Drohnenschau zur Rheinkirmes © LB / Olaf Oidtmann

Von Man­fred Fammler

„Es war das Beste, was die Rhein­wie­sen jemals gese­hen haben.“ Schüt­zen­chef Andreas-Paul Stie­ber freute sich über­schwäng­lich über den gelun­ge­nen zwei­ten Droh­nen­show­a­bend mit anschlie­ßen­dem Feu­er­werk. Damit stand er nicht allein. Auch Jan Ising, Crea­tive Direc­tor von AO Dro­nes, war die Erleich­te­rung über das gelun­gene Finale deut­lich anzumerken.

Dafür gab es einen ein­fa­chen Grund: Wurde die „Art in the Sky“-Galerie in der Nacht zu Diens­tag, also vor der offi­zi­el­len Pre­miere, noch als Test­flug durch­ge­führt, wurde die zweite Show mit den Düs­sel­dorf-Moti­ven prak­tisch „kalt“ gestar­tet. Kein Real­test, son­dern ledig­lich eine Com­pu­ter­ani­ma­tion ging die­sem Auf­tritt vor­aus. Dies­mal schal­tete sich keine Drohne ab und flog aus Sicher­heits­grün­den zum Start­platz zurück, son­dern alle blie­ben bis zum letz­ten Bild in Formation.

Apro­pos For­ma­tion: Die Vor­be­rei­tung einer Droh­nen­show mit bis zu 1.000 Flug­ob­jek­ten erfor­dert viel Hand­ar­beit. Jede Drohne wird von Hand auf einen vor­de­fi­nier­ten Punkt gestellt, aus­ge­rich­tet und auf ihre indi­vi­du­elle Flug­bahn pro­gram­miert. Diese Route ist exakt fest­ge­legt. Sind alle Droh­nen in ihrer Start­for­ma­tion posi­tio­niert, wer­den die Bat­te­rien ver­teilt – ein Vor­gang, der an die Aus­saat auf einem Feld erin­nert. Zehn Mit­ar­bei­ter erle­dig­ten diese Auf­gabe für rund 1.000 Droh­nen. Das lag nicht nur an der Größe des Gelän­des, son­dern auch an den Per­so­nal­kos­ten. Ising erklärt: „In Asien sind diese deut­lich güns­ti­ger, wes­halb wir dort mehr Droh­nen gleich­zei­tig star­ten las­sen kön­nen.“ Sobald die Droh­nen jedoch ihr Start­si­gnal erhal­ten, „kön­nen wir unse­ren Lap­top schlie­ßen“, so Ising.

Gegen 22.20 Uhr erhiel­ten die Droh­nen ihr „Ready for Take-off“, stie­gen auf eine Höhe von rund 200 bis 300 Metern und eröff­ne­ten die Bild­folge mit Düs­sel­dor­fer Moti­ven: zwei Medu­sen, die an den Aqua­zoo erin­ner­ten. Es folg­ten die Logos der bekann­tes­ten Düs­sel­dor­fer Ver­eine, der Schrift­zug FORTUNA, der Rhein­turm sowie die Sky­line der Alt­stadt vom links­rhei­ni­schen Ufer aus betrach­tet. Beson­ders beein­dru­ckend waren die Umrisse der Ton­halle, die sich auf einer Breite von rund 200 Metern über den Nacht­him­mel erstreckten.

Bedau­er­lich war ledig­lich, dass nicht alle Motive aus jeder Zuschau­er­per­spek­tive glei­cher­ma­ßen gut zu erken­nen waren. Das lag an der Tech­nik und den begrenz­ten Mög­lich­kei­ten, sodass man­che Besu­cher auf den Brü­cken nur eine schmale Sei­ten­an­sicht sahen. „Auch das wird sich ändern“, ver­sprach Marco Nie­der­meier von AO Mul­ti­me­dia & Drones.

Wer also nicht alle Per­spek­ti­ven sei­ner Hei­mat­stadt voll­stän­dig erle­ben konnte, wurde durch das anschlie­ßende Feu­er­werk ent­schä­digt. „So schön wie seit Jah­ren nicht mehr“ lau­tete die ein­hel­lige Mei­nung vie­ler Besu­cher. Lag es viel­leicht daran, dass nach dem Unfall im ver­gan­ge­nen Jahr das Kon­zept geän­dert wer­den musste?

Zur Sicher­heit wur­den erst­mals Con­tai­ner gegen Quer­schlä­ger auf­ge­stellt, aus denen die Rake­ten abge­schos­sen wur­den. Dadurch musste die Posi­tion der Abschuss­stel­len ver­än­dert wer­den, erklärte Mar­tin Schmitz von Nico-Feu­er­werk: „Wo wir frü­her einen Fächer in der Mitte gemacht haben, schie­ßen wir nun von zwei oder drei ver­schie­de­nen Posi­tio­nen gerade nach oben, sodass das Bild am Him­mel wie­der schön ist.“

Das sei eine neue Erfah­rung, da das Unter­neh­men noch nie aus Mul­den­con­tai­nern Bil­der in den Him­mel geschos­sen habe. „Wir ken­nen das zwar von Schif­fen, wenn wir aus dem Fracht­raum her­aus­schie­ßen. Aber ein Feu­er­werk aus Metall­mul­den ist für uns auch neu.“ Die Her­aus­for­de­rung dabei: Die Steue­rungs­ka­bel müss­ten sau­ber über die hohen Con­tainer­wände ver­legt wer­den, da die Türen wäh­rend des Feu­er­werks geschlos­sen wür­den und ein Nach­jus­tie­ren unmög­lich sei. Viel­leicht war gerade die­ses neue Sicher­heits­kon­zept, kom­bi­niert mit den ver­än­der­ten Abschuss­po­si­tio­nen, ein Grund für den gro­ßen Zuspruch des dies­jäh­ri­gen Feuerwerks.

Zurück zu den 1.000 leuch­ten­den Punk­ten am Him­mel. AO Dro­nes hatte bereits im Vor­feld ange­kün­digt, bei „Art in the Sky“ ver­stärkt mit zeit­ge­nös­si­schen Künst­lern zusam­men­ar­bei­ten zu wol­len. Ein zeit­ge­nös­si­scher Düs­sel­dor­fer Künst­ler, der selbst in Russ­land gefürch­tet wird, ist Jac­ques Tilly. Könnte sich der Düs­sel­dor­fer einen sei­ner Mot­to­wa­gen als Teil einer Show vor­stel­len? Eher nicht. „Wer will schon Putin oder Trump hier oben am Him­mel sehen?“ Sein Hop­pe­ditz hin­ge­gen wäre durch­aus geeig­net. „Mit sei­ner rie­si­gen Nase und sei­nem mar­kan­ten Gesicht wäre das eine schöne Idee.“ Der Kar­ne­val biete reich­lich opti­schen Stoff, um dar­aus eine ein­drucks­volle Droh­nen­show zu gestal­ten und für das Win­ter­brauch­tum zu wer­ben. „Das wäre schon schön.“

„Die Kom­bi­na­tion aus Droh­nen­show, Feu­er­werk und durch­gän­gi­ger Begleit­mu­sik war ein­ma­lig“, schwärmte Schüt­zen­chef Andreas-Paul Stie­ber noch lange nach dem Ende die­ser beson­de­ren Pre­miere. Die­ser Abend wird noch lange nach­hal­len und viel­leicht neue Maß­stäbe für künf­tige Ver­an­stal­tun­gen setzen.