Von Gabriele Schreckenberg

4,5 Hektar misst der Park der Sinne in Kaarst an der Grenze zu Tönis­vorst. Er liegt inmit­ten von son­nen­blu­men­be­stan­de­nen Fel­dern, Skulp­tu­ren und Kunstinstallationen.

An die­sem Som­mer­nach­mit­tag bei etwa 23 Grad geht ein leich­ter Wind, der die schwe­ren Kas­ta­nien und Buchen sachte bewegt. Unzäh­lige Lie­ge­stühle in allen Farb­kas­ten­tö­nen ste­hen auf der Wiese im Schat­ten und in der Sonne und war­ten auf Gäste.

Ein offe­ner Imbiss­wa­gen mit Kaf­fee­ma­schine und Milch­auf­schäu­mer, Glä­sern, gekühl­ten Geträn­ken und Apfel­stru­del unter der Haube lockt die Besu­cher an.

Der Park der Sinne in Kaarst © Gabriele Schreckenberg

Zum Seele bau­meln lassen

Es ist schön hier, luf­tig, ent­spannt, ideal für Kin­der und Ruhe­su­chende, die ihre Seele auf dem Gelände der Tönis­höfe bau­meln las­sen möchten.

2018 wurde der Park gegrün­det. Helge Achen­bach, Kunst­be­ra­ter aus Düs­sel­dorf, der einst viele Schlag­zei­len in den Gazet­ten füllte, ist Mit­be­grün­der des Parks, der geschickt Kunst, Kul­tur, Aus­flug und Erho­lung mit­ein­an­der verbindet.

Mit im Boot sind Dirk Nie­bergall und Lars Christoph.

Helge Achen­bach hat als Kunst­be­ra­ter einst von sich reden gemacht. Nach­dem er wegen Betrugs ver­ur­teilt und inhaf­tiert wor­den war, hat er sein Leben wie­der in die Hand genom­men. Ein Men­schen­fän­ger sei er, sag­ten Weg­ge­fähr­ten. Einer, der immer wie­der auf die Füße fällt. Einer, der Men­schen für sich ein­neh­men kann. Einer, der geläu­tert ist.

Kul­tur ohne Grenzen

Der gemein­nüt­zige Ver­ein „Cul­ture wit­hout bor­ders e.V.“ hat hier sein Zuhause. Ohne Gren­zen trifft es, weil in die­sem Park mit Wohn­häu­sern, Café, Grill und Aus­stel­lungs­räu­men Künst­le­rin­nen und Künst­lern die Chance gege­ben wird, zu arbei­ten und auszustellen.

Die­ser Ver­ein ist inter­na­tio­nal aktiv und bie­tet gerade Kunst­schaf­fen­den, die aus Kri­sen­re­gio­nen geflüch­tet sind, eine Bleibe.

Und es gibt viel zu ent­de­cken im Park der Sinne, der sicher sei­nen Namen aus der Ver­schmel­zung von Natur, Kunst und Krea­ti­vi­tät hat. Hier weht nicht nur ein freier Geist, hier weht auch fri­scher Wind über die Fel­der von Kaarst.

Bier­gar­ten und Blumenwiese

Die Men­schen, die den Park der Sinne besu­chen, freuen sich auf eine Aus­zeit. Sie dür­fen hier ein­fach sein, Kaf­fee trin­ken, Kuchen essen. Manch­mal gibt es eine Brat­wurst vom Grill, dazu Pom­mes oder Fisch.

Wech­selnde Aus­stel­lun­gen im Innern und im Außen­be­reich sor­gen für Abwechs­lung und Stau­nen. Anstelle von Hoch­glanz­ga­le­rien über­zeu­gen hier die impro­vi­sier­ten Räume, mit gro­ßen Sitz­bän­ken ver­se­hen, die alle­samt zum Auf­ent­halt einladen.

Der Wech­sel zwi­schen Außen- und Innen­be­reich ist flie­ßend. Mehr als neun inter­na­tio­nale Künst­le­rin­nen und Künst­ler sind auf dem Gelände mit ihren Wer­ken ver­tre­ten. Und wer von einem Werk begeis­tert ist, kann es hier sofort erwerben.

Jedes Jahr wer­den Künst­ler ein­ge­la­den, die für bestimmte Flä­chen neue Skulp­tu­ren schaffen.

Wir schlen­dern über die gro­ßen Blu­men­wie­sen, bevor wir an einem hohen Holz­tisch Platz neh­men, um einen Cap­puc­cino zu trin­ken. In der gro­ßen, aus­ge­bau­ten Scheune nebenan berei­tet ein jun­ges Paar alles für seine Hoch­zeit am kom­men­den Tag vor. Der kleine Zwerg­da­ckel Rudi beob­ach­tet auf­merk­sam, wie die wei­ßen Rosen die Tische fül­len und mit „Love“ ver­zierte Luft­bal­lons, mit Helium gefüllt, an die hohe Decke schweben.

Die Loca­tion ist toll, denn sie hat viel Raum außen und innen. Wer einen Spa­zier­gang machen möchte, pas­siert das freie, baum­be­stan­dene Gelände. In einem klei­nen ein­ge­zäun­ten Bereich lau­fen Hüh­ner herum. Als ich vor­bei­komme, betrach­ten sie mich arg­wöh­nisch. Der Hahn stellt sofort sei­nen Kamm auf und bewacht seine Truppe.

Visio­nen und Pläne

Der Park der Sinne soll ein Zukunfts­pro­jekt sein. Ein gro­ßer See ent­steht gerade, der in eini­gen Jah­ren bis an den Tönis­hof her­an­rei­chen soll. Ein mehr als fünf Kilo­me­ter lan­ger Rund­weg soll den See säu­men und zum Ver­wei­len einladen.

Eine ein­ma­lige Begeg­nung mit Kunst und Natur – das wird im Park der Sinne ver­spro­chen. Und gehalten.