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Oberkassel: Wie aus Ackerland Düsseldorfs schönstes Villenviertel wurde

Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege hat diese saisonale Stadtansicht Rheinkirmes und Ortsbild Oberkassel zum Anlass genommen, den Denkmalbereich Oberkassel als Düsseldorfs Denkmal des Monats Juli 2026 vorzustellen. © Landeshauptstadt Düsseldorf/Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege

Das Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege hat diese sai­so­nale Stadt­an­sicht Rhein­kir­mes und Orts­bild Ober­kas­sel zum Anlass genom­men, den Denk­mal­be­reich Ober­kas­sel als Düs­sel­dorfs Denk­mal des Monats Juli 2026 vor­zu­stel­len. © Lan­des­haupt­stadt Düsseldorf/Institut für Denk­mal­schutz und Denkmalpflege

 

Wer in die­sen Tagen zur Rhein­kir­mes auf die Ober­kas­se­ler Rhein­wie­sen strömt, läuft unwei­ger­lich an einem stil­len Zeu­gen Düs­sel­dor­fer Stadt­ge­schichte vor­bei. Zwi­schen Fahr­ge­schäf­ten und Los­bu­den blit­zen an der Rhein­front immer wie­der his­to­ri­sche Fas­sa­den her­vor – Reste eines städ­te­bau­li­chen Meis­ter­werks, das in die­sem Jahr auf 125 Jahre Kir­mes­ge­schichte am lin­ken Rhein­ufer zurück­blickt. Das Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege hat den Denk­mal­be­reich Ober­kas­sel des­halb zu Düs­sel­dorfs Denk­mal des Monats Juli 2026 gekürt.

Die Rhein­kir­mes selbst geht auf das Vogel­schie­ßen zu Ehren des Kirch­weih­fes­tes von St. Lam­ber­tus und des Stadt­pa­trons St. Apol­li­na­ris zurück und fand 1901 erst­mals links­rhei­nisch statt. Damit ist sie fast so alt wie der Stadt­teil, durch den die Besu­cher heute zum Fest­ge­lände strömen.

Platz­not rechts des Rheins als Ausgangspunkt

Ober­kas­sel ent­stand Ende des 19. Jahr­hun­derts auf eins­ti­gen Acker­flä­chen der Bür­ger­meis­te­rei Heerdt. Der Grund für die Erschlie­ßung war sim­pel: Düs­sel­dorf wuchs im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung rasant zur Groß­stadt heran, doch rechts­rhei­nisch fehl­ten in Innen­stadt­nähe schlicht die Grund­stü­cke für anspruchs­vol­len Woh­nungs­bau. Erst der Bau der Ober­kas­se­ler Brü­cke und die Anbin­dung durch den Ober­kas­se­ler Bahn­hof am heu­ti­gen Bel­sen­platz mach­ten aus dem beschau­li­chen Dorf eine gut erreich­bare Vor­stadt. Die eigens 1896 gegrün­dete Rhei­ni­sche Bahn­ge­sell­schaft, aus der spä­ter die Rhein­bahn her­vor­ging, trieb den Brü­cken­bau voran – bereits im Novem­ber 1898 rollte auf der ers­ten Ober­kas­se­ler Brü­cke der Verkehr.

Ring­stra­ßen, Plätze und ein male­ri­sches Gesamtbild

Die Bahn­ge­sell­schaft kaufte und ver­kaufte im gro­ßen Stil Grund­stü­cke am Rhein­knie und legte damit den Grund­stein für die zügige städ­te­bau­li­che Ent­wick­lung. Die Pla­nung nahm Rück­sicht auf die vor­han­dene dörf­li­che Bebau­ung und den Schwung der Rhein­bie­gung, den sie in Ring­stra­ßen auf­griff. Von der Lue­g­al­lee als Haupt­achse in Ver­län­ge­rung der Brü­cke zweig­ten strah­len­för­mig neue Stra­ßen ab und glie­der­ten das Gebiet in Bau­blö­cke. Kreu­zun­gen wur­den gezielt als Plätze insze­niert, etwa am Lueg- oder am Bar­ba­ros­sa­platz, aber auch klei­nere Stra­ßen­schnitt­punkte erhiel­ten auf diese Weise einen eige­nen räum­li­chen Charakter.

Mög­lich wurde die dichte, groß­zü­gige Bebau­ung durch eine Bau­ord­nung von 1898, die für das Gebiet unge­wöhn­lich hohe Bau­dich­ten erlaubte und dabei nach Zonen gestaf­felt war. An der Lue­g­al­lee und direkt an der Rhein­front durf­ten Häu­ser bis zu 20 Meter hoch wer­den, an den Stra­ßen hin­ter der süd­li­chen Rhein­front bis zu 15 Meter – dort war eine geschlos­sene, städ­ti­sche Bau­weise mit aus­ge­bau­ten Dächern und Kel­lern erlaubt. Hin­ter der nörd­li­chen Rhein­front setzte man dage­gen auf eine nied­ri­gere, offene Bebau­ung, wie sie im übri­gen Land­kreis üblich war. Kir­chen, Schu­len, Vor­gär­ten und rück­wär­tige Gär­ten run­de­ten das Gesamt­kon­zept ab.

Beson­de­ren Wert leg­ten die Pla­ner auf das Erschei­nungs­bild der Fas­sa­den: Ange­strebt wurde eine “male­ri­sche Gesamt­wir­kung”, bei der jedes ein­zelne Gebäude den­noch mög­lichst indi­vi­du­ell wir­ken sollte. So ent­stand ein facet­ten­rei­ches, in Mate­rial und Form abwechs­lungs­rei­ches Stra­ßen­bild im Stil von His­to­ris­mus und Jugend­stil, das das Quar­tier bis heute prägt. Nam­hafte Archi­tek­ten wie Her­mann vom Endt, Gus­tav Uter­mann und Theo­dor Bal­zer präg­ten mit ihren Wohn­häu­sern das Bild Ober­kas­sels – etli­che davon ste­hen inzwi­schen als Ein­zel­denk­mä­ler unter Schutz.

Die städ­te­bau­li­che Grund­idee stammt maß­geb­lich von Her­mann Josef Stüb­ben, einem inter­na­tio­nal renom­mier­ten Stadt­pla­ner, der als Weg­be­rei­ter des moder­nen Städ­te­baus gilt. Als Ober­kas­sel 1909 nach Düs­sel­dorf ein­ge­mein­det wurde, war die Rhein­front bereits voll­stän­dig bebaut, bis zum Ers­ten Welt­krieg füllte sich auch der Rest des neuen Stadtteils.

Sat­zung schützt das Orts­bild seit fast 35 Jahren

Um die male­ri­sche Wir­kung Ober­kas­sels dau­er­haft zu bewah­ren, beschloss der Rat der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf vor knapp 35 Jah­ren eine Denk­mal­be­reichs­sat­zung. Sie ergänzt den Schutz ein­zel­ner Häu­ser um den Schutz des gesam­ten Orts­bil­des und der städ­te­bau­li­chen Struk­tur. Seit­her müs­sen Ver­än­de­run­gen am äuße­ren Erschei­nungs­bild im Denk­mal­be­reich vorab mit dem Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege abge­stimmt wer­den. Vor­aus­set­zung für den Erlass der Sat­zung waren gewich­tige Gründe im Sinne des Denk­mal­schutz­ge­set­zes – und die lagen auf der Hand: Das nach Stüb­bens Kon­zep­tion ange­legte Gebiet gilt als ein­zig­ar­ti­ges Werk der Stadt­bau­kunst der Jahr­hun­dert­wende, das in sei­ner sti­lis­ti­schen Viel­falt und Geschlos­sen­heit im gesam­ten Düs­sel­dor­fer Stadt­ge­biet ohne Ver­gleich ist. Der Stadt­rat bezeich­nete die Erhal­tung des Quar­tiers sei­ner­zeit als “kul­tu­relle Ver­pflich­tung wie städ­te­bau­li­ches Anlie­gen”. Wer heute durch die Stra­ßen Ober­kas­sels schlen­dert, kann sich von der Qua­li­tät die­ser rund 130 Jahre alten Stadt­pla­nung noch immer selbst überzeugen.

Hin­ter­grund

Das Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege im Düs­sel­dor­fer Bau­auf­sichts­amt stellt ange­sichts des gro­ßen öffent­li­chen Inter­es­ses an der Stadt­ge­schichte monat­lich ein Stück gebau­tes Erbe als “Düs­sel­dorfs Denk­mal des Monats” vor.

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