Der Schadowplatz aus der Vogelperspektive im Jahr 1960. Links im Bild das denkmalgeschützte Geschäfts- und Bürohaus Schadowplatz 11; Stadtarchiv Düsseldorf, Signatur: 5_8_0_034_763_116: ca. 1960, Fotograf: Karl-Heinz Küpper ©     Landeshauptstadt Düsseldorf/Stadtarchiv

Der Scha­dow­platz aus der Vogel­per­spek­tive im Jahr 1960. Links im Bild das denk­mal­ge­schützte Geschäfts- und Büro­haus Scha­dow­platz 11; Stadt­ar­chiv Düs­sel­dorf, Signa­tur: 5_8_0_034_763_116: ca. 1960, Foto­graf: Karl-Heinz Küp­per © Lan­des­haupt­stadt Düsseldorf/Stadtarchiv

 

Mit­ten im Her­zen der Düs­sel­dor­fer Innen­stadt, zwi­schen moder­nen Ein­kaufs­mei­len und dem mar­kan­ten Kö-Bogen, hat ein unschein­ba­res Geschäfts- und Büro­haus die Jahr­zehnte nahezu unver­än­dert über­stan­den. Das Haus am Scha­dow­platz 11 ist seit August 2025 offi­zi­ell ein Denk­mal – und das Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege kürt es nun zum Denk­mal des Monats Mai 2026.

Wer das Gebäude betritt, taucht ein in die frü­hen Wirt­schafts­wun­der­jahre: ori­gi­nal erhal­tene Stahl­fens­ter, geschwun­gene Vitri­nen, his­to­ri­sche Leuch­ten, Spie­gel mit gol­de­nen Rah­men und ein alter Kun­den­auf­zug, der noch heute die obe­ren Eta­gen erschliesst. Die Fas­sade aus Muschel­kalk, Stahl­spros­sen­fens­tern und fein gear­bei­te­ten Brüs­tungs­ge­län­dern wirkt streng und ele­gant zugleich – ein sel­te­nes, weit­ge­hend authen­tisch erhal­te­nes Bei­spiel der soge­nann­ten „Kon­ser­va­ti­ven Moderne”, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg eine Brü­cke zwi­schen klas­si­scher For­men­spra­che und zeit­ge­mäs­ser Bau­tech­nik schlug.

Die Geschichte des Hau­ses beginnt in den Trüm­mern. Bereits 1946 liess der renom­mierte Her­ren­aus­stat­ter Rob. Paas-Kör­ber, der seit 1868 an die­sem Stand­ort ansäs­sig und einst kai­ser­li­cher Hof­lie­fe­rant gewe­sen war, auf den Rui­nen des zer­stör­ten Vor­gän­ger­baus ein ers­tes Erd­ge­schoss errich­ten – zunächst fast aus­schliess­lich für die Offi­ziere des eng­li­schen Haupt­quar­tiers. Ab 1949 folg­ten sechs wei­tere Geschosse, geplant vom ange­se­he­nen Düs­sel­dor­fer Archi­tek­ten Gus­tav August Mun­zer. Der gebür­tige Thü­rin­ger hatte in der Stadt seine Kar­riere gemacht und war unter ande­rem für Hun­derte von Wohn­häu­sern ver­ant­wort­lich. Sein bekann­tes­tes Werk, das Eck­haus an der Prinz-Georg-Strasse 100, gilt als ers­tes Wohn­hoch­haus Deutschlands.

Am Scha­dow­platz 11 war das Haus von Beginn an ganz der Mode gewid­met: Im Erd­ge­schoss resi­dierte Paas-Kör­ber, im ers­ten Ober­ge­schoss der Schnei­der Jac­ques Len­zen, dar­über Hut‑, Tep­pich- und Kor­sett­ge­schäfte samt Werk­stät­ten. Heute wer­den die obe­ren Eta­gen über­wie­gend als Büros genutzt. Ein­zig das Ate­lier für Maß­schnei­de­rei, das Heinz-Josef Rader­ma­cher seit 1977 in den his­to­ri­schen Räu­men von Jac­ques Len­zen führt, erin­nert noch unmit­tel­bar an die Glanz­zeit des Hau­ses. Bei geöff­ne­ten Fens­tern fal­len dem Pas­san­ten archi­tek­to­nisch gestal­tete Stahl­be­ton­un­ter­züge mit fei­nen Stuck­pro­fi­len ins Auge – Details, die zei­gen, mit wel­chem Anspruch hier gebaut wurde.

Beson­ders bemer­kens­wert sind die ori­gi­nal erhal­te­nen „Nordlicht”-Metallfenster der Firma Kaether & Co. aus Kre­feld-Uer­din­gen. Sie prä­gen sowohl die Aus­sen­wir­kung des Gebäu­des als auch die Atmo­sphäre der Innen­räume und gehö­ren zu den wich­tigs­ten Zeug­nis­sen der Bauzeit.

Das Fach­amt für Denk­mal­pflege im Land­schafts­ver­band Rhein­land hatte den Denk­mal­wert des Hau­ses wis­sen­schaft­lich ermit­telt, wor­auf­hin die Stadt das Gebäude am 1. August 2025 unter Schutz stellte. Der Eigen­tü­mer trug die­sen Schritt aus­drück­lich mit – keine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Mit der Ein­tra­gung in die Denk­mal­liste ist nun sicher­ge­stellt, dass das Haus auch künf­tig als eines der weni­gen noch weit­ge­hend unver­än­der­ten Zeug­nisse der frü­hen Nach­kriegs­ar­chi­tek­tur im Düs­sel­dor­fer Stadt­bild erhal­ten bleibt.

 

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