
Ferdi Wolff aus Angermund mit seinen Töchtern Veronika und Barbara. Foto: privat
Von Gabriele Schreckenberg
Kuchen aß Ferdi Wolff gerne, aber bitte mit Sahne.
Das ist für einen Bäckermeister nicht ungewöhnlich. Viel ungewöhnlicher ist, was Ferdi alles für Angermund getan hat. Dass das 1954 geborene Angermunder Urgestein nie woanders gelebt hat als in der Rosenstadt, wissen alle, die ihn kannten. Ferdi stammte aus einer Bäckersfamilie, die in Angermund tief verwurzelt ist.
Tochter Veronika sagt: „Es geht schneller aufzuzählen, wer meinen Papa nicht gekannt hat, als umgekehrt!“ Ferdinand Wolff, von allen kurz „Ferdi“ genannt, war der Mann für alle Fälle. „Ruf kurz Ferdi an“, war das geflügelte Wort, wenn Menschen Hilfe brauchten. Ferdi rief immer zurück und war immer zur Stelle. Nach kurzer Zeit hatte er eine Männertruppe beisammen, die ausrückte und half. So ging das in Angermund.
Kein Fest ohne Ferdi
Und wenn wir hier schreiben „immer“, dann meinen wir das auch so. Ob das Aufstellen des Maibaums oder des Weihnachtsbaums auf dem Kreisverkehr an der Lintorfer Straße/Graf-Engelbert-Straße – Ferdi sorgte für alles und alle. Er war federführend bei zahlreichen Aktionen und Festen in Angermund: beim Nikolausmarkt, Oktoberfest, Hofverkauf auf dem Mühlenhof, der 825-Jahr-Feier auf der Graf-Engelbert-Straße, dem Fest von Kreisverkehr zu Kreisverkehr oder dem Weinfest. Ohne Ferdi ging nichts.
Dass der verheiratete Vater von zwei Töchtern und Großvater von zwei Enkeln ein großer Kinderfreund war, ist bekannt. Die Backstube für die Weihnachtsbäckerei auf dem Nikolausmarkt war ebenso beliebt wie seine Besuche in den Angermunder Kitas, wo er den Kindern zeigte, wie Brot gebacken wird. Sein Neffe Ferdinand Kaufmann erinnert sich: „Ferdi war unser Bonus-Papa. Mit meinen drei Brüdern und mir hat er oft etwas unternommen. Wir hatten immer einen Riesenspaß!“
Federführend in vielen Vereinen
Das Vereinsleben in Angermund hat Ferdi geprägt wie kaum ein anderer. Er war bei der St.-Sebastianus-Bruderschaft aktiv und gehörte zu den Pinguinen. Die Gründung dieser Gruppe geht auf seine Initiative zurück. Ferdi engagierte sich bei den Karnevalisten der Elf Pille KG. Er war Mitglied im Reitercorps Angermund (RCA), obwohl er gar nicht reiten konnte – einfach, um den Verein zu unterstützen. Ebenso war er im Vorstand des Turnvereins Angermund (TVA) tätig. Viele Jahre gehörte er dem Vorstand von Handwerk & Handel an und übernahm nach dem Ausscheiden von Andrea Lindenlaub den Vorsitz. Natürlich war Ferdi auch Mitglied im Angermunder Kulturkreis (AKK).
„Mein Papa war vor allem ein sozialer Mensch“, betont Veronika. Inklusion in seinem Betrieb war für ihn ein Thema, lange bevor es gesellschaftlich selbstverständlich wurde. Schnell, herzlich und unbürokratisch half Ferdi allen, die Unterstützung brauchten – ohne großes Aufhebens und ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Die Nachtwächter-Touren mit Hans-Georg Hillenbrand führte Ferdi viele Jahre lang im historischen Kostüm durch. Die Teilnehmer waren stets begeistert von seinem Wissen über die Geschichte Angermunds. „Das war sein großes Steckenpferd. Dazu kamen sein exzellentes Gedächtnis und seine große Liebe zu seiner Heimat Angermund“, fügt Veronika hinzu.
Familienmensch durch und durch
Die Graf-Engelbert-Straße war sein Zuhause. Seine Familie – Kinder, Enkel, Ehefrau Birgit sowie seine Schwester mit Ehemann und Kindern – lebt bis heute in seiner unmittelbaren Nähe. Unverwechselbar war auch sein Erscheinungsbild: die Halbbrille auf der Nase, sein lautes und herzliches Lachen und manchmal Flecken auf dem Hemd oder Shirt, weil er stets irgendwo im Einsatz war. Ferdi war eine rheinische Frohnatur – gesprächig, kontaktfreudig, zupackend und lebensbejahend. Zum Frühschwimmen fuhr er jeden Morgen um sieben Uhr nach Lintorf, gemeinsam mit einer Freundesgruppe und einem „wunderschönen guten Morgen“ auf den Lippen.
Nun ist Ferdi am 16. Juni nach kurzer Krankheit gestorben. Ferdi hinterlässt keine Lücke, sondern ein großes Loch. Ein Mensch mit Ecken und Kanten, der das Leben in Angermund über Jahrzehnte geprägt hat und dessen Engagement weit über Vereinsgrenzen hinauswirkte.
Anstelle von Blumen und Kränzen wünscht sich die Familie eine Spende an Handwerk & Handel.
IBAN: DE89 3005 0110 0078 0131 90

