
Polizeipräsidentin Miriam Braun und LKDin Annette Henning © Lokalbüro
Von Manfred Fammler
Die Schallmauer bei den Straftaten durchbrochen – und trotzdem eine sichere Stadt? Wie diese scheinbaren Gegensätze zusammenpassen, erklärten Polizeipräsidentin Miriam Brauns und Annette Henning, Leiterin der Direktion Kriminalität. Die beiden Polizistinnen luden zur Vorstellung der Kriminalstatistik 2025. Zahlreiche Zahlen und Kennziffern wollten eingeordnet werden.
Ein Beispiel: In der Gruppe der unter 21-Jährigen sticht besonders der Anstieg bei Kindern hervor, während die Zahlen bei Jugendlichen leicht zurückgingen und bei den 18- bis 21-Jährigen nahezu konstant blieben. Die Gründe sind schwer zu ermitteln, weil bei strafunmündigen Kindern keine Ermittlungen stattfinden. „Wir übergeben die Kinder den Eltern und den Ämtern“, so PP Brauns.
Bei aller Zahlenspielerei bleibt festzuhalten: 80.538 registrierte Straftaten bedeuten von 2024 auf 2025 einen Anstieg um 4,7 Prozent. Nicht einmal die Hälfte der Fälle konnte aufgeklärt werden (47,65 Prozent). Ruhmesblätter sehen anders aus – zumal die Aufklärungsquoten erheblichen Schwankungen unterliegen. Während sie beim Taschendiebstahl unter sechs Prozent liegt, beträgt sie bei Gewaltverbrechen über 90 Prozent.
Woran lag der Anstieg der Straftaten in der Landeshauptstadt? Ein wesentlicher Faktor ist die Internetkriminalität, wie Brauns besonders hervorhob. Mit Blick auf eine verbreitete „Schnappermentalität“ sagte sie: „Das neueste Handy gibt es nicht für 250 Euro. Wer das glaubt, hat eine zu hohe Risikobereitschaft.“ 2025 landeten 5.764 Fälle auf den Tischen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Vor fünf Jahren waren es lediglich rund 2.000.
Weniger blauäugig, dafür aber unbedarft zeigen sich offenbar viele Düsseldorfer beim Verlassen ihrer Wohnung. „Mir würde es schon reichen, wenn die Tür wenigstens abgeschlossen wird“, so Brauns. Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg 2025 auf ein Rekordhoch seit 2018: 1.541 Fälle bei einer Aufklärungsquote von unter zehn Prozent. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg von über sieben Prozent. Brauns kommentierte nüchtern: „Das ist nicht so gut.“
Hier appelliert die Polizeipräsidentin deutlich an die Eigenverantwortung von Mietern und Hauseigentümern. Bereits ein zusätzlicher Panzerriegel sei ein „technischer und bezahlbarer Fortschritt“, der Einbrecher abschrecke – und im Verhältnis zum Schaden nach einer Tat deutlich günstiger.
Miriam Brauns wurde nicht müde zu betonen, wie sicher Düsseldorf dennoch sei. „Wir laufen nicht in Gefahr, auf offener Straße getötet zu werden“, erklärte sie. Die 16 Tötungsdelikte ordnete sie überwiegend als Beziehungs- oder Szenetaten ein. Die Opfer seien in der Regel nicht zufällig ausgewählt worden. „Meistens handelt es sich um eine Beziehungstat.“
Wenn es in Düsseldorf zu Gewalteskalationen kommt, verläuft diese Entwicklung jedoch zunehmend aggressiv – immer häufiger spielt dabei ein Messer eine Rolle. Die Schwelle, ein Messer zu ziehen und auch gegen bereits am Boden liegende Personen einzusetzen, sei gesunken. „Das Messer ist die neue Faust“, heißt es im Polizeijargon.
Diese Entwicklung ist nicht neu, findet aber offenbar trotz Kontrollen keine ausreichende Abschreckung. Messer kommen verstärkt auch bei Raubüberfällen zum Einsatz. Eine Abwehr ohne Verletzung ist bei solchen Angriffen kaum möglich, wie selbst Personenschützer einräumen. Die Aufklärungsquote bei Körperverletzungsdelikten liegt bei über 80 Prozent – bei insgesamt 6.756 registrierten Fällen eine sehr hohe Zahl.
Ebenfalls gestiegen ist die Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte. 2025 wurden 688 Fälle registriert. Allerdings konnten fast 99 Prozent aufgeklärt werden – die höchste Quote in der gesamten Statistik.
Kritisch äußerte sich die Polizeipräsidentin zum Cannabisgesetz: „Wir haben selten ein so schlecht gemachtes Gesetz bekommen. Es ist für uns nicht umsetzbar.“ Der Konsum ist erlaubt, der Handel nicht. Die Zahl der entsprechenden Fälle stieg von 205 im Jahr 2024 auf 480 im Jahr 2025. Auch beim Handel mit Kokain und Crack wurde ein deutlicher Anstieg verzeichnet – von 54 auf 87 Fälle –, wenngleich diese Zahl im Vergleich zu anderen Deliktfeldern gering erscheint.
Nicht zuletzt fließt auch der sorglose Umgang mit Eigentum in die Statistik ein: Handtaschen ohne Reißverschluss – modisch, aber ein gefundenes Fressen für Diebe – sowie Geldbörsen oder Handys in hinteren Hosentaschen erleichtern Straftaten erheblich.
Am Ende bleibt die entscheidende Frage: Ist Düsseldorf eine sichere Stadt? Neben objektiven Zahlen spielt das subjektive Sicherheitsempfinden eine zentrale Rolle – und das lässt sich nicht statistisch verordnen.
Miriam Brauns formuliert es unmissverständlich: „Sie laufen in Düsseldorf nicht in Gefahr, auf offener Straße getötet zu werden. Düsseldorf ist und bleibt eine sehr sichere Stadt.“


