
Oberbürgermeisgter Dr. Stephan Keller und Miriam Koch © Manfred Fammler
Von Manfred Fammler
Die Stadt mit OB Stephan Keller an der Spitze hat den Opernneubau begraben. Die finanzielle Lage Düsseldorfs erscheint zu dramatisch, als dass ein „Dreiklanghaus“ zu rechtfertigen wäre. „Die zentralen Pläne zum Opernneubau wurden gestoppt“, so Keller.
Diese Meldung saß.
Ein Haushaltsdefizit von 470 Millionen Euro, ein Brückenneubau, Brandschutz in der U‑Bahn, über 200 Gebäude, die renoviert oder instand gehalten werden müssen – Düsseldorf taumelt schlechten Zeiten entgegen. „Die Gesamtsituation, in der sich die Stadt Düsseldorf in einem übergeordneten Kontext befindet, lässt es zur jetzigen Zeit schlicht und ergreifend nicht zu, guten Gewissens eine so große Verpflichtung wie den Neubau eines Opernhauses einzugehen.“
Damit endet auch ein jahrelanger Streit zwischen den einzelnen Parteien um die Sinnhaftigkeit dieses Milliardenprojekts. Immer wieder wurden der Ausbau von Kitaplätzen oder finanzielle Einschnitte bei anderen Aufgaben mit dem einstigen Leuchtturmprojekt verglichen. Dabei hatte OB Keller in der langen Diskussion noch damit aufgetrumpft, dass sich eine prosperierende Stadt wie Düsseldorf dieses Opernhaus leisten könne. Wenn nicht Düsseldorf, welche Stadt denn dann? So oder ähnlich war es immer wieder aus dem Rathaus zu hören.
Und nun? Welches Zeichen sendet die Landeshauptstadt mit dem Planungsstopp in Region und Land? „Was sagt dieses Signal, dass selbst Düsseldorf so etwas nicht mehr kann? Was sagt das tatsächlich auch über den Zustand des Landes insgesamt aus? Ich tue mich echt schwer damit, ein solches Signal zu setzen, aber zaubern können wir in Düsseldorf halt auch nicht. Mir ist schon bewusst, dass das ein schwieriges Signal ist“, zeigt sich Keller resigniert.
Dabei vertraut Keller anscheinend auch nicht mehr auf einen wirtschaftlichen Umschwung in den nächsten drei bis vier Jahren. „Die Zuversicht schwindet massiv.“ Zumal der CDU-Mann auch von seinem Parteifreund, Bundeskanzler Friedrich Merz, keine großen Impulse für eine konjunkturelle Wende erwartet. „Wir können aktuell auch in den durchaus laufenden Reformbestrebungen auf Bundesebene nicht erkennen, dass wir hier mit einer nennenswerten Entlastung in absehbarer Zeit rechnen können. Gleichzeitig fehlt in diesem Land eine wirtschaftliche Dynamik, die auch uns zu der Hoffnung veranlassen könnte, dass die Steuereinnahmen irgendwann mal wieder wachsen und nicht mehr rückläufig sind.“
„Es wäre ein unglaublich wichtiges Projekt für die Stadt. Aber wir können an der Stelle eben an den Handlungszwängen, in denen wir uns befinden, nicht vorbei.“
Nun aber steht fest: Oper, Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek bleiben dezentral und finden keinen gemeinsamen Standort am Wehrhahn. Deswegen noch einmal die Nachfrage: Sind die Pläne für ein Opernhaus an diesem Standort auf der damals aus der Benko-Konkursmasse erworbenen Fläche für mehr als 140 Millionen Euro generell vom Tisch? Wie geht es nun mit dem Grundstück weiter?
Keller schließt nichts aus – einzig, so scheint es, eine neue Oper. Stattdessen wird in einer städtischen Mitteilung von „urbanem Wohnen, beispielsweise Gastronomie, Einzelhandel und Wohnen“ gesprochen, „das ähnlich einer Oper zur Aufwertung des Areals beitragen könnte“. Welch schallendes Eingeständnis – wenn auch mit leicht relativierenden Zusätzen.
„Wir werden sicherlich nicht das Grundstück jetzt einfach verkaufen, weil wir es nicht mehr brauchen. Das ist falsch. Wir werden jetzt sehr schnell Alternativen zu einer Nutzung entwickeln.“ Das Grundstück werde man nicht so lange „liegen lassen“, bis eine Oper gebaut werde. „Je nachdem, was wir dann da umsetzen wollen, ist das Thema für die Oper erledigt.“
Dabei wäre „es ein unglaublich wichtiges Projekt für die Stadt gewesen. Aber wir können an der Stelle an den Handlungszwängen, in denen wir uns befinden, nicht vorbei.“
Somit rückt der alte Standort – Kellers „Standort des Herzens“ – an der Heinrich-Heine-Allee wieder in den Fokus. Ende der 2030er-Jahre wäre ein Umzug an den Wehrhahn vollzogen worden. Das ist nun nicht mehr realistisch. Stattdessen wird für das alte Haus eine neue Planung nötig: Brandschutz, Arbeitsplatzbedingungen und weitere Sanierungsmaßnahmen.
Doch bei allen Unwägbarkeiten halten OB Keller und Kulturdezernentin Miriam Koch an einer Oper in Düsseldorf fest. „Der Standort ist gesichert“, verspricht Keller. Am 18. Juni wird der Rat aufgefordert, für die Sanierung an der alten Spielstätte die Hand zu heben. In der zweiten Jahreshälfte 2027 würden die Bauarbeiten beginnen.
Wie viele Millionen Euro allein für die Vorbereitung dieses musikalischen Luftschlosses verbrannt wurden, tut angesichts der prekären Haushaltslage doppelt weh.
Worunter sich die bange Frage mischt: Bitte keine Kölner Verhältnisse beim Aufpimpen des Opernhauses am Hofgarten.


