
Screenshot © fiftyfifty
Die Düsseldorfer Straßenzeitung fiftyfifty steht vor einer wachsenden Herausforderung: Immer weniger Menschen greifen zur gedruckten Ausgabe – und das ausgerechnet häufig aus gut gemeinter Rücksicht. Viele Passanten geben Obdachlosen lieber ein paar Münzen, statt die Zeitung zu kaufen. Was auf den ersten Blick hilfreich erscheint, trifft jedoch den Kern des Projekts.
Denn das Konzept von fiftyfifty basiert bewusst auf dem Verkauf eines Produkts. Verkäufer erwerben jede Ausgabe für die Hälfte des Verkaufspreises von 3,40 Euro im Voraus und verdienen an jedem verkauften Exemplar. Für sie bedeutet das nicht nur ein Einkommen, sondern auch ein Stück Würde und gesellschaftliche Teilhabe. „Der Verkauf ist eine Alternative zum Betteln“, sagt Hubert Ostendorf, Gründer und Geschäftsführer der Zeitung. Gleichzeitig mache die Zeitung Armut sichtbar und biete den Verkäufern mit dem klar erkennbaren Produkt in der Hand auch Schutz vor Diskriminierung.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Gedruckte Medien verlieren generell an Akzeptanz. Auch das bekommt fiftyfifty zunehmend zu spüren. Dabei gehe es nicht nur um Inhalte, sondern um das gesamte System hinter der Zeitung. Projekte wie „Underdog“, das sich um die medizinische Versorgung von Straßenhunden kümmert, oder „Housing First“, das Obdachlosen Wohnungen vermittelt, hängen unmittelbar am wirtschaftlichen Erfolg der Zeitung. „fiftyfifty ist der Anfang und das Herzstück von allem“, betont Ostendorf. Sollte die Auflage weiter sinken, drohe im schlimmsten Fall das Aus für die Zeitung – mit weitreichenden Folgen für die angeschlossenen Hilfsangebote.
Um gegenzusteuern, startet fiftyfifty gemeinsam mit der Düsseldorfer Agentur d.a.n.k.e. eine neue Plakatkampagne. Seit heute sind drei Motive im gesamten Stadtgebiet zu sehen. Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass der Kauf der Zeitung die nachhaltigere Form der Unterstützung ist. „Wir wollen einen Impuls setzen, dass Menschen mit sozialem Gewissen die Zeitung wieder mitnehmen und lesen“, erklärt Agenturchefin Heike Hassel, die das Marketing von fiftyfifty seit den Anfängen prägt.
Die Botschaft ist eindeutig: Wer helfen will, sollte nicht nur geben, sondern kaufen. Denn nur so bleibt das System intakt, das weit über die Zeitung hinaus soziale Hilfe ermöglicht.


