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Karneval trifft Hospiz: Lothar Hörning wird Schirmherr

Lothar Hörning © Michael Lübke

Lothar Hör­ning © Michael Lübke

Ein Kar­ne­vals­prä­si­dent als Bot­schaf­ter für das Ster­ben: Das klingt zunächst nach einem Wider­spruch, soll aber genau das Gegen­teil zei­gen. Lothar Hör­ning, Prä­si­dent des Comi­tee Düs­sel­dor­fer Car­ne­val, über­nimmt für ein Jahr die Schirm­herr­schaft für das Hos­piz am Evan­ge­li­schen Kran­ken­haus (EVK). Das teilte die Ein­rich­tung am Frei­tag mit. Hör­ning ist damit der 21. Düs­sel­dor­fer, der sich als soge­nann­ter Ver­bün­de­ter des Hau­ses für die The­men Ster­ben, Tod und Trauer einsetzt.

Sein Motto für das Amts­jahr lau­tet „Aufs Leben – bis zum letz­ten Tusch”. Hör­ning will Lebens­freude, Gemein­schaft und das Fei­ern des Augen­blicks in die Hos­piz­ar­beit tra­gen. „Das Ster­ben gehört zum Leben, so wie der Ascher­mitt­woch zum Kar­ne­val”, sagt er. Gerade des­halb sei es wich­tig, sich früh damit zu beschäf­ti­gen: „offen, ohne Scheu und in Würde.”

Zwi­schen Aus­ge­las­sen­heit und Endlichkeit
Aus Sicht des Schirm­herrn passt der Brü­cken­schlag bes­ser, als es auf den ers­ten Blick scheint. Die fünfte Jah­res­zeit lebe von Zusam­men­halt und Über­mut, mit der Fas­ten­zeit folge aber unwei­ger­lich der Moment des Inne­hal­tens. Er wolle Mut machen, über das Lebens­ende zu spre­chen, Rituale zu pfle­gen und gemein­sam zu lachen, „auch in schwe­ren Zei­ten”, so Hörning.

Im Hos­piz gehört das Fei­ern ohne­hin zum All­tag. Zu Kar­ne­val gibt es dort Gir­lan­den und Ber­li­ner, die Gäste schauen sich den Zug an, und wer möchte, kommt im Kos­tüm. Hos­piz­lei­te­rin Bar­bara Krug sagt, Hör­ning bringe genau den Geist mit, der dem Haus wich­tig sei: Lebens­freude, Zuge­wandt­heit und eine klare Hal­tung. Auf das gemein­same Jahr freue sie sich sehr.

Ein Düs­sel­dor­fer Modell seit 2007
Die Kam­pa­gne „Ver­bün­dete” läuft seit 2007. Jedes Jahr über­nimmt eine Per­sön­lich­keit aus der Stadt die Schirm­herr­schaft. Ziel ist es, Ster­ben und Tod aus der Tabu­zone zu holen und der Hos­pi­zidee ein öffent­li­ches Forum zu geben. Zu den frü­he­ren Ver­bün­de­ten zäh­len der Sän­ger Nemo, die Poli­ti­ke­rin Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann, die Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin Miriam Meckel, der Sati­ri­ker Chris­tian Ehring, die Düs­sel­dor­fer Sym­pho­ni­ker, der frü­here For­tuna-Mana­ger Klaus All­ofs und zuletzt Sophie Hinkel.

Vom Bochol­ter zum Düs­sel­dor­fer Jeck
Hör­ning, gebo­ren in Bocholt, ist 64 Jahre alt und Vater zweier erwach­se­ner Söhne. Seine Liebe zum Win­ter­brauch­tum ent­deckte er noch in West­fa­len, Mitte der 1990er Jahre zog er nach Düs­sel­dorf. Hier fei­erte er Kar­ne­val nicht nur mit, son­dern gestal­tete ihn bald selbst. Vor mehr als 25 Jah­ren grün­dete der gelernte Gas- und Was­ser­in­stal­la­teur und Groß- und Außen­han­dels­kauf­mann die KG Regen­bo­gen. 2008/2009 war er Prinz Kar­ne­val, küm­merte sich um die Jugend der Prin­zen­garde der Stadt Düs­sel­dorf und stand bis 2024 fünf Jahre lang an der Spitze der Prin­zen­garde Blau-Weiss.

Pünkt­lich zum 200. Jubi­läum des Düs­sel­dor­fer Kar­ne­vals ging er in den Ruhe­stand und wurde zum Prä­si­den­ten des Dach­ver­bands der Kar­ne­vals­ver­eine gewählt. Lang­wei­lig wird es ihm trotz­dem nicht: Dane­ben arbei­tet er in Teil­zeit als Geschäfts­füh­rer einer bekann­ten Düs­sel­dor­fer Haus­braue­rei und ist als Hoch­zeits- und Trau­er­red­ner buch­bar. Im Som­mer trägt er die Far­ben des St. Seb. Schüt­zen­ver­ein Düs­sel­dorf 1316 auf den Rheinwiesen.

Im Som­mer 2026 wurde Hör­ning mit dem Ver­dienst­or­den des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len aus­ge­zeich­net, stell­ver­tre­tend, wie er selbst betont, für alle ehren­amt­li­chen Kar­ne­va­lis­ten. Im Jubi­lä­ums­jahr des Düs­sel­dor­fer Kar­ne­vals erhielt er zudem den Son­der­preis „Düs­sel­dor­fer des Jahres”.

Was das Hos­piz leistet
Das Hos­piz am EVK wurde 1994 gegrün­det und gehört zum Pal­lia­tiv­netz­werk der Stif­tung Evan­ge­li­sches Kran­ken­haus Düs­sel­dorf. Die sta­tio­näre Ein­rich­tung hat 13 Bet­ten. Dazu kom­men ein ambu­lan­ter Hos­piz­dienst und das Pal­lia­tive Care Team, das schwerst­kranke Men­schen zu Hause beglei­tet. Seit der Grün­dung haben mehr als 4.500 Men­schen ihre letzte Lebens­zeit im Hos­piz ver­bracht, rund 160 Pati­en­ten wer­den jedes Jahr betreut. Das Ziel: größt­mög­li­che Lebens­qua­li­tät und Selbst­be­stim­mung bis zuletzt.

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