
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller sprach anlässlich des Gedenktages “Jom HaShoah” ein Grußwort und las einen Teil der Namen der Düsseldorfer Holocaust-Opfer vor. © Lokalbüro
Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus ist es still geworden, als am Dienstag die ersten Namen verlesen werden. Namen von Menschen, die einst in Düsseldorf lebten, arbeiteten, ihre Familien hatten – und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Anlässlich des Gedenktages Jom HaShoah haben die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und die Jüdische Gemeinde Düsseldorf unter dem Leitsatz „Jeder Mensch hat einen Namen“ zu einer zentralen Gedenkveranstaltung eingeladen. Zahlreiche Bürger waren der Einladung gefolgt.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das öffentliche Verlesen der Namen von 2.633 Düsseldorfer Holocaust-Opfern. Die Liste basiert auf den historischen Forschungen der Mahn- und Gedenkstätte und wird Jahr für Jahr ergänzt und verlesen – als bewusstes Zeichen gegen das Vergessen. Schüler, Vertreter aus Politik und Stadtgesellschaft sowie Bürger beteiligten sich an der Lesung.
Oberbürgermeister Stephan Keller eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort und beteiligte sich selbst an der Namenslesung. „Die Menschen, derer wir heute gedenken, waren Düsseldorfer. Es waren Menschen wie Sie und ich, wie Du und ich“, sagte Keller. Sie hätten Spuren in der Stadt hinterlassen, sich für das Gemeinwesen eingesetzt und ihre Heimat geliebt. „Die Menschen, deren Namen wir heute hören, sind nicht vergessen“, betonte der Oberbürgermeister. Es sei Aufgabe der heutigen Generation, das Andenken an die Verfolgten und Ermordeten wachzuhalten – Jahr für Jahr, mitten in ihrer Heimatstadt.
Der Gedenktag Jom HaShoah wird in Israel als nationaler Erinnerungstag begangen und erinnert an die rund sechs Millionen ermordeten Juden der Shoah. Auch in Düsseldorf ist er fester Bestandteil der Erinnerungskultur geworden. Die öffentliche Namenslesung auf dem Marktplatz macht das Gedenken sichtbar und hörbar – und gibt den Opfern ihre Identität zurück.
Mit jedem ausgesprochenen Namen wird deutlich: Hinter der Zahl von 2.633 stehen einzelne Lebensgeschichten. Die Veranstaltung zeigt, dass Erinnerung nicht abstrakt bleibt, sondern konkret wird – im Klang der Namen, im Innehalten der Zuhörer und im gemeinsamen Gedenken im Herzen der Stadt.


