
Der umgestaltete Vorplatz kündigt neues Leben an dem geschichtsträchtigen Ort in der Friedrichstadt an. © Covivio
Ein Gebäude wie eine Skulptur, gewachsen aus Beton, Glas und dem Selbstbewusstsein einer ganzen Epoche: Die ehemalige Hauptverwaltung der Westdeutschen Landesbank an der Ecke Herzogstraße/Friedrichstraße steht im März 2026 im Mittelpunkt der städtischen Denkmalreihe. Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens und einer umfassenden Revitalisierung rückt die Landeshauptstadt den markanten Bau als „Düsseldorfs Denkmal des Monats“ ins öffentliche Bewusstsein – und zeigt, wie aktuell Architektur der 1970er-Jahre heute sein kann.
Was auf den ersten Blick überrascht: Ein Bauwerk, das erst vier Jahrzehnte alt ist, steht bereits unter Denkmalschutz. Doch die Geschichte des Gebäudes spiegelt zentrale Entwicklungen der jüngeren Landesgeschichte wider. Mit der Gründung der WestLB am 1. Januar 1969 entstand die größte Landesbank der damaligen Bundesrepublik – ein Symbol für wirtschaftliche Stärke und Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen. Dieser Anspruch fand seinen Ausdruck auch in der Architektur: selbstbewusst, prägnant und unverwechselbar.
Die zwischen 1979 und 1986 in zwei Bauabschnitten errichtete Zentrale wurde nach Plänen des Architekten Harald Deilmann realisiert. Der Entwurf greift die Struktur der Friedrichstadt auf und übersetzt sie in eine skulpturale Formensprache. Charakteristisch sind die gestaffelten Höhen, markante Brüstungsbänder und geschwungene Gebäudekanten, die dem Bau eine dynamische Wirkung verleihen. Die Architektur steht exemplarisch für den Fortschrittsglauben und die Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre – und entwickelte sich zugleich zum baulichen Markenzeichen der Bank. Schon damals wurde hier sichtbar, was heute als „Corporate Identity“ selbstverständlich ist.
Mit dem Niedergang der WestLB, der schließlich 2012 in ihrer Auflösung mündete, verlor das Gebäude seine ursprüngliche Funktion. Doch statt in Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, begann eine neue Phase. Unter dem Namen „ICON by Covivio“ wurde die Immobilie grundlegend neu gedacht. Aus dem einstigen Finanztempel mit streng gesicherten Zugängen ist ein offener Ort geworden, der Arbeit, Kultur und Begegnung verbindet. Öffentlich zugängliche Flächen, eine einladende Lobby sowie Angebote aus Gastronomie und Fitness öffnen das Haus für die Stadtgesellschaft. Begrünte Innen- und Außenbereiche setzen zudem neue Akzente im urbanen Raum.
Die Revitalisierung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege – ein Beispiel dafür, wie sich historische Substanz und moderne Nutzung miteinander verbinden lassen. Gerade hierin liegt die besondere Qualität des Gebäudes: Es ist nicht nur ein Zeugnis seiner Entstehungszeit, sondern auch ein funktionierendes Modell für die Zukunft.
Die Unterschutzstellung im April 2024 geht maßgeblich auf wissenschaftliche Untersuchungen zum Werk Harald Deilmanns zurück. Dessen Nachlass wird im Baukunstarchiv Nordrhein-Westfalen verwahrt und belegt die herausragende Stellung des Architekten in der deutschen Nachkriegsmoderne. Auch die Bedeutung der WestLB als Institution sowie die prägende Wirkung des Gebäudes auf das Stadtbild trugen zur Entscheidung bei, die ehemalige Hauptverwaltung in die Denkmalliste aufzunehmen.
Heute steht der Bau für weit mehr als seine ursprüngliche Funktion: Er ist ein Stück Landesgeschichte, ein eigenständiges architektonisches Kunstwerk und ein prägender Bestandteil der Friedrichstadt. Drei gewichtige Gründe, die seinen Erhalt nicht nur rechtfertigen, sondern notwendig machen.
Mit der Reihe „Düsseldorfs Denkmal des Monats“ greift die Stadt das wachsende Interesse an ihrer Baugeschichte auf. Monat für Monat werden sichtbare und verborgene Zeugnisse vorgestellt – und damit das Bewusstsein für den Wert des baulichen Erbes geschärft. Die ehemalige WestLB-Zentrale zeigt dabei exemplarisch, dass Denkmalschutz nicht Stillstand bedeutet, sondern Entwicklung ermöglicht.


