
Jacques Tilly © Lokalbüro
Die Verurteilung des Düsseldorfer Wagenbauers Jacques Tilly durch ein Moskauer Gericht hat in seiner Heimatstadt deutliche Reaktionen ausgelöst. Mit einem Strafmaß von achteinhalb Jahren Haft sowie einer Geldstrafe sorgt das Urteil nicht nur international, sondern auch am Rhein für Empörung. Besonders klar positionieren sich die Düsseldorfer Jonges, die den Richterspruch als Angriff auf fundamentale Freiheitsrechte werten.
Für den traditionsreichen Heimatverein steht fest, dass die Freiheit der Meinung und der Kunst nicht zur Disposition stehen darf. In einer Stellungnahme betont Baas Reinhold Hahlhege, dass die offene und auch zugespitzte Auseinandersetzung seit jeher zum Selbstverständnis des Düsseldorfer Karnevals gehöre. Man werde sich weder Kritik noch klare Haltung verbieten lassen. Gerade diese Form der Meinungsäußerung sei Ausdruck einer lebendigen, demokratischen Gesellschaft.
Die Jonges sehen in der Entscheidung aus Moskau ein Signal, das weit über den Einzelfall hinausgeht. Wer künstlerische Freiheit einschränke, greife die Grundlagen einer offenen Gesellschaft an. Deshalb sei es umso wichtiger, Haltung zu zeigen und die eigenen Werte zu verteidigen.
Die Verbindung zwischen Tilly und den Jonges reicht viele Jahre zurück. Bereits 2019 wurde der Künstler vom Verein ausgezeichnet. Drei Jahre später gestaltete er zum 90-jährigen Bestehen der Gemeinschaft einen Straßenbahnwagen der Rheinbahn, der als rollendes Kunstwerk die Geschichte des Vereins erzählte.
Tilly ist weit über Düsseldorf hinaus bekannt für seine oft provokanten und politisch aufgeladenen Karnevalswagen. Dabei griff er wiederholt auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Motiv auf. Genau diese Arbeiten wurden ihm nun offenbar zum Verhängnis. Das Moskauer Gericht sprach ihn unter anderem der Verbreitung angeblicher Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte sowie der Verletzung religiöser Gefühle schuldig. Neben der Haftstrafe wurde ein mehrjähriges Berufsverbot verhängt.
In Düsseldorf hingegen wächst die Solidarität. Für viele steht fest: Die Freiheit, Missstände künstlerisch zu kommentieren, ist ein unverzichtbarer Bestandteil der demokratischen Kultur – und gerade im Karneval tief verwurzelt.

