Berhard Paul neben seiner Tochter Vivian erklärt das Zirkusgelände in Düsseldorf © Lokalbüro

Ber­hard Paul neben sei­ner Toch­ter Vivian erklärt das Zir­kus­ge­lände in Düs­sel­dorf © Lokalbüro

 

Von Man­fred Fammler

Noch grö­ßer, noch schö­ner: Bern­hard Paul stellte das Jubi­lä­ums­pro­gramm sei­nes Kin­des „Cir­cus Ron­calli“ vor und schwärmte: „Der schönste Platz in Deutsch­land ist hier im Rhein­park!“ Treff­si­cher und gebüh­rend für 50 Jahre Roncalli.

Als Ron­calli 1976 das erste Mal zu sei­ner poe­ti­schen Show in Bonn ein­lud, war die Reak­tion durch­wach­sen. Ein Zir­kus ohne Tiere, ein Zir­kus nur mit Poe­sie und Akro­ba­tik? Einem sol­chen Kon­zept wurde wenig Erfolg zuge­mu­tet. Selbst sein dama­li­ger Geschäfts­part­ner André Hel­ler glaubte nicht an ein Gelin­gen des von bei­den Aus­nah­me­poe­ten 1975 gegrün­de­ten Zir­kus. Mit dem Satz „Die Poe­sie ist tot“ trennte sich Hel­ler 1976 von der Idee und dem Circus.

Wie falsch der Wie­ner Künst­ler mit sei­ner Mei­nung lag, zeigte sich spä­ter. Bern­hard Paul boxte sich durch, hielt an sei­ner Vision fest – auch vor dem Hin­ter­grund, „dass meine Kin­der keine ein­ge­sperr­ten Tiere sehen soll­ten“. Heute, 50 Jahre spä­ter, schei­nen Tiere eher Fremd­kör­per in der moder­nen Cir­cus­land­schaft zu sein. Wobei der Begriff „Land­schaft“ schon ein Euphe­mis­mus ist.

„Wie viele große Zir­kusse gibt es noch, die sich über 50 Jahre gehal­ten haben?“, fragte der 79-jäh­rige „Clown Zippo“ fast schon rhe­to­risch. Bei sei­nem ers­ten Auf­tritt am 18. Mai 1976 waren Mit­be­wer­ber des New­co­mers Schwer­ge­wichte wie Krone, Alt­hoff, Wil­liams-Alt­hoff, Barum, Busch-Roland und Sar­ra­sani, deren Direk­to­ren Bern­hard Paul in Talk­shows wegen sei­nes Kon­zep­tes scharf kri­ti­sier­ten und ihm wenig Erfolg ver­spra­chen. Auch sie lagen mit ihrer Pro­gnose letzt­lich daneben.

Mit dem Pro­gramm „Die Reise zum Regen­bo­gen“ begann 1980 der tri­um­phale welt­weite Erfolg des poe­ti­schen Cir­cus, der ihn unter ande­rem nach New York und Mos­kau führte. Heute ist Ron­calli unbe­strit­ten ein Bran­chen­pri­mus, der zur Jubi­lä­ums­tour­nee in der Lan­des­haupt­stadt groß auf­fährt – im wahrs­ten Sinne des Wortes.

Auf 7.000 Qua­drat­me­tern ent­steht im Rhein­park eine eigene Zir­kus­welt mit zwei Zel­ten – einem Spiel­zelt und einer Clowns­bar, die in Form eines Karus­sells alle bekann­ten Clowns zei­gen wird –, einem Rie­sen­rad, Jahr­markts­bu­den sowie zahl­rei­chen bis zu 120 Jahre alten his­to­ri­schen Kir­mes­wa­gen. Gekrönt wird das Ganze von einer gro­ßen Aus­stel­lung über die 50-jäh­rige Ron­calli-Geschichte. Kurzum: eine Roncalli-Nostalgiewelt.

„Es wird alles auf die­ser Wiese ste­hen“, schwärmte Paul und über­schüt­tete Düs­sel­dorf mit einer Lobes­hymne: „Die Lebens­qua­li­tät, der Platz direkt am Rhein und die Mög­lich­keit, hier zu bauen, sind großartig.“

Nie um eine Ant­wort ver­le­gen, ließ sich der Groß­meis­ter der Mane­gen­poe­sie zum Pro­gramm vom 30. Mai bis zum 28. Juni 2026 wenig bis gar nichts ent­lo­cken. Ver­ständ­lich, denn soll­ten Künst­ler erkran­ken, wäre eine Ankün­di­gung obsolet.

Nur so viel ist bekannt: Clowns wer­den nicht feh­len, ebenso wenig akro­ba­ti­sche Ein­la­gen und Artis­tik sowie das Ron­calli Royal Orches­tra – keine Musik vom Band, keine AI-gene­rier­ten Musi­ker, son­dern echte Zirkusmusik.

Mon­tag und Diens­tag ist übri­gens spiel­frei. Ansons­ten tre­ten die Artis­ten und Künst­ler zwei­mal täg­lich um 15 Uhr und um 19.30 Uhr vors Publi­kum. Eine Aus­nahme bil­det der Sonn­tag: Dann begin­nen die Vor­stel­lun­gen um 11 Uhr und um 15 Uhr. Zwei Stun­den vor der Ver­an­stal­tung kann jeder­mann, jede Frau und jedes Kind die Nost­al­gie­welt bei freiem Ein­tritt besuchen.

Mehr Infos gibt’s auf Ron­calli.

Somit steht dem Jubi­lä­ums­auf­tritt in Düs­sel­dorf fast am Beginn der zwei­jäh­ri­gen Tour­nee nichts im Wege – bis auf die Beant­wor­tung einer Frage: Der Rhein­park ist „nur“ der schönste Platz in Deutsch­land. Kann es denn einen noch schö­ne­ren auf der Welt geben?

Ber­hard Paul mit sei­nen Töch­ter Vivian, Lili und Adrian © Lokalbüro