
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Wilhelm Mettbach © Lokalbüro
Am heutigen Mittwochabend hat Düsseldorf der ersten Deportation seiner Sinti-Gemeinschaft gedacht. Am Mahnmal „Ehra – Kind mit Ball” am Alten Hafen erinnerte eine stille Kranzniederlegung mit anschliessender Schweigeminute an die Ereignisse vor 86 Jahren. Worte des Gedenkens folgten erst ab 18.15 Uhr im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf an der Marktstrasse 2, wo Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Wilhelm Mettbach, Vorsitzender der Sinti-Union Düsseldorf, sprachen.
Am 16. Mai 1940 trieben Polizei und SS die Menschen zusammen, die nur das Nötigste packen durften. Über ein Sammellager in Köln-Deutz wurden rund 1000 Menschen, darunter 130 Kinder, nach Polen deportiert. Dort fielen sie Massenerschiessungen oder den Morden in den Vernichtungslagern zum Opfer. Unter den Betroffenen waren auch rund 130 Frauen, Kinder und Männer aus Düsseldorf, die in polnische Ghettos verschleppt wurden. Ein Grossteil der Düsseldorfer Sinti überlebte den nationalsozialistischen Völkermord nicht.
Das Mahnmal, an dem die Veranstaltung begann, trägt den Namen des Mädchens Ehra. Ehra wurde während der NS-Zeit im Lager am Höherweg in Düsseldorf Lierenfeld interniert und am 16. Mai 1940 deportiert – sie gehörte zu den wenigen, die überlebten. Die schlichte bronzene Skulptur im Alten Hafen ist seither ein stiller Ort des Erinnerns im Herzen der Stadt.
Im Anschluss an die Gedenkstunde erklang im Beatrice-Strauss-Zentrum traditioneller Sinti-Swing. Zu Gast war die Prisor-Jazzband um den niederländischen Gitarristen und Bandleader Feigeli Prisor, der gemeinsam mit Wattie Rosenberg (Geige), Fremdo Rosenberg (Kontrabass) und Sendelo Schäfer (Rhythmusgitarre) auftrat. Prisor, 1964 in den Niederlanden geboren, begann seine Karriere in der Sinti-Gemeinschaft; seine musikalischen Mentoren waren Jozef „Wasso” Grünholz und dessen Neffe Stochelo Rosenberg. Unter eigenem Namen legte er die Alben „Old Memories” (2008) und „Gypsy’s Heart” (2009) vor. Der Meister des Gypsy-Jazz gilt in seiner Szene als lebende Legende und trat bereits auf internationalen Festivals in England, Frankreich, Ungarn und den Niederlanden auf – sowie 2017 beim Sinti-Jazz-Musikfestival im Düsseldorfer Weltkunstzimmer.
Die Gedenkveranstaltung war eine gemeinsame Initiative der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und der Sinti-Union Düsseldorf. Der Eintritt war frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

