Eine neue Taschen­uhr sorgte am Sams­tag für Aus­nah­me­zu­stand in der Innen­stadt. Die Poli­zei musste mit meh­re­ren Mann­schafts­wa­gen anrücken.

Düs­sel­dorf · Es war kein Kon­zert, kein Fuß­ball­spiel — es war eine Uhr. Und den­noch cam­pier­ten am Don­ners­tag­abend die ers­ten Men­schen vor dem Swatch-Store am Scha­dow­platz, Schlaf­sack und Ther­mos­kanne im Gepäck. Am Sams­tag­mor­gen, als der Laden hätte öff­nen sol­len, stan­den Hun­derte in der Schlange. Die Poli­zei rückte mit vier Mann­schafts­wa­gen an.

Aus­lö­ser des Aus­nah­me­zu­stands ist die „Royal Pop” — eine Koope­ra­tion zwi­schen dem Schwei­zer Mas­sen­uhr­ma­cher Swatch und Aude­mars Piguet, einem der ange­se­hens­ten und unab­hän­gigs­ten Häu­ser der Bran­che. AP gilt als Teil der soge­nann­ten „Holy Tri­nity” — jener drei Manu­fak­tu­ren, denen die Uhren­bran­che das höchste Pres­tige zuspricht: Aude­mars Piguet, Patek Phil­ippe und Rolex. Ein­stiegs­mo­delle aus dem Schwei­zer Stamm­haus in Le Bras­sus kos­ten schnell fünf­stel­lig, Kom­pli­ka­tio­nen gehen in die Hun­dert­tau­sende. Dass die­ses Haus nun mit Swatch zusam­men­ar­bei­tet, ist in der Szene ein hand­fes­ter Tabu­bruch — und genau das scheint den Reiz auszumachen.

Eine Taschen­uhr als Provokation

Das Pro­dukt selbst ist eine Über­ra­schung: keine Arm­band­uhr, son­dern eine Taschen­uhr. Swatch bezeich­net sie als Aus­druck von „Kühn­heit” und „posi­ti­ver Pro­vo­ka­tion” — und spielt damit auf die eigene Geschichte an. In den 1980er Jah­ren brachte die Marke die POP-Linie her­aus, damals modu­lar, bunt, trag­bar an Hand­ge­lenk, Jacke oder Schlüs­sel­bund. Diese Idee greift die Royal Pop auf, nun mit acht Farb­va­ri­an­ten in Bio­ce­ra­mic — dem von Swatch paten­tier­ten Ver­bund­ma­te­rial — und mecha­ni­schem Handaufzugswerk.

Zwei Vari­an­ten ste­hen zur Wahl: die schlich­tere für 385 Euro, die zweite mit klei­ner Sekunde für 400 Euro. Far­ben gibt es von leuch­ten­dem Rot-Rosa über klas­si­sches Schwarz-Weiß bis zu einer Kom­bi­na­tion aus Pink, Gelb und Tür­kis. Getra­gen wird die Uhr am Lan­yard — einem Leder­band, das um den Hals gehängt, in die Tasche gesteckt oder an einer Tasche befes­tigt wer­den kann.

Stim­mung kippt, Poli­zei greift ein

Am Scha­dow­platz lief nicht alles glatt. Das Geschäft öff­nete mit Ver­spä­tung erst gegen 10:30 Uhr, die Stim­mung in der War­te­schlange war zeit­weise aggres­siv. Als durch­si­ckerte, dass ledig­lich 60 Exem­plare vor­rä­tig waren, kippte die Lage end­gül­tig. Sicher­heits­kräfte und die Poli­zei muss­ten ein­grei­fen. Wer trotz­dem eine ergat­terte, konnte sich über einen mög­li­chen Schnell­ge­winn freuen: Noch am sel­ben Mor­gen tauch­ten erste Uhren auf Ebay zu vier­stel­li­gen Prei­sen auf. Auf inter­na­tio­na­len Platt­for­men wur­den schon vor dem offi­zi­el­len Ver­kaufs­start Preise von bis zu 4.000 Fran­ken auf­ge­ru­fen — das Zehn­fa­che des Ladenpreises.

Düs­sel­dorf war kein Ein­zel­fall. Welt­weit kam es zu ähn­li­chen Sze­nen. In Dubai wurde der Ver­kauf abge­bro­chen, weil sich mit­ten in der Nacht unkon­trol­lier­bare Men­schen­mas­sen in den Ein­kaufs­zen­tren gebil­det hat­ten. In Zürich war das gesamte Kon­tin­gent in weni­gen Minu­ten vergriffen.

Ein Kau­fli­mit, das wenig hilft

Swatch begrenzt den Kauf auf eine Uhr pro Per­son, pro Tag und pro Filiale. Einen Onlin­ever­kauf gibt es zum Launch nicht. Wer leer aus­ging, kann theo­re­tisch wie­der­kom­men — wann Nach­schub ein­trifft, hat das Unter­neh­men bis­lang nicht kommuniziert.

Was bleibt, ist das Bild vom Scha­dow­platz: Düs­sel­dor­fer, die eine Nacht im Freien ver­brin­gen, um für knapp 400 Euro eine Taschen­uhr zu kau­fen. Ob das der Beginn eines neuen Kult­ob­jekts ist oder ein Hype, der so schnell ver­geht wie er kam — das wird die Zeit zei­gen. Im wört­lichs­ten Sinne.

 

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