
Setzten gemeinsam das Nachhaltigkeitskonzept auf der „Trink aus! Wir müssen gehen“-Tour 2026 um: Die Toten Hosen, Kiki Ressler (Tourneeveranstalter KKT), Melissa Lorz (Produktionsleitung KKT), Jule Kauert (Impact- und Nachhaltigkeitsstrategie Loft Concerts) © Bastian Bochinski
Die Toten Hosen haben den europäischen Teil ihrer diesjährigen Tournee beendet – mit einem Konzert in Wien am vergangenen Wochenende ging die Reise durch 17 Städte in drei Ländern zu Ende. 21 Konzerte, mehr als 900.000 Besucherinnen und Besucher: Die Tour war nicht nur musikalisch ein Erfolg, sondern für Band, Management und zahlreiche Partner auch ein groß angelegter Praxistest. Die zentrale Frage dabei: Wie lässt sich eine Tournee dieser Größenordnung nachhaltiger, sozialer und inklusiver gestalten?
Eine vollständige Bilanz wird derzeit gemeinsam mit wissenschaftlichen und fachlichen Partnern erarbeitet und soll im Herbst veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse liegen jedoch bereits vor und zeigen: Wenn Bands, Tourneeveranstalter, örtliche Partner und Dienstleister an einem Strang ziehen, lassen sich in vielen Bereichen konkrete Veränderungen umsetzen.
Batterie statt Diesel: Köln als Praxistest
Bei den beiden Konzerten in Köln wurde erstmals in Deutschland bei einer Produktion dieser Größenordnung eine Batterielösung anstelle der sonst üblichen Dieselaggregate getestet. Vom Aufbau bis zum Ende der Shows lief die Produktion vollständig über Feststrom und Batteriespeicher – am zweiten Showtag sogar komplett netzunabhängig, weil der Einsatz so reibungslos funktionierte. Dieselaggregate kamen gar nicht mehr zum Einsatz. Unter realen Tourbedingungen konnte damit gezeigt werden, dass eine solche Energieversorgung grundsätzlich auch bei Großkonzerten möglich ist.
Mehr als 30.000 Gespräche bei den Konzerten
Auch in diesem Sommer waren wieder verschiedene Organisationen auf der Tour vertreten, mit denen Die Toten Hosen teils schon seit Jahren zusammenarbeiten: Kein Bock auf Nazis, Oxfam, Pro Asyl, Ärzte ohne Grenzen und Music Saves Ukraine. Nach bisherigen Auswertungen führten ihre Teams bei den Konzerten mehr als 30.000 Gespräche mit dem Publikum. Hinzu kamen Spenden, neue Kontakte und eine große Aufmerksamkeit für die Arbeit der Organisationen.
Gemeinsame Anreise macht einen Unterschied
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Mobilität des Publikums, die einen wesentlichen Anteil an den Emissionen einer Konzerttournee ausmacht. Die vom Unternehmen Crowd Impact durchgeführte Publikumsbefragung zeigt schon jetzt eine hohe Bereitschaft zur gemeinschaftlichen Anreise: Viele Fans nutzten Bahn und öffentlichen Nahverkehr, reisten mit Fernbussen oder organisierten gemeinsame Fahrten über Fanclubs, Vereine und private Gruppen. Auch die durchschnittliche Belegung der Fahrzeuge lag den bisherigen Erkenntnissen zufolge hoch. Die detaillierte Auswertung soll nun zeigen, welchen konkreten Einfluss das auf die Mobilitätsemissionen der Tour hatte. Darüber hinaus wurden weitere Maßnahmen erprobt, darunter Sozialtickets, Angebote für mehr Barrierefreiheit und Teilhabe sowie Maßnahmen gegen Ressourcenverbrauch und Abfall.
Ergebnisse sollen im Herbst veröffentlicht werden
Wissenschaftlich und fachlich begleitet wurde die Tour unter anderem von der Berliner Hochschule für Technik, deren Daten nun ebenso ausgewertet werden wie die Publikums- und Mobilitätsbefragung von Crowd Impact, die Erkenntnisse der Initiative Barrierefrei Feiern sowie die eigenen Aufzeichnungen der Tourproduktion. Im Oktober oder November wollen Die Toten Hosen die Ergebnisse transparent veröffentlichen – ausdrücklich nicht nur das, was funktioniert hat, sondern auch, wo es Schwierigkeiten gab und welche Lehren sich daraus für künftige Touren ziehen lassen.
Die Band selbst zieht schon jetzt eine positive Zwischenbilanz: „Wir wollten ausprobieren, was heute schon möglich ist, wenn alle Beteiligten gemeinsam versuchen, eine große Tour nachhaltiger und sozialer zu gestalten. Uns war von Anfang an klar, dass dabei nicht alles perfekt funktionieren würde. Aber die ersten Ergebnisse zeigen, dass an vielen Stellen deutlich mehr möglich ist, als man vielleicht denkt.“ Man wolle die Daten nun vernünftig auswerten und dann offen darüber sprechen, was funktioniert habe und was nicht. Besonderer Dank gelte allen, die vor und hinter der Bühne mitgewirkt haben, sowie dem Publikum.
Fortsetzung ist bereits angekündigt: 2027 soll es mit der Tour weitergehen.