
v.l.n.r.: Tina Schmidt, IHK Düsseldorf; Thorben Meier, Düsseldorf Marketing; Dr. Heike Döll-König, Tourismus NRW e.V.; Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf; Isa Fiedler, DEHOGA Nordrhein e.V.; Jens Ihsen, Visit Düsseldorf; Michael Brill, D.LIVE © Visit Düsseldorf
Die Landeshauptstadt will im Tourismus neue Maßstäbe setzen – und verabschiedet sich bewusst vom reinen Wachstumsgedanken. Mit der Strategie „Future of Tourism Düsseldorf“ hat Visit Düsseldorf erstmals ein langfristiges Konzept vorgelegt, das auf Qualität, Wertschöpfung und Lebensqualität setzt. Vorgestellt wurde es vor rund 250 Branchenvertretern in den Design Offices Fürst & Friedrich.
Die Ausgangslage ist stabil: Die Zahl der Gäste steigt, Hotels sind gut ausgelastet, Besucher bewerten ihren Aufenthalt überdurchschnittlich positiv. Dennoch bleibt ein strukturelles Problem. Düsseldorf ist vor allem Messe- und Eventstandort – viele Gäste reisen gezielt an, bleiben aber nur kurz. Im Schnitt liegt die Aufenthaltsdauer bei 1,6 Übernachtungen. Genau hier setzt die Strategie an.
„Es geht nicht um Wachstum um jeden Preis“, betont Geschäftsführer Jens Ihsen. Stattdessen sollen Gäste länger bleiben und intensiver erleben, was die Stadt zu bieten hat. Denn die Stärken sind vorhanden: kurze Wege, eine lebendige Kulturszene, vielfältige Gastronomie und eine offene Stadtgesellschaft. Bislang wird Düsseldorf jedoch oft nicht als klassisches Reiseziel wahrgenommen, sondern als Ort für konkrete Anlässe.
Künftig sollen genau diese Anlässe gezielt genutzt werden. Große Messen, Konzerte und Events gelten als Einstieg – ergänzt durch zusätzliche Angebote in Kultur, Kulinarik und Einzelhandel. Beispiele sind die geplanten Großereignisse wie Auftritte der Backstreet Boys oder neue Formate wie das Art:walk Festival. Die Formel dahinter: Anlass plus Erlebnis gleich mehr Wertschöpfung.
Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit der Düsseldorf Marketing GmbH auf Basis umfangreicher Datenanalysen. Neben Gästebefragungen flossen auch Erkenntnisse zur Tourismusakzeptanz und wirtschaftlichen Bedeutung ein. „Wir arbeiten nicht mehr aus dem Bauch heraus, sondern datenbasiert“, heißt es von den Verantwortlichen.
Ein zentraler Punkt ist die Rolle der Stadtgesellschaft. Tourismus soll nicht als Belastung empfunden werden, sondern als Gewinn für alle. Die Strategie setzt deshalb auf Angebote, die auch den Düsseldorfern zugutekommen, sowie auf eine bessere Verteilung der Besucherströme. Die Zustimmung ist bereits hoch: Eine Mehrheit der Einwohner bewertet den Tourismus positiv.
Ökonomisch spielt die Branche ohnehin eine Schlüsselrolle. Rund 2,95 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung jährlich machen den Tourismus zu einem wichtigen Pfeiler der Stadtwirtschaft. Künftig soll dieser Beitrag nicht durch mehr Gäste, sondern durch höhere Qualität gesichert werden.
Auch Oberbürgermeister Stephan Keller sieht Düsseldorf gut aufgestellt. Mit Millionen Ankünften jährlich, internationaler Strahlkraft und hoher Lebensqualität biete die Stadt beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
Das Ziel ist klar formuliert: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer soll von derzeit 1,6 auf 2,0 Nächte steigen. Aus Anlassgästen sollen Erlebnisgäste werden – Besucher, die nicht nur kommen, sondern bleiben. Unter dem Leitgedanken „More than a visit“ will sich Düsseldorf damit langfristig als führende Event- und Erlebnisstadt in Deutschland positionieren.


