
Gefährdet leben Queere Menschen 1933–1945 © Lokalbüro
Ein bislang wenig beachteter Aspekt der Holocaustforschung rückt am Dienstag, 21. April, in den Mittelpunkt eines Vortrags in der Landeshauptstadt: die Geschichte gleichgeschlechtlicher Liebe während der Shoah. Die Historikerin Anna Hájková spricht ab 18.30 Uhr im Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf über ein Thema, das lange Zeit ausgeklammert wurde.
Unter dem Titel „Queere Liebe im Holocaust“ beleuchtet Hájková, warum gleichgeschlechtliches Begehren unter den Opfern des NS-Terrors über Jahrzehnte hinweg kaum erforscht und öffentlich erinnert worden ist. Erst in jüngerer Zeit beginne sich die Perspektive zu verändern. Die Wissenschaftlerin zeigt auf, wie die Rückkehr dieser Geschichten in das kollektive Gedächtnis zu einer umfassenderen, inklusiveren und auch feministischen Darstellung des Holocaust beitragen kann.
Die Frage, wo die großen Geschichten queerer Liebe in der Shoah geblieben sind, steht im Zentrum ihrer Forschung. Lange galt die queere Geschichte des Holocaust als Leerstelle. Mit ihrer Arbeit hat Hájková maßgeblich dazu beigetragen, diese Lücke zu schließen. Grundlage ihres Vortrags ist unter anderem ihr Buch Menschen ohne Geschichte sind Staub, das auf umfangreicher Archivarbeit basiert und sowohl Einsteigern als auch Fachpublikum einen Zugang zum Thema bietet.
Hájková, die an der University of Warwick lehrt, gilt als Pionierin der queeren Holocaustgeschichte. Ihr aktuelles Werk „Menschen ohne Geschichte sind Staub: Queeres Verlangen im Holocaust“ wurde als eines der bedeutendsten queeren Sachbücher des Jahres 2024 gewürdigt.
Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933 bis 1945“. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung sowie vom Verein Queere Geschichte(n) Düsseldorf.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Der Veranstaltungsort im Beatrice-Strauss-Zentrum an der Marktstraße 2 ist barrierefrei zugänglich.

