
Andreas Rettig und Gianni Costa © Lokalbüro
Wenige Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA hat Andreas Rettig, Geschäftsführer Sport des Deutschen Fußball-Bundes, in Düsseldorf eine klare Botschaft ausgesandt: Der Bundestrainer hat das volle Vertrauen des Verbandes – und wer das öffentlich in Frage stellt, muss sich Widerspruch gefallen lassen.
Rettig war am Dienstagabend, 12. Mai 2026, Gast beim Heimatabend der Düsseldorfer Jonges im Henkel-Saal. Bereits vor der Veranstaltung hatte er sich in einem Pressegespräch den Fragen der anwesenden Medienvertreter gestellt und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Er sei „erstaunt” über die zuletzt immer schärfer gewordene Kritik von Uli Hoeneß an Bundestrainer Julian Nagelsmann und empfinde die Angriffe als „einfach unnötig”. Niemand vom DFB habe den Bayern-Ehrenpräsidenten gebeten, öffentlich ein Zwischenzeugnis für Nagelsmann abzugeben – und die Motivation dahinter erschließe sich ihm nicht.
Beim anschließenden Abend der Jonges, moderiert von Gianni Costa im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Jonges Couch”, legte Rettig nach. Mit einem „Spickzettel” bewaffnet ging er die Kritikpunkte Punkt für Punkt durch. Zu den Hoeneß-Aussagen sagte er unmissverständlich: „Ich finde, das gehört sich nicht. Das macht man nicht.” Gerade kurz vor einem großen Turnier seien öffentliche Debatten über den Bundestrainer schlicht nicht hilfreich.
Verletzungspech als Erklärung – und ein Seitenhieb in Richtung München
Den zentralen Vorwurf, die Nationalmannschaft sei einen Monat vor WM-Beginn noch immer nicht eingespielt, wies Rettig mit Zahlen zurück: Bei jedem der vergangenen sechs Länderspiele hätten mindestens acht Spieler verletzungsbedingt gefehlt, in der Spitze sogar zehn. „Das können wir nicht dem Trainer vorwerfen”, sagte er. Kämen die entscheidenden Spieler gesund durch die Vorbereitung, sei die deutsche Mannschaft „schwer zu schlagen”.
Mit einem Seitenhieb in Richtung des Bayern-Ehrenpräsidenten erinnerte Rettig daran, dass der FC Bayern für Nagelsmann einst rund 25 Millionen Euro Ablöse gezahlt hatte – und ihn nach seiner Entlassung sogar zurückholen wollte. „Das wissen wir, weil wir genau zu der Zeit mit Julian in Vertragsgesprächen waren”, so Rettig. „Das wird ja einen Grund haben.” Dass Nagelsmann nach einem Gespräch mit Hoeneß „leicht beleidigt” reagiert habe, wie der Bayern-Patron berichtet hatte, könne Rettig nicht nachvollziehen: In zweieinhalb Jahren DFB-Amtszeit sei Nagelsmann kein einziges Mal beleidigt gewesen. Und schnippisch fügte er hinzu: „Manchmal hängt es auch davon ab, wer der Absender ist.”
Fußball für alle – Kritik an der FIFA und ein Bekenntnis zur 50+1‑Regel
Neben den sportlichen Debatten nutzte Rettig den Abend für deutliche Worte zur zunehmenden Kommerzialisierung des internationalen Fußballs. Die horrenden Ticketpreise bei der WM in den USA – für alle Spiele bis ins mögliche Finale können leicht fünfstellige Summen fällig werden – bezeichnete er als eine Art „Gentrifizierung” des Fußballs. „Wenn sie solche Themen dem freien Markt überlassen, kommt genau das dabei raus”, sagte er. Scherzhaft fügte er hinzu, seine Frau und er rechneten gerade, ob das „ihre Haushaltslage hergibt” – um dann ernsthaft zu ergänzen: „Ich sehe das mit großer Sorge, das ist keine gute Entwicklung.”
Sozialverträgliche Ticketpreise seien kein Luxus, sondern Teil der deutschen Fußballkultur – eng verknüpft mit der 50+1‑Regel, für deren Erhalt sich auch Traditionsvereine wie Fortuna Düsseldorf einsetzten. Mit einem Augenzwinkern bekannte Rettig, einem Verein in der entscheidenden Abstiegsphase derzeit „etwas kräftiger die Daumen” zu drücken.
Darüber hinaus sprach der DFB-Funktionär über die WM-Vorbereitungen des Verbandes, die Entwicklung des Frauenfußballs und die Bedeutung von Glaubwürdigkeit im Verhältnis zwischen DFB, Mannschaft und Fans. „Wir dürfen die Menschen nicht verlieren”, sagte Rettig – und meinte damit den Fußball als gesellschaftlichen Identifikationspunkt weit über den Sport hinaus.
Voller Saal, lebhafte Diskussion
Der Heimatabend geriet zum echten Publikumserfolg. Timo Greinert, Vize-Baas der Düsseldorfer Jonges, zog ein rundum positives Fazit: „Die Stimmung im vollbesetzten Henkel-Saal war hervorragend, der Heimatabend wurde deutlich überzogen und die Gäste haben die offene Diskussion bis zum Schluss verfolgt. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Andreas Rettig einen der profiliertesten Fußballfunktionäre Deutschlands bei den Düsseldorfer Jonges begrüßen durften. Auch der lebendige Schlagabtausch mit Moderator Gianni Costa hat den Abend besonders gemacht.”

Jan Hallen, Andreas Rettig, Gianni Costa, Timo Greinert und David Mondt © Lokalbüro

