
Reekie, die Olympia-Vierte von Tokio, machte um 13.15 Uhr die Kö zur schnellsten Straße Europa © LB / Olaf Oidtmann
Die Königsallee hat sich am Sonntag einmal mehr in die schnellste Meile Europas verwandelt. Bei der fünften Auflage der New Balance KÖ MEILE gingen fast 5000 Läuferinnen und Läufer an den Start – so viele wie nie zuvor. Und auch sportlich setzte die Veranstaltung neue Maßstäbe: Die Britin Jemma Reekie lief die Straßenmeile in 4:23,25 Minuten und stellte damit einen neuen Europarekord auf. Zwei Wochen vor der Straßenlauf-WM in Kopenhagen nutzten die internationalen Spitzenläuferinnen und ‑läufer die Kö offenkundig als Härtetest – mit Erfolg, wie die Rekordflut zeigte.
Reekie dominiert Elite-Rennen der Frauen
Die Olympia-Vierte von Tokio hatte allen Grund zur Freude. Reekie gewann die Elite-Meile der Frauen mit fast drei Sekunden Vorsprung vor den beiden US-Amerikanerinnen Gracie Hyde (4:26,10) und Gracie Morris (4:27,34) und verbesserte nebenbei auch den Streckenrekord. „Es bedeutet mir so viel. Es war fantastisch. Ich habe die Strecke genossen. Ich werde definitiv zurückkommen, wenn es in meinen Rennkalender passt. Die Atmosphäre war großartig”, sagte die 28-Jährige nach ihrem Lauf.
Auch im deutschsprachigen Feld gab es Grund zum Jubeln: Verena Meisl wurde als Sechste in 4:33,44 Minuten beste Deutsche und stellte damit eine deutsche Bestleistung über die Straßenmeile auf. Vera Bertemes-Hoffmann verbesserte als Neunte ihren eigenen Luxemburger Rekord, und die Österreicherin Katharina Pesendorfer holte sich als 13. ihren nationalen Rekord zurück.
Weltrekord bleibt bei den Männern knapp bestehen
Bei den Männern wurde es ebenfalls eng: Marco Langon gewann die Elite-Meile in 3:52,83 Minuten und verpasste damit den Weltrekord von Elliot Giles, der vor zwei Jahren auf der Kö aufgestellt worden war, nur um anderthalb Sekunden. Der US-Amerikaner setzte sich gegen die Australier Adam Spencer (3:53,83) und Jude Thomas (3:54,12) durch. Weiter hinten im Feld fielen zwei weitere nationale Rekorde: Arturs Medveds lief lettische Bestzeit, Dmytrii Nikolaychuk ukrainische.
Premiere über 5 Kilometer endet im Herzschlagfinale
Erstmals wurden auf der Kö auch Elite-Rennen über 5 Kilometer ausgetragen – und die Premiere hielt gleich das knappste Finale bereit, das bei einem Elite-Rennen auf der Königsallee bislang gemessen wurde. Moh Ahmed, Olympia-Zweiter von Tokio über 5000 Meter, gewann nach dreieinhalb Runden um den Kö-Graben in 13:14,85 Minuten und stellte damit kanadische Bestzeit auf. Nur sieben Hundertstel trennten ihn vom Äthiopier Abdisa Fayisa (13:14,92). Dritter wurde der US-Amerikaner Abdihamid Nur (13:16,41). Bei den Frauen siegte Celestine Jekosgei Biwot aus Kenia in 15:17,25 Minuten vor Elise Stearns aus den USA und der Britin Eloise Walker.
Rasantes Wachstum seit der ersten Auflage
Was 2022 mit rund 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern begann, hat sich in diesem Jahr erneut deutlich gesteigert. Fast 5000 Läuferinnen und Läufer gingen bei der New Balance KÖ MEILE an den Start, die Bestmarke von knapp 4000 aus dem Vorjahr hielt damit keine zwölf Monate. Insgesamt 14 Startschüsse fielen zwischen dem Bambinilauf am Morgen und dem letzten KÖ-5er am Nachmittag, dazwischen liefen Schülerinnen und Schüler sowie Teilnehmer der Jedermann-Meile. Für die Veranstalter dürfte die Entwicklung ein Signal sein: Was vor vier Jahren als überschaubares Format startete, hat sich zu einem der größten Laufevents in der Innenstadt entwickelt.
Veranstalter und Gründer Maximilian Thorwirth zeigte sich begeistert: „Das war ein Tag, wie wir ihn uns erträumt haben: Fast 5000 Menschen auf der Kö, Weltklasse-Sport, dazwischen Bambinis und Schulklassen – und eine Stimmung, die durch die ganze Stadt getragen hat. Ich bin unfassbar stolz auf unser Team, das dieses Wachstum Jahr für Jahr möglich macht.”
Nachwuchs und Schulen im Mittelpunkt
Der Vormittag gehörte traditionell dem Nachwuchs: Rund 1650 Bambinis, Grundschulkinder und Jugendliche bis 20 Jahre kamen in den Kinder- und Schülerläufen ins Ziel – ein neuer Rekord. In der Schulwertung „Düsseldorfs Schnellste Schule” teilten sich zwei Grundschulen die Titel: Die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule siegte bei den ersten und zweiten Klassen vor der KGS Niederkassel, bei den dritten und vierten Klassen war es umgekehrt. Bei den weiterführenden Schulen gewann das Humboldt-Gymnasium die Wertung der U12 und U14 vor dem Comenius-Gymnasium, in der Altersklasse U16/U18 setzte sich das Goethe-Gymnasium durch.
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller überreichte die Pokale bei der Siegerehrung und hatte auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft über die Schulwertung übernommen. Hindernis-Europameister Frederik Ruppert, der zuvor als Pacemaker im Elite-Fünfer der Männer im Einsatz gewesen war, gab im Anschluss eine Autogrammstunde und übernahm ebenfalls einige Ehrungen.
Inklusionslauf als emotionaler Höhepunkt
Um 13.30 Uhr startete der REHACARE Inklusionslauf mit 185 Athletinnen und Athleten mit und ohne Handicap. Erstmals war in diesem Jahr auch die Blindenfußballmannschaft von Fortuna Düsseldorf mit zehn Aktiven und zehn Begleitläufern dabei. Der traditionell zwischen die beiden Elite-Meilen gesetzte Lauf zählte auch diesmal zu den bewegendsten Momenten des Tages – ein Kontrastprogramm zu den Rekordzeiten der Weltklasseathleten, das zeigt, wie breit das Feld der KÖ MEILE mittlerweile aufgestellt ist.
In den Cheerzones sorgten DJ-Beats, Konfetti und selbst gemalte Plakate für Stimmung. Im Ziel warteten Donuts und die Finisher-Medaille in Herzform, versehen mit dem Motto des Tages: „Alles aus Laufliebe”.
Alle Ergebnisse des Rennens finden sich unter diekoemeile.de/ergebnisliste.