grenze ver­las­sen hat“, beschreibt Paul seine Gefühle. Als er Wien vor fünf Jahr­zehn­ten ver­ließ, fehlte ihm vor allem eines: das Wie­ner Café. Diese Sehn­sucht hat ihn nie ganz los­ge­las­sen. Jetzt kann er sie mit dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum tei­len. Erst­mals seit vie­len Jah­ren hat er wie­der selbst eine Show für das Apollo kon­zi­piert. Gemein­sam mit Tho­mas Bruch­häu­ser führt er Regie.

Ein Kaf­fee­haus vol­ler Geschich­ten
Wer Bern­hard Paul kennt, weiß, wie wich­tig ihm die Details sind. Eine Kulisse soll nicht ein­fach nur schön aus­se­hen. Sie muss eine Geschichte erzäh­len und Atmo­sphäre schaf­fen. Des­halb öff­net Paul seine pri­vate Samm­lung und stellt aus­ge­wählte Ori­gi­nale aus der Wie­ner Kaf­fee­haus- und Cir­cus­ge­schichte zur Ver­fü­gung. Tho­net-Stühle, guss­ei­serne Tische, his­to­ri­sche Kaf­fee­ma­schi­nen, alte Wer­be­schil­der und ein Tre­sen aus der Kai­ser­zeit las­sen die Besu­cher in eine andere Zeit eintauchen.

Man kann sich bei­nahe vor­stel­len, wie einst Schrift­stel­ler, Künst­ler und Intel­lek­tu­elle an sol­chen Tischen saßen, dis­ku­tier­ten, schrie­ben oder ein­fach die Zeit ver­ga­ßen. Die Gegen­stände tra­gen Spu­ren ver­gan­ge­ner Jahr­zehnte in sich. Sie ste­hen für eine Kul­tur, in der das Ver­wei­len sei­nen eige­nen Wert hatte. Eine LED-Wand ergänzt die his­to­ri­sche Kulisse mit stim­mungs­vol­len Ansich­ten Wiens.

Gemein­sam mit Tho­mas Bruch­häu­ser hat Paul die Her­aus­for­de­rung ange­nom­men, das alte Wien in eine moderne Varie­té­pro­duk­tion zu ver­wan­deln. Tanz, Artis­tik, Musik und Kaba­rett ver­bin­den sich zu einer Wie­ner Melange aus Ele­ganz, Humor und Poe­sie. Die Kaf­fee­haus­welt ist dabei nicht bloß Kulisse, son­dern der rote Faden, der die unter­schied­li­chen Dar­bie­tun­gen zusammenhält.

Ein Stück Wie­ner Geschichte auf der Bühne
Durch das Pro­gramm füh­ren zwei Künst­ler, die Wien auf ihre eigene Weise ver­kör­pern. Leo­pold Alten­burg, Urur­en­kel von Kai­se­rin Eli­sa­beth, genannt Sisi, und Kai­ser Franz Joseph I., über­nimmt die Rolle des Ober­kell­ners. Der Schau­spie­ler, Regis­seur und Clown bringt Wie­ner Charme und fein­sin­ni­gen Humor mit. An sei­ner Seite steht der gebür­tige Wie­ner Georg Wacks, der seit vie­len Jah­ren als Solist an der Wie­ner Volks­oper tätig ist. Beide füh­ren in wech­seln­der Beset­zung durch die Inszenierung.

Dazu kom­men spek­ta­ku­läre Artis­tik am Tra­pez und im Luft­ring, Jon­glage, Hand­stand­kunst, Hula-Hoop-Dar­bie­tun­gen und wag­hal­sige Sprünge am Rus­si­schen Bar­ren. Mei­ste­ril­lu­sio­nist Sergi Buka ver­zau­bert das Publi­kum mit Illu­sio­nen und Schat­ten­spiel. Die Cho­reo­gra­fien des Apollo-Bal­letts und die fan­ta­sie­vol­len Kos­tüme ver­bin­den die ein­zel­nen Dar­bie­tun­gen zu einem stim­mungs­vol­len Ganzen.

Auch bei den Kos­tü­men zeigt sich die Liebe zum Detail. Vivi Paul-Ron­calli, die Toch­ter des Ron­calli-Grün­ders und stell­ver­tre­tende Direk­to­rin, hat die Aus­wahl aus dem umfang­rei­chen Ron­calli-Fun­dus kura­tiert. Dazu gehö­ren hand­ge­fer­tigte Krea­tio­nen, die das Kaf­fee­haus­motto auf fan­ta­sie­volle Weise auf­grei­fen. Eine davon lässt sogar die berühmte Sacher­torte leben­dig werden.

Wien zum Genie­ßen – und zum Mit­neh­men
Zu einem Wie­ner Kaf­fee­haus gehört natür­lich auch der Kaf­fee selbst. Des­halb wird im Apollo ori­gi­na­ler Meinl-Kaf­fee aus Wien aus­ge­schenkt. Zusam­men mit den his­to­ri­schen Möbeln, den alten Wer­be­schil­dern und dem beson­de­ren Ambi­ente ent­steht so ein Stück Wie­ner Kaf­fee­haus­kul­tur mit­ten in Düsseldorf.

Auch kuli­na­risch dür­fen die Wie­ner Klas­si­ker nicht feh­len. Wer sich für das Ange­bot „Show & Dine“ ent­schei­det, kann ein Drei-Gänge-Menü mit öster­rei­chi­schen Spe­zia­li­tä­ten genie­ßen. Auf der Karte ste­hen unter ande­rem Wie­ner Schnit­zel mit Erd­äp­fel­sa­lat und Prei­sel­bee­ren sowie Spi­nat­knö­del. Zum süßen Abschluss war­tet eine beson­dere Köst­lich­keit: Der Ori­gi­nal Sacher-Wür­fel wird eigens aus der Sacher-Manu­fak­tur in Wien nach Düs­sel­dorf gebracht.

Doch die Wie­ner Genuss­welt soll nicht nur wäh­rend des Abends auf der Zunge blei­ben. Auch für zu Hause gibt es etwas mit­zu­neh­men. Gugel­hupf und Kon­fi­tü­ren wer­den in anspre­chen­der Ver­pa­ckung zum Ver­kauf ange­bo­ten. So kön­nen Besu­cher ein klei­nes Stück Wien mit nach Hause neh­men – als Erin­ne­rung an einen Abend, an dem die Sehn­sucht nach der Donau­me­tro­pole für einige Stun­den ganz nah rückt.

Viel­leicht ist gerade das ein schö­ner Gedanke hin­ter die­sem Pro­gramm: Erin­ne­run­gen müs­sen nicht in der Ver­gan­gen­heit blei­ben. Sie kön­nen geteilt, wei­ter­ge­ge­ben und neu erlebt wer­den. Ein Stück Hei­mat wird zu einem Geschenk für andere.

Freude schen­ken, wenn die Welt unru­hig ist
Bern­hard Paul hat mit Ron­calli über Jahr­zehnte eine eigene Welt geschaf­fen. Eine Welt, in der Fan­ta­sie, Hand­werk und Mensch­lich­keit zusam­men­ge­hö­ren. Im Jubi­lä­ums­jahr sei­nes Cir­cus-Thea­ter Ron­calli führt ihn sein Weg nun zurück zu den per­sön­li­chen Wur­zeln. Dass er sich dabei für das Wie­ner Kaf­fee­haus ent­schie­den hat, ist kein Zufall. Es steht für Begeg­nung, für Muße und für die Mög­lich­keit, für einen Moment aus dem All­tag auszusteigen.

„Es ist schwer gewor­den, sich wohl­zu­füh­len. Als Künst­ler wol­len wir unse­ren Teil dazu bei­tra­gen und den Men­schen Freude berei­ten“, sagt Paul. Diese Worte geben der Show eine beson­dere Bedeu­tung. Denn manch­mal braucht es keine gro­ßen Ant­wor­ten auf die Fra­gen der Zeit. Manch­mal genügt ein Abend, der berührt, zum Lachen bringt und für ein paar Stun­den ver­ges­sen lässt, was drau­ßen wartet.

Viel­leicht ist es genau das, was mich bei dem Pres­se­ge­spräch so berührt hat: die Vor­stel­lung, für einen Abend in eine andere Welt ein­tau­chen zu kön­nen, ohne Düs­sel­dorf ver­las­sen zu müs­sen. Ein wenig Wie­ner Lebens­ge­fühl, ein guter Kaf­fee, Musik, Artis­tik und die Atmo­sphäre eines his­to­ri­schen Kaf­fee­hau­ses – mehr braucht es manch­mal gar nicht, um sich auf eine kleine Reise zu begeben.

Wenn am Ende der Vor­stel­lung der Applaus erklingt, ist viel­leicht nicht nur eine gelun­gene Varie­té­show zu Ende gegan­gen. Viel­leicht hat Bern­hard Paul dann auch ein wenig von dem geteilt, was ihn seit 50 Jah­ren beglei­tet: die Sehn­sucht nach sei­ner Hei­mat und die Freude daran, ande­ren Men­schen einen beson­de­ren Moment zu schenken.

Vom 23. Okto­ber 2026 bis zum 10. Januar 2027 wird das Apollo Varieté so zu einem Wie­ner Kaf­fee­haus am Rhein. Ein Ort, an dem die Zeit für einen Abend ein wenig lang­sa­mer gehen darf – und an dem man sich viel­leicht für einen Augen­blick fühlt, als wäre man tat­säch­lich in Wien.

„Leise rie­selt der Schmäh – Wie­ner Kaf­fee­haus­ge­schich­ten“
Die Show läuft vom 23. Okto­ber 2026 bis zum 10. Januar 2027 in Roncalli’s Apollo Varieté. Geplant sind 82 Vor­stel­lun­gen an 60 Spiel­ta­gen. Die Regie füh­ren Bern­hard Paul und Tho­mas Bruch­häu­ser. Tickets für die Show kos­ten zwi­schen 33,90 und 78,90 Euro, das Ange­bot „Show & Dine“ zwi­schen 83,90 und 108,90 Euro. Kar­ten gibt es unter www.apollo-variete.com, tele­fo­nisch unter 0211 828 90 90 sowie an der Thea­ter­kasse und den bekann­ten Vorverkaufsstellen.

Thonet-Stühle, historische Accessoires und fantasievolle Kostüme schaffen im Apollo Varieté die Atmosphäre eines traditionellen Wiener Kaffeehauses. © Lokalbüro

Ein Blick in die Wie­ner Kaf­fee­haus­welt Tho­net-Stühle, his­to­ri­sche Acces­soires und fan­ta­sie­volle Kos­tüme schaf­fen im Apollo Varieté die Atmo­sphäre eines tra­di­tio­nel­len Wie­ner Kaf­fee­hau­ses. © Lokalbüro

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Düsseldorf im Postfach

Die wichtigsten Meldungen aus Düsseldorf direkt in Ihr Postfach.

Newsletter

Kostenlos · jederzeit abbestellbar

Archiv

Internet-Partner