
Taufe der Lok ‚Zippo‘ mit Roncalli-Gründer Direktor Bernhard Paul und Mona Neubaur ‑Ministerin für Wirtschaft — am Kölner Hauptbahnhof © Patric Fouad
Es war ein besonderer Moment auf Gleis 1 des Kölner Hauptbahnhofs: Direkt vor den Türmen des Doms wurde am Mittwoch um 12.03 Uhr die Elektrolokomotive 185 537 auf den Namen „Zippo“ getauft. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Roncalli-Gründer Bernhard Paul nahmen die Taufe gemeinsam vor. Die Lok trägt das Konterfei der Clownfigur Zippo, mit der Paul über Jahrzehnte in der Manege für Furore sorgte.
Das aufwendig gestaltete Fahrzeug ist ein Geschenk des Logistikunternehmens RailBavaria zum Jubiläum und soll künftig, wo möglich mit Ökostrom betrieben, die komplette Circusstadt von Roncalli durch Europa ziehen. Damit setzt der Circus ein Zeichen dafür, dass sich Tradition und klimafreundliche Mobilität nicht ausschließen müssen.
Während längst die meisten reisenden Circusunternehmen ihre Zelte per Lastwagen transportieren, hält Roncalli an einer Besonderheit fest: Der Circus reist nach wie vor mit einem eigenen Sonderzug von Stadt zu Stadt – als vermutlich letztes Unternehmen dieser Art weltweit. Bis weit ins 20. Jahrhundert war das Reisen mit der Eisenbahn unter großen Circusunternehmen üblich, verschwand dann aber mit dem Ausbau des Straßennetzes fast vollständig. Bei Roncalli blieb die Bahn – nicht aus reiner Nostalgie, sondern als fester Bestandteil der Firmenphilosophie.
Die rund 80 historischen Circuswagen aus der Sammlung von Bernhard Paul sind dabei weit mehr als Dekoration. Viele wurden in eigenen Werkstätten aufwendig restauriert und dienen bis heute als Wohn‑, Arbeits- und Materialwagen. Im Zug findet sich alles, was die gut hundert Artistinnen, Artisten und Mitarbeitenden für Vorstellungen und Alltag benötigen – vom himmelblau-weißen Chapiteau über Requisiten und Technik bis zur Clownsgarderobe und dem Café des Artistes. Bis zu 1.100 Meter lang ist der Sonderzug, der etwa 1.800 Tonnen Ladung transportiert.
Vor genau fünfzig Jahren begann in Nordrhein-Westfalen die Geschichte von Roncalli. Der gebürtige Österreicher Bernhard Paul setzte seinen Traum vom „schönsten Circus der Welt“ gegen zahlreiche Widerstände durch. Die Mischung aus nostalgischer Atmosphäre, moderner Spitzenartistik und humorvoller Inszenierung prägt die Roncalli-Welt bis heute. Bereits 1986 reiste der Circus als erster deutscher Circus und Kulturbotschafter des Landes NRW mit dem Zug zu einem Gastspiel nach Moskau.
Ministerin Neubaur würdigte bei der Taufe die Lebensleistung des Circusgründers und betonte, wie sehr sein Werk Menschen bis heute begeistere. Auch für Bernhard Paul selbst ging an diesem Tag ein persönlicher Wunsch in Erfüllung: Der Modellbauhersteller Märklin überreichte ihm anlässlich der Taufe das erste Handmuster der „Zippo“-Lok im Miniaturformat.
Zur Jungfernfahrt waren zahlreiche Ehrengäste geladen, die im historischen Panoramawagen des Freundeskreises Eisenbahn Köln e. V. mitfahren konnten. Nach einer Ehrenrunde um den Kölner Dom machte sich der Sonderzug auf den Weg gen Süden. Damit beginnt für den Kulturbotschafter des Landes NRW eine zweijährige Jubiläumstournee, die zunächst nach Ludwigsburg, Wien, Innsbruck und Linz führt.
Technische Daten der Elektrolokomotive 185 537 „Zippo“: Hersteller Bombardier, Baujahr 2004, Dauerleistung 5.600 kW (rund 7.614 PS), Höchstgeschwindigkeit 140 km/h, Anfahrzugkraft 300 kN, Dienstgewicht 84 Tonnen.