Wer am Sonntag einen Kaffee auf der Königsallee trinken möchte, sollte sich keine großen Hoffnungen machen – die berühmteste Straße Düsseldorfs ruht an Sonn- und Feiertagen zuverlässig.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Auf einer Kreidetafel vor einem Restaurant direkt an der Kö steht es schwarz auf schwarz – Öffnungszeiten montags bis samstags, Küche bis 21.30 Uhr, Frühstück ab 11 Uhr. Und ganz unten, mit Sternchen versehen: „Sonntags und an Feiertagen geschlossen.” Willkommen auf Düsseldorfs Prachtboulevard.
Dabei wäre der Gedanke eigentlich naheliegend: ein Abendessen im Freien an einem lauen Sommerabend, ein Glas Wein unter den Platanen der Kö, mit Blick auf den Stadtgraben und das Treiben der Flaneure. Doch auch wochentags sucht man eine gemütliche Außengastronomie auf der Königsallee weitgehend vergeblich – die Prachtstraße inszeniert sich als Einkaufsadresse, nicht als Ort zum Verweilen.
Während auf dem Kurfürstendamm, den Champs-Élysées oder der Fifth Avenue das Leben auch am Sonntag pulsiert, empfängt die Königsallee ihre Gäste an Sonn- und Feiertagen mit heruntergelassenen Rollläden und leeren Tischen. Tokio, Shanghai, New York, Paris, Berlin, Hamburg, Madrid, Rom, München – auf den großen Boulevards dieser Welt ist Sonntagsruhe ein unbekanntes Konzept. Düsseldorf hingegen leistet sich die Besonderheit, mit seiner weltweit beworbenen Vorzeigemeile im direkten Vergleich ganz hinten zu landen.
Besonders spürbar wird das, wenn Messe- und Feriengäste aus aller Welt am Sonntag einen Spaziergang über die berühmte Kö einplanen – und feststellen, dass ein einfacher Kaffee auf Düsseldorfs schönster Straße schlicht nicht vorgesehen ist. Einen Beweis, dass es auch anders geht, liefert unterdessen Richard Heinemann – nur wenige Meter von der Kö entfernt, auf der Bahnstraße. Die traditionsreiche Düsseldorfer Konditorei zeigt seit Jahren, wie Gastfreundschaft und Sonntagsöffnung problemlos zusammenpassen. Kaffee und Kuchen gibt es also durchaus – nur eben nicht dort, wo die Ansichtskarte es verspricht.
Die KÖ-Gemeinschaft und die Stadt dürfen diese Frage gerne einmal gemeinsam durchdenken: ob ein Kaffee, ein Abendessen oder ein Glas Wein im Freien auf der Kö nicht auch ein Stück echte Gastfreundschaft wäre – für Besucher aus aller Welt ebenso wie für die Düsseldorfer selbst. Solange das Schild mit dem Sternchen hängt, bleibt die Antwort jedenfalls eindeutig.



